Klinsmann schreckt vor niemandem zurück

SID
Sonntag, 13.01.2008 | 15:25 Uhr
Klinsmann, Fußball, München, Bundesliga
© Getty
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München - In seinen zwei Jahren als Bundestrainer veränderte Jürgen Klinsmann den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die deutsche Nationalmannschaft personell und inhaltlich wie kein DFB-Coach vor ihm.

Von der Degradierung Oliver Kahns zum WM-Torhüter Nummer 2 bis hin zum Streit mit WM-Chef Franz Beckenbauer - der Machtmensch Klinsmann zeigte sich äußerst konflikt- und entscheidungsfreudig. Eine Dokumentation der wichtigsten Maßnahmen und Stationen des künftigen Trainers des FC Bayern München in seiner Zeit als Nationalcoach von 2004 bis 2006:

29. Juli 2004: Jürgen Klinsmann wird in Frankfurt als Nachfolger von Rudi Völler präsentiert. Erste Personalie ist die Bestellung eines Nationalmannschafts-Managers in Person von Oliver Bierhoff.

30. Juli 2004: Nach der Ablehnung des ehemaligen Beckenbauer- Assistenten Holger Osieck als Co-Trainer verpflichtet der DFB Klinsmanns Wunschkandidaten Joachim Löw als Assistenztrainer.

6. August 2004: Die nächsten Personalrochaden: Klinsmann befördert Dieter Eilts zum Trainer der U 21-Auswahl und degradiert dessen Vorgänger Ulli Stielike. Für Völlers ehemaligen Assistenten Michael Skibbe sowie DFB-Direktor Bernd Pfaff hat er keine Verwendung mehr.

16. August 2004: An seinem ersten Arbeitstag mit der Nationalelf setzt Klinsmann Torhüter Oliver Kahn als Kapitän ab. Zum Nachfolger ernennt er Michael Ballack.

4. September 2004: Vor Klinsmanns erstem Heim-Länderspiel gegen Brasilien (1:1) in Berlin nehmen die US-Fitnesstrainer um Mark Verstegen die Arbeit bei der Nationalmannschaft auf. In der Bundesliga lästern einige über die "Übungen mit Gummibändern".

10. Oktober 2004: Das Länderspiel in Iran (2:0) ist die letzte Dienstreise von Sepp Maier als Bundestorwarttrainer. Klinsmann ersetzt Kahns Vereinscoach durch Ex-Nationalspieler Andreas Köpke.

2. Dezember 2004: Im Streit um das WM-Quartier setzt Klinsmann beim DFB die Verlegung von Leverkusen nach Berlin durch. In Hans-Dieter Hermann wird erstmals ein Sportpsychologe in den Betreuerstab der Nationalmannschaft aufgenommen.

17. Mai 2005: Jürgen Klinsmann mustert Chefausbilder Erich Rutemöller aus dem Trainer- und Beraterstab der DFB-Auswahl aus. Zugleich wird der  Schweizer Urs Siegenthaler als Chefscout verpflichtet.

25. Oktober 2005: Klinsmann muss bei einem Krisengipfel mit der Bundesliga die Wiederbelebung einer von Bayern-Manager Uli Hoeneß angeführten "Task Force" für die Nationalmannschaft akzeptieren. Im Streit um seinen US-Wohnsitz setzt sich Klinsmann aber durch.

8. Februar 2006: Klinsmann verliert den Machtkampf um den neuen DFB-Sportdirektor: Der DFB entscheidet sich für Matthias Sammer und gegen Klinsmanns Kandidaten, Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters.

24. Februar 2006: Klinsmann verbannt Abwehrspieler Christian Wörns aus dem WM-Kader. Der Dortmunder hatte den Bundestrainer nach einer erneuten Nichtnominierung als "link" und "unehrlich" bezeichnet.

1. März 2006: Nach einer 1:4-Pleite in Florenz gegen Italien erreicht die Kritik an Klinsmann den Höhepunkt. Ausgerechnet Bayern-Manager Uli Hoeneß unterstützt den Bundestrainer: "Man muss diesen Weg konsequent durchziehen, sonst gibt es ein Chaos."

6. März 2006: Franz Beckenbauer ist restlos bedient. Klinsmanns Fernbleiben beim Workshop der WM-Trainer in Düsseldorf bringt den WM-Chef auf die Palme. "Der Bundestrainer des Gastgeberlandes hätte da sein müssen. Das gehört sich einfach nicht", schimpft Beckenbauer.

7. April 2006: Klinsmann entscheidet sich für Jens Lehmann als WM-Torwart - Rivale Kahn wird zur Nummer 2 degradiert.

15. Mai 2006: Klinsmann sorgt bei der Nominierung des WM-Kaders für einen Paukenschlag: Er verzichtet auf den Schalker Stürmer Kuranyi und nominiert stattdessen den Debütanten David Odonkor.

9. Juni 2006: Im Eröffnungsspiel verzichtet Klinsmann auf Ballack, obwohl sich der Kapitän nach einer Wadenverletzung fitgemeldet hatte. Deutschland siegt auch ohne Ballack in München 4:2 gegen Costa Rica.

11. Juli 2006: Nur 48 Stunden nach dem rauschenden WM-Empfang der Nationalelf am Brandenburger Tor entscheidet sich Klinsmann gegen ein Weitermachen als Bundestrainer. Er sagt DFB-Präsident Zwanziger ab.

12. Juli 2006: Klinsmann stellt auf einer DFB-Pressekonferenz den bisherigen Co-Trainer Löw als seinen Nachfolger vor. Er selbst zieht sich in die USA zurück - und taucht fast anderthalb Jahre ab.

11. Januar 2008: Klinsmann wird in München als Hitzfeld-Nachfolger präsentiert. Er kündigt an, einen Betreuerstab zusammenzustellen.

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