Den Grausamkeiten zum Trotz

Von Stefan Moser
Sonntag, 03.02.2008 | 22:31 Uhr
Diego, Werder, Bremen
© Getty
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München - Wer einmal jenen grimmig flauen Magen inklusive Kopfschmerz überstanden hat, der unerbittlich dem Genuss einer Flasche "Mädchentraube" folgt, der weiß, dass das Leben manchmal hart und grausam ist.

Doch wer die Schuld danach allein beim Fusel sucht, der wird nur schwer aus seinem Fehler lernen. Denn immerhin hat man sich die schwarze Plörre ja schön selber eingebrockt. Von daher gilt: Jammern verboten!

Ein Vorbild an konsequenter Selbstkritik war am Sonntag einmal mehr Bremens Trainer Thomas Schaaf. Die bittere 1:2-Niederlage gegen Bochum sorgte für Katerstimmung, vor allem die Schlüsselszene aus der 68. Minute lag dem 46-Jährigen noch schwer im Magen.

Beim Stand von 1:0 für Werder legte Benjamin Auer für Shinji Ono ab, der spielte von der Grundlinie zurück an den Fünfmeter-Raum, wo erneut Auer den Ball zum Ausgleich über die Linie drückte. 

 

Eigentlich ein schöner Spielzug, mit nur einem Makel: Ono stand beim Zuspiel fast zwei Meter im Abseits. Schiedsrichter Michael Weiner gab den Treffer trotzdem. Er saß der Annahme auf, nicht der Bochumer Auer, sondern dessen Gegenspieler Per Mertesacker hätte den Ball in Onos Laufweg gepasst.

Umfassende Geständnisse

Auer selbst sorgte nach dem Schlusspfiff trocken für Aufklärung: "Ich habe den Ball gespielt". Der Treffer war irregulär, was übrigens auch Schiri Weiner nach Ansicht der Fernsehbilder unumwunden zugeben musste: "Mein Fehler. Klares Abseits."

Der Aufreger von Bremen als Fotostrecke!

"Aber wissen Sie was?", grinste der Torschütze schließlich in die Kameras, "das interessiert mich überhaupt nicht. Der Schiedsrichter hat es nicht gesehen, ich habe getroffen, ich freue mich."

Auers Kausalkette ist lückenlos und fehlerfrei, für Bochum ist sie auch noch hoch erfreulich. Aus Bremer Sicht dagegen ist sie Zeugnis dafür, wie hart und grausam das Leben eines Fußballers doch manchmal sein kann.

Gezwungen zur Gelassenheit

Denn bis dahin dominierte Werder die Partie mit knapp 70 Prozent Spielanteilen und 15:3 Torschüssen. Der VfL weigerte sich auch nach dem 1:0 von Daniel Jensen (44.), produktiv am Geschehen teilzunehmen.

Die Bremer Mannschaft berauschte sich zwar nicht gerade am eigenen Spiel, wiegte sich ob der Harmlosigkeit des Gegners und zahlreicher eigener Torchancen aber doch weitestgehend in Sicherheit - und versäumte es, mit einem zweiten Treffer für die Entscheidung zu sorgen.

Und so zwang sich Schaaf mit einem fast autosuggestiven Lächeln auch zur Contenance, kommentierte die strittige Szene mit einem kurzen "der Auer war's" und ging dann nüchtern zur Analyse - und damit zur Kritik am eigenen Team - über.

Flaue Mägen, schwere Köpfe

"Wie schon im Pokal gegen Dortmund konnten wir unsere Überlegenheit nicht nutzen und haben den Sack nicht zugemacht. Und wieder ging der Schuss nach hinten los", sagte der Trainer.

Tatsächlich ging der Schuss sogar ganz gewaltig nach hinten los. Denn Weiners überraschender Faupax und Auers noch überraschenderer Ausgleich riss Werder nicht nur aus der Illusion des sicheren Sieges, sondern sorgte mit einem Schlag auch für flaue Mägen und schwere Köpfe.

Allen voran beim Brasilianer Naldo, der nur zwei Minuten nach dem Gegentreffer einen eigenen Stellungsfehler per Notbremse ausbügeln musste und dafür folgerichtig mit glatt Rot in der Kabine verschwand.

Borowski verpennt

Spätestens jetzt wuchs sich die Bremer Gemütslage zu einem kollektiven Kater aus, die Mannschaft agierte kopflos, und Bochum übernahm plötzlich das Kommando.

Fünf Minuten vor Schluss ging dann auch noch Tim Borowski, der beim ersten Heimspiel seit Bekanntgabe seines Abschieds nach München vom Publikum erfreulich gelassen empfangen wurde, reichlich verschlafen zu Werke.

Nach Ecke von Ono ließ er seinen Gegenspieler Anthar Yahia am kurzen Pfosten köpfen. Resultat: 2:1 für Bochum, der Endstand. Bitter für Bremen, das damit vor dem wichtigen Spiel gegen die Bayern nicht nur drei Punkte auf den Tabellenführer, sondern auch noch eine gehörige Portion an Selbstvertrauen einbüßt.

Jammern verboten

Nicht zu vergessen Abwehrspieler Naldo, der in München gesperrt fehlen wird, was angesichts der fast unheimlichen Verletztenmisere an der Weser die Stimmung kaum verbessern wird.

Nun schafft man Probleme nicht aus der Welt, indem man sie konsequent ignoriert, aber es spricht für Thomas Schaaf, dass er über seine dünne Personaldecke auch am Sonntag kein Wort verlor.

Die unnötige Niederlage gegen Bochum hat sich die Mannschaft ja auch selbst eingebrockt. Und von daher gilt: Jammern verboten!

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