Koinzidenz im Keller

Von Andreas Lehner
Samstag, 16.02.2008 | 21:43 Uhr
Bielefeld, Hertha, Berlin
© Getty
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München -Das zeitliche, jedoch nicht räumliche Zusammentreffen von zwei oder mehreren Ereignissen nennt man Koinzidenz.

Ein solcher Moment zauberte am Samstag allen Fans von Hansa Rostock ein Lächeln ins Gesicht. Denn die Last-Minute-Tore von Thomas Hitzlsperger in Duisburg und Raffael in Berlin dürften in Rostock für viel Jubel gesorgt haben. Hansa, das sein Spiel gegen Eintracht Frankfurt durch ein Tor von Christian Rahn gewann, ist der große Gewinner des 20. Spieltags im unteren Tabellendrittel.

Mit ihrem Sieg und den gleichzeitigen Niederlagen von Duisburg, Bielefeld, Cottbus und Nürnberg hat sich Rostock ein kleines Polster von fünf Punkten auf einen Abstiegsplatz angefressen. "Davon dürfen wir uns aber nicht benebeln lassen. Wir werden uns nicht zurücklehnen, sondern müssen versuchen, diese gute Ausgangsposition zu nutzen", sagte Frank Pagelsdorf.

Jetzt das Trikot von Hansa Rostock mit den Unterschriften aller Spieler ersteigern!  

Nicht erstligareif

Dagegen hat Duisburg jetzt schon vier Punkte Rückstand zum rettenden Ufer. Wenn man die erste Halbzeit gegen den VfB Stuttgart, die laut Christian Tiffert "das schlechteste was der MSV bislang gezeigt hatte" und "nicht erstligareif" (Rudi Bommer) war, als Maßstab nimmt, ist das auch kein Wunder. Doch irgendwie schafften es die Zebras, sich in der Halbzeit von einer Raupe in einen Schmetterling zu verwandeln.

Die "leisen Töne", die Bommer in der Kabine angeschlagen hatte, dürften ausschlaggebend für die Leistungsexplosion nach dem Seitenwechsel gewesen sein. "Nach außen hin bin ich das Engelsgesicht, intern kann ich aber schon die Drecksau sein", hatte Bommer bereits vor der Partie verraten. Offenbar hat er das in der Halbzeitpause auch gezeigt.

Hoffnung für die Zukunft

Seine Mannschaft kam mit Leidenschaft und Einsatzwillen aus der Kabine und wandelte das 0:2 in ein 2:2. Doch praktisch mit dem Schlusspfiff machten sich die Duisburger mit einer Unkonzentriertheit in der Defensive die Arbeit der zweiten 45 Minuten selbst kaputt.

Mit nur 14 Punkten aus 20 Spielen ziert der MSV das Tabellenende und muss nun dringend beginnen zu punkten. "Wir haben in der zweiten Hälfte gesehen, was diese Mannschaft leisten kann, daher bin ich überzeugt, dass wir den Klassenerhalt schaffen können, wenn wir immer weiter kämpfen", sagte MSV-Boss Walter Hellmich.

Schmerzhafte Sekunden

Praktisch zeitgleich ereilte auch Arminia Bielefeld der K.o. im Berliner Olympiastadion. Zwei Minuten Nachspielzeit waren angezeigt. Die waren auch abgelaufen.

Doch weil Tobias Rau einen Ball ins Gesicht bekommen hatte und die Partie kurz unterbrochen werden musste, ließ Schiedsrichter Günter Perl noch ein paar Sekunden länger spielen. Sekunden, die die Hertha zum Siegtreffer nutzte.

Die Mechanismen des Fußballs

Für die Arminia war es die vierte Niederlage im vierten Spiel (DFB-Pokal inklusive) unter Michael Frontzeck. Der wird nicht müde, seine Politik der kleinen Schritte zu betonen. Auch in diesem Spiel habe seine Mannschaft wieder kleine Schritte nach vorne gemacht. Irgendwann müsse aber auch ein großer folgen.

"Denn jeder kennt die Mechanismen des Fußballgeschäfts", meinte der Trainer. Einen solchen großen Schritt könnte die Arminia am nächsten Samstag machen, da kommt der MSV Duisburg auf die Alm.

Kein Sieg für Angela Merkel

Ebenfalls ein "Sechs-Punkte-Spiel" im Abstiegskampf findet am Sonntag in Nürnberg statt. Dort empfängt der Club Energie Cottbus. Beide Teams haben in der Rückrunde erst einen Punkt geholt und stehen mit insgesamt 16 Zählern auf den Abstiegsrängen 16 und 17.

Dabei zeigte Energie in den ersten drei Spielen aufsteigende Tendenz, konnte diese jedoch nicht in Punkte ummünzen. Auch der Besuch des neuen Ehrenmitglieds Angela Merkel im Stadion der Freundschaft half nichts. "Wir wollten der Kanzlerin Angela Merkel heute ein Geschenk machen, aber wir haben heute schwächer gespielt als zuletzt", meinte Coach Bojan Prasnikar.

Muster ohne Wert

Anders verhielt es sich beim Club. Die Nürnberger begann stark, zeigten unter dem neuen Trainer Thomas von Heesen gute Ansätze und bereiteten Werder Bremen bis zur 20. Minute große Probleme - dann flog Iwan Saenko vom Platz. Die Nürnberger machten sich das Spiel damit selbst kaputt.

"Das Spiel war nach dem Platzverweis in der 20. Minute ein Muster ohne Wert", sagte von Heesen und gab die Richtung für die kommende Woche vor. "Wir haben keine andere Wahl, als weiter hart zu arbeiten."

So ähnlich äußerten sich übrigens auch Prasnikar, Frontzeck, Bommer und Pagelsdorf. Unabhängig voneinander, aber fast zeitgleich.

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