Montag, 18.02.2008

Die Alternative Liste

Curry King und Pfeffersteak

 München - Der 20. Spieltag der Bundesliga stand ganz im Zeichen der Zahlen. Nürnbergs Saenko brauchte immerhin nur 154 Sekunden, um sich zwei Gelbe Karten abzuholen, Leverkusens Bulykin durfte sich schon zehn Sekunden nach Spielbeginn über gesteigerte Aufmerksamkeit beim Schiedsrichter freuen.

© Imago

Zahlensalat und andere kulinarische Köstlichkeiten - die Erkenntnisse des Wochenendes gibt's wie immer gesammelt, kurz und knapp in der Alternativen Liste

1. Finanzspritze für Schalke: Was läuft da zwischen Schiedsrichter Michael Kempter und Schalke 04? Nach dem Münzwurf vor dem Spiel gegen Wolfsburg ließ der 25-Jährige doch tatsächlich die harte Währung am Boden liegen. Die Münze ward nicht mehr gesehen. Aber wieso? Dient sie jetzt als Talisman für Schalkes CL-Spiel gegen Porto? Als eiserne Rücklage, sollte Gazprom irgendwann mal keine Lust mehr auf Gelsenkirchen haben? Sehr seltsam. Kempter ist schließlich Bankkaufmann bei der Sparkasse Pfullendorf/Meßkirch.

2. Zahlenspiele I: Was man in 2 Minuten und 34 Sekunden so alles machen kann: Einen "Curry King" in der Mikrowelle. Einmal auf Toilette gehen. Ganz doll die Luft anhalten, weil man sauer auf jemanden ist und den mal so richtig erschrecken will. Oder aber mit Gelb-Rot vom Platz fliegen. Wie Ivan Saenko in Bremen. Reife Leistung.

3. Zahlenspiele II: Da war wohl einer übereifrig. Dmitry Bulykin benötigte für seine Gelbe Karte im Spiel gegen den KSC gerade mal 10 (in Worten: zehn) Sekunden. Richtig mannhaft erworben durch einen Ellbogenschlag gegen Maik Franz. Wollte wohl Rekordhalter werden, der Schlingel. Da hätte er sich aber besser mal vorher informiert. Unangefochten auf Rang eins liegt nämlich immer noch Vinnie "the Axe" Jones (im Bild). 3 (in Worten: drei) Sekunden benötigte Englands fiesester Treter aller Zeiten beim Spiel gegen ManCity dereinst. Legendär auch Jones' Tackling beim Warmmachen vor einem Match im Sommer 1988, als er einen aufs Feld geirrten Vierjährigen von der Seite beinahe in die ewigen Jagdgründe grätschte. Zitat Jones: "I went for the ball." Wer's glaubt.

Atomphysiker Dr. Robert Bruce Banner alias Hulk alias David Jarolim
Atomphysiker Dr. Robert Bruce Banner alias Hulk alias David Jarolim
© Getty

4. Der unglaubliche Hulk: David Jarolim ist ja so ein Tausendsassa, ein wahrer Teufelskerl. Spieleröffner beim HSV, Ballschlepper für die Tschechische Republik, immer am Boden liegend, aber doch nie wirklich unten. Und jetzt das: Jarolim trifft das Tor. Eins im UEFA-Cup gegen Zürich, zwei in der Bundesliga gegen Bochum. Dass Jarolim sich bisweilen in den unglaublichen Hulk verwandelt, war ja schon bekannt. Aber jetzt gleich sowas!?

5. Nicht Ballack sondern Möller: Von Siyabonga Nkosi war vor der Saison nicht viel bekannt. Außer einem ziemlich lässigen Vornamen hatte der Südafrikaner wenig zu bieten. Dann aber kam Ernst Middendorp und gab seinem neuen Schützling das Anhängsel "der Ballack Afrikas". Ein Name wie Donnerhall. Beim Spiel in Berlin entpuppte sich der Bielefelder aber eher als der Möller Afrikas. Rotzfrech hob Nkosi gut einen Meter vom gegnerischen Abwehrbein entfernt zu einer formvollendeten Schwalbe ab. Muss sich der gute Ernst wohl verguckt haben.

6. Webers Zauberstunde: Jose Pekerman war Trainer der argentinischen Nationalmannschaft, also hat er Ahnung vom Fußball. Pekerman taufte eine von Ronaldinhos eigenartigen Erfindungen einst den "Kaugummi". Gemeint ist damit die Gabe, sich den Ball so schnell zwischen beiden Beinen hin und her zu passen, dass der Gegner gar nicht mehr weiß, wo genau der Ball denn jetzt klebt. Duisburgs Christian Weber wollte das jetzt unbedingt auch mal ausprobieren. Grob fahrlässig war dabei jedoch der Umstand, dass er fünf Meter vor dem eigenen Tor fuhrwerkte und am Ende selbst gar nicht mehr wusste, wo genau der Ball denn jetzt klebte. Thomas Hitzlsperger erlöste ihn von seiner Pein und schoss den Stuttgarter Siegtreffer.

"Und das da ist der Ball: DFB-Chef Dr. Theo Zwanziger und Kanzlerin Angela Merkel
"Und das da ist der Ball: DFB-Chef Dr. Theo Zwanziger und Kanzlerin Angela Merkel
© Getty

7. Fußball und Politik I: Hach, was haben wir doch fußballbegeistere Politker. Nach Wolfgang Clement (VfL Bochum), Kurt Beck (1. FC Kaiserslautern) und Gerd "Acker" Schröder (eigentlich alle) hat sich jetzt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel höchstselbst zum FC Energie Cottbus bekannt - und überzeugte gleich mit allerhand Fachdidaktik: "Die Ballanteile schienen mir doch sehr hoch. Jetzt fehlt nur noch ein bisschen Kraft vor dem Tor. Ich denke aber, dass Cottbus gute Chancen und das Potenzial besitzt, für Überraschungen gut zu sein." In Erich Rutemöllers Promi-Trainerlehrgang sollen ja noch einige Plätze frei sein. Lothar Matthäus hat sich schon angemeldet.

8. Fußball und Politik, II: Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff orakelte vor dem Spiel von Hannover gegen die Bayern noch nassforsch: "Ich habe von einem 3:2 geträumt. Ich weiß nur nicht mehr für wen." War ja mal Essig mit der Traumdeuterei. Da wollen wir gar nicht erst wissen was passiert, wenn Herr Wulff demnächst von Vollbeschäftigung im ganzen Land träumt.

9. Diskussion, die: Lateinisch für Erörterung, Aussprache, Meinungsaustausch. Aber wo wird hier denn bitteschön diskutiert? Frage: "Stichwort Torhüterfrage bei der Nationalmannschaft. Jens Lehmann hat kaum Spielpraxis, Ihr Keeper Rene Adler bringt Woche für Woche Top-Leistungen. Muss Leverkusen, müssen Sie als Trainer jetzt nicht Druck machen bei Joachim Löw?" Michael Skibbe: "Nö." Torhüterdebatte war gestern.

10. Schlauer Mladen: Mladen Petric hält sich auch für ganz besonders schlau. Trägt doch einfach ein zweites Trikot unterm ersten Trikot, um damit beim Torjubel der Gelben Karte zu entfleuchen. Hat aber nicht geklappt, Schiedsrichter Peter Sippel hielt dem Schweiz-Kroaten dennoch den gelben Karton unter die Nase. Warum Herr Petric inkonsequenterweise nur ein Trikot drunter trug, obwohl er dann doch zwei Tore schoss, bleibt sein Geheimnis. Wahrscheinlich aus Angst vor Gelb-Rot.

11. Kulinarische Köstlichkeiten: Olympiastadion Berlin, Nachspielzeit der Nachspielzeit: Thorben Marx köpft einen hohen Ball... direkt Gegenspieler Raffael vor die Flinte. Der schießt natürlich prompt ein, die Niederlage für Bielefeld. Hat wohl was am Auge gehabt, der Thorben. Wie einst zu seiner Berliner Zeit. Polizeikontrolle, der Drogenschnelltest Drugwipe schreit Juchu. Kokain, Marx' Augen offenbar rot unterlaufen, Schweiß auf der Stirn. Darauf Marx: "Ich hatte vorhin noch Training. Außerdem habe ich gerade ein Pfeffersteak gegessen." War natürlich wirklich unschuldig. Trotzdem schmissige Ausrede.

Stefan Rommel

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