Samstag, 16.02.2008

Meisterschaft, ade

Aus Mangel an Phantasie

München - Sieger haben in der Regel immer einen Plan, Verlierer immer eine gute Ausrede parat. 

Fußball, Bundesliga, Leverkusen, Adler
© Getty

"Ganz klar, wir haben einen Punkt gewonnen", resümierte Michael Skibbe das 2:2 gegen den Karlsruher SC. Dabei ist Bayer Leverkusen zusammen mit Schalke 04 der Verlierer des Tages. Schließlich setzte sich Werder Bremen mit einem kaltschnäuzigen Sieg über den 1. FC Nürnberg in der Tabelle weiter ab.

Dabei sah Leverkusen bis zur 60. Minute aus wie ein abgeklärtes Top-Team. Simon Rolfes und Stefan Kießling hatten die Gäste 2:0 in Führung gebracht, doch nach dem Sonntagsschuss von Sebastian Freis hielt plötzlich der Schlendrian Einzug.

Spielerisch überlegen, ließ sich die Werkself zum Schluss komplett den Schneid abkaufen und durfte sich bei Keeper Rene Adler bedanken, der zahlreiche tolle Paraden zeigte und in der Nachspielzeit einen Kopfball von Maik Franz von der Linie kratzte.

Das Ziel ist nicht Platz eins 

"Leider haben wir das Anschlusstor sehr schnell kassiert, sonst hätten wir uns ins Ziel mogeln können", so Skibbe, der zusammen mit Sportdirektor Rudi Völler den überragenden Adler mit Lobeshymnen überschüttete.

Der Trainer nutzte sowohl den Wirbel um Adler als auch das bevorstehende UEFA-Cup-Spiel gegen Galatasaray Istanbul, um das Remis möglichst euphemistisch zu verkaufen. Leverkusen habe die Räume schön aufgeteilt und tollen Kombinationsfußball gezeigt. Dabei hat Bayer aber trotzdem den Anschluss an Werder verpasst - nur das sagte keiner.

Dasselbe Bild auch auf Schalke: "Unser Ziel ist Platz drei. Es ist unrealistisch, dass wir noch ganz nach oben kommen", stapelte Manager Andreas Müller nach der 1:2-Pleite gegen den VfL Wolfsburg tief und Trainer Mirko Slomka glaubte, dass "vielleicht bei uns schon Porto in den Hinterköpfen herumgeisterte".

Wenig Feuer, viele Punkte 

Auch die heimstarken Knappen hatten in Führung gelegen und wurden auf der Zielgeraden von Grafites Doppelpack überrascht. Slomka zeigte sich dennoch nicht übermäßig enttäuscht und konnte gar nicht oft genug auf das bevorstehende wichtige Spiel in der Königsklasse gegen den FC Porto verweisen.

Szenenapplaus von Bayer-Coach Skibbe. Aber wofür eigentlich?
Szenenapplaus von Bayer-Coach Skibbe. Aber wofür eigentlich?
© Getty

Dabei hätte sowohl Leverkusen als auch Schalke nichts anderes machen müssen als die abgezockten Grün-Weißen im Weserstadion getan haben: den Vorsprung verwalten und den Dreier holen. "Das war ein ganz schlechtes Spiel von uns. Gut, dass es vorbei ist und wir drei Punkte eingefahren haben", musste Tim Wiese nach dem 2:0-Arbeitssieg gegen Nürnberg zugeben.

Thomas Schaaf konnte dem nur beipflichten: "Das war eher die sichere Variante heute. Ein bisschen mehr Feuer wäre schön gewesen, aber okay. Wir haben gewonnen", sagte der Werder-Trainer. Glanzlos oder nicht - Werder nimmt drei Punkte mit und klebt Bayern München an den Fersen wie ein "echter" Verfolger.

Selbsterkenntnis und kaum Besserung 

Bremen spielt schlecht, gewinnt und hakt das Spiel ab. Bayer und Schalke spielen schönen Fußball, lassen Bayern und Bremen ziehen und feiern sich trotzdem. Die Prioritäten scheinen falsch gesetzt. Schließlich verfügen beide über genug spielerische Substanz, um vorne mitzuspielen. Also wirklich ganz vorne.

Mit einem Sieg wäre Leverkusen mit 37 drei Punkte an den beiden Spitzenklubs dran gewesen, Schalke mit dem Dreier bis auf zwei Punkte.

Dennoch haken beide den Platz an der Sonne am 20. Spieltag bereits vorzeitig ab und Skibbe ist zufrieden, sich mit dem Remis zwischenzeitlich in der Tabelle an Schalke auf den dritten Rang vorbeigeschoben zu haben.

"Wenn man 2:0 führt, muss man das auch nach Hause schaukeln", befand Torschütze Rolfes. An Selbsterkenntnis mangelt es nicht, an der Abgeklärtheit schon. Und ganz besonders mangelt es offenbar auch an den nötigen Zielvorgaben des Trainers, wenn ein Spitzenklub wie Leverkusen damit zufrieden ist, nach einem Zwei-Tore-Vorsprung gerade noch einen Punkt zu retten - bei einem Aufsteiger.

Kapitulation vor dem großen Coup

Am kommenden Spieltag treffen die "ich-weiß-nicht-ob-ich-Verfolger-sein-will"-Teams aufeinander. Das Remis und die damit verbundene endgültige Kapitulation vor dem ganz großen Coup liegt förmlich schon in der Luft - es geht um Platz drei. Nicht mehr und nicht weniger.

Aber wenn das Vertrauen in die Mannschaft stimmt, warum stimmt dann nicht auch die Zielsetzung, die vielleicht für Bayer aber ganz bestimmt für Schalke nur der Meistertitel sein kann? Überraschungsmeister VfB Stuttgart hat ja letzte Saison vorgemacht, wie es geht.

Richard Rother

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