Kling! Da sprang die Sicherung...

Von Florian Bogner
Sonntag, 24.02.2008 | 22:16 Uhr
© Imago
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München - Das Spitzenspiel des 21. Spieltags war eigentlich schon vorbei, da hatte Mark van Bommel seinen großen Auftritt.

Der FC Bayern hatte in den 92 Minuten zuvor eine passable Leistung abgeliefert, doch dummerweise stand da auf der Anzeigetafel ein 1:1, die Hamburger waren drauf und dran einen Punkt aus der bayerischen Landeshauptstadt zu entführen.

Als dann auch noch Schiedsrichter Lutz Wagner, der nicht seinen besten Tag erwischt hatte, einen Einwurf gegen van Bommel pfiff, war dieser außer sich. Gelb die Konsequenz - van Bommels Fünfte, Pause im Spitzenspiel gegen Schalke.

Kling, da sprang die Sicherung raus. Hämischer Applaus in Richtung Wagner und dann noch die Hand-in-die-Ellenbeuge-Geste, die der Holländer im vergangenen Jahr schon mal dem Madrider Publikum gezeigt hatte. Gelb-Rot. Zu Recht.

"Das war total unnötig", schimpfte Trainer Ottmar Hitzfeld hinterher. "Gut, der Schiedsrichter hat ein paar merkwürdige Entscheidungen getroffen und Mark war ziemlich sauer. Trotzdem muss man es akzeptieren und darf nicht mehr applaudieren, wenn man eine Gelbe Karte bekommt."

Drittes Top-Spiel, drittes Remis

Nach dem Verhaltenskodex der Bayern droht dem Holländer nun eine saftige Geldstrafe und theoretisch sogar ein Ermittlungsverfahren des DFB, weil Wagner die obszöne Geste wohl nicht gesehen hatte und deswegen auf glatt Rot verzichtete.

Van Bommel selbst meinte hinterher, die Geste habe nicht dem Schiedsrichter gegolten. "Das war nicht für den Schiri gedacht, das war eigener Frust, denn ich rauslassen musste. Es ist einfach ärgerlich, dass ich kurz vor Schluss die fünfte Gelbe Karte gesehen habe", sagte der Holländer. 

Die Unbeherrschtheit von van Bommel war nicht der einzige Makel der Bayern gewesen, die sich spielerisch in den letzten Wochen zwar weiterentwickelt haben, gegen Hamburg aber erneut einen Big Point im Meisterschaftsrennen liegen ließen.

"Wir haben eine Chance vergeben, richtig wegzuziehen", meinte auch Manager Uli Hoeneß. Warum nach Schalke und Bremen auch das dritte Heimspiel gegen die direkte Konkurrenz nur 1:1 endete, konnte er sich auch nicht so recht erklären.

Warten auf Ribery hat ein Ende

Die Mannschaft würde sich selbst eben sehr unter Druck setzen, vermutete er: "Und mit diesem Druck hat die Mannschaft offensichtlich Schwierigkeiten, das war gegen Bremen auch schon so."

Franz Beckenbauer bemängelte im Premiere-Studio vor allem die mangelnde Konzentration vor dem Tor: "Der HSV hat unglaublich diszipliniert gespielt. Aber man muss dann eben in der Lage sein, die wenigen Tormöglichkeiten zu nützen. Es sind nur Kleinigkeiten, die letztlich fehlen, um gegen eine so starke Mannschaft wie den HSV zu gewinnen."

Erst als der wieder genesene Franck Ribery in der 61. Minute ins Spiel kam, wurden die Angriffsbemühungen der Bayern zielstrebiger - prompt bereitete der Franzose den Ausgleich durch Ze Roberto (66.) vor (das Tor im SPOX-Replay).

Lucios gebrauchter Tag

Makel Nummer drei war die schwache Leistung von Abwehrchef Lucio gewesen, der an diesem Nachmittag irgendwie neben sich stand und mit einem Stockfehler das Gegentor durch Ivica Olic (60.) verschuldete.

"Er hatte heute nicht seinen besten Tag", meinte Hitzfeld. "Wenn man solche Spitzenspiele für sich entscheiden will, darf man nicht solche Fehler machen." Sinnbildlich für Lucios gebrauchten Tag stand eine Szene in der 42. Minute, als der Brasilianer einen Schuss von Piotr Trochowski aus kurzer Distanz ins Zentralmassiv bekam. War wirklich nicht sein Tag.

Und dann ist da natürlich noch Miroslav Klose zu nennen, der wie ein Schatten seiner selbst über das Spielfeld eierte, weit entfernt von seiner Top-Form zu Beginn der Saison.

Weil Luca Toni sich in etlichen Szenen mit HSV-Abwehrmann Joris Mathijsen aufrieb und sein Deutsch fortwährend an Schiri Wagner testete, war der Bayern-Angriff so nahezu wirkungslos - dass ausgerechnet Ze Roberto traf, war sinnbildlich.

Klose könnte sich wie zuletzt im UEFA-Cup auch im Pokal-Derby am Mittwoch auf der Bank wieder finden, Lukas Podolski lauert auf seine Chance.

"Haben die Meisterschaft spannend gehalten"

Der Konkurrenz wird es letztlich egal sein, mit welchen Schönheitsfehlern sich der Primus rumschlagen muss - durch den Punktgewinn der Hamburger wurde eine Vorentscheidung vertagt, es bleibt einigermaßen spannend.

"Ich habe immer gesagt, Bayern ist Titelkandidat Nummer eins. Das bleiben sie auch, aber wir haben die Meisterschaft spannend gehalten. Daher Kompliment an meine Mannschaft", meinte HSV-Trainer Huub Stevens, der zunächst auf die Dienste des angeschlagenen Rafael van der Vaart verzichtet hatte und den Spielmacher erst in der 78. Minute einwechselte.

"Wenn man nach München kommt und einen Punkt holt, muss man zufrieden sein", sagte der Coach. "Mit einem bisschen mehr Glück hätten wir aber auch mehr holen können." So blieb ihm immerhin der Trost, dass die Hamburger zum dritten Mal in Folge in der Bundesliga in der Allianz Arena ungeschlagen blieben und Mark van Bommel damit bis zur Weißglut trieben.

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