Balitsch und Tarnat im Interview

"So kann es nicht weitergehen"

Von Interview: Daniel Paczulla
Samstag, 23.02.2008 | 12:12 Uhr
Tarnat, balitsch
© Getty
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München/Bochum - Bei Hannover 96 klappt derzeit nichts mehr, was in der Vorrunde noch funktioniert hat. Nach der 1:2-Niederlage in Bochum warten die Niedersachsen nun schon seit fünf Partien auf einen Sieg.

In der Vorrunde noch auf UEFA-Cup-Kurs, im neuen Jahr nun völlig abgestürzt. Bei SPOX.com sprechen Hanno Balitsch und Michael Tarnat (im Bild links mit 96-Keeper Robert Enke) über die Ursachen für die Misere und erklären, was nun passieren muss.

SPOX: Herr Tarnat, Herr Balitsch, 1:2 in Bochum verloren. Woran lag es?

Michael Tarnat: Wir haben zu viele Abspielfehler gemacht und die Bochumer zu ihren Kontern eingeladen, die sie eiskalt genutzt haben.

Hanno Balitsch: Das gute Konterspiel hat uns weh getan, ja. Wir haben es zudem nicht geschafft, die spielerische Überlegenheit der ersten Halbzeit in etwas Zählbares umzumünzen. Wir haben keine Mittel gegen die tief stehenden, disziplinierten Bochumer gefunden.

SPOX: Nach der Pause sind sie aber zumindest kurzzeitig zurückgekommen.

Balitsch: Das ist richtig. Wir schaffen den Ausgleich, haben noch eine Riesen-Chance zur Führung, geraten aber wieder durch einen Konter in Rückstand. Dann ist es uns nicht mehr gelungen, aus einer der vielen Strafraumszenen Kapital zu schlagen, um wenigstens einen Punkt mitzunehmen. Ohne die Leistung der Bochumer zu schmälern: Wir haben uns selbst geschlagen.

SPOX: Hannover ist seit fünf Spielen ohne Sieg, in der Rückrunde holte man erst zwei Punkte. Warum steckt bei ihnen der Wurm drin?

Tarnat: Ich weiß es nicht. Aber wir müssen uns Gedanken machen. So kann es nicht mehr weitergehen. Denn wenn wir so weiter spielen, dann wird das, was wir uns vornehmen, nicht eintreffen.

Balitsch: Beim 1:1 in Hamburg haben wir die Messlatte sehr hoch gelegt. Wir haben sehr gut gespielt, aber nicht gewonnen. Vielleicht haben wir auch intern gedacht, dass wir gut reingekommen sind. Danach konnten wir es aber nicht mehr bestätigen. Jetzt gilt es, nach den Ursachen zu forschen.

Tarnat: Dabei hatten wir im Winter eine gute Vorbereitung. Nach dem ordentlichen Start in Hamburg haben wir uns vielleicht tatsächlich zu sicher gefühlt und gedacht, dass es von alleine so weiter läuft - ohne Arbeit. Doch das Ergebnis haben wir jetzt.

SPOX: 16 Gegentore in den letzten sechs Spielen. Liegt das Hauptproblem in der Abwehr?

Tarnat: Ich glaube, es ist ein allgemeines Problem. Wir sind nicht mehr so kompakt und spielen nicht mehr so gut Fußball wie in der Hinrunde. Das ist jetzt alles ein bisschen verflogen. Wir spielen nicht mehr als Mannschaft, sondern in Teilen. Abwehr, Mittelfeld und Sturm spielen für sich alleine.

SPOX: Was muss passieren?

Tarnat: Was wir uns in der Vorrunde erarbeitet haben, können wir uns nicht kaputt machen. Jeder muss sich jetzt hinterfragen.

SPOX: Sie sprechen die Vorrunde an: Im Dezember war Hannover noch mittendrin im Kampf um die UEFA-Cup-Plätze. Jetzt haben sie den Anschluss verpasst. Kann 96 noch einmal rankommen?

Balitsch: Es ist unser Anspruch, möglichst lange da oben mitzuspielen und vielleicht unsere Chance zu suchen. Aber wir brauchen nicht zu gucken, wie weit die UEFA-Cup-Plätze oder die Abstiegsplätze weg sind. Solange wir so spielen und keine Punkte einfahren, brauchen wir nicht rechnen oder schauen, wie die anderen spielen. Wir müssen unser Spiel verbessern und wieder an die Leistungen der Hinrunde anknüpfen.

Tarnat: Wir stellen jetzt natürlich den Spielbetrieb nicht ein, nur weil wir wieder verloren haben. Sicherlich müssen wir uns zusammensetzen, darüber sprechen und die Partie analysieren. Jetzt haben wir Nürnberg vor der Brust. Da müssen wir unbedingt gewinnen. Und dann schauen wir, wie es weitergeht.

Balitsch: Gerade gegen Mannschaften wie Bochum, den vermeintlich kleinen Teams, haben wir in der Hinrunde die Punkte eingefahren. Dahin müssen wir wieder zurückkehren. Und wenn wir das schaffen, kann man wieder einen Blick auf die Tabelle werfen. Ansonsten brauchen wir darauf nicht zu gucken.

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