Donnerstag, 17.01.2008

20 Monate Haft auf Bewährung

Kalla wegen Steuerhinterziehung verurteilt

Bochum - Den ehemaligen Bundesligaprofi Raymond Kalla kommen die kassierten Schwarzgelder teuer zu stehen. Der 32 Jahre alte frühere Abwehrspieler des Bundesligisten VfL Bochum ist vom Bochumer Amtsgericht wegen Steuerhinterziehung zu 20 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Fußball, Bundesliga, Kalla
© Getty

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Kalla zwischen 2002 und 2004 insgesamt 640.000 Euro Schwarzgeld von seinem damaligen Verein VfL Bochum erhalten und nicht versteuert hat.

Die geheimen Zusatzzahlungen seien als Provision für einen Spielerberater aus Monaco deklariert gewesen und später an Kalla zurückgeflossen. Der Nationalspieler aus Kamerun muss zudem in den kommenden drei Jahren den Steuerschaden von 311.000 Euro begleichen.

Kein Statement 

Die Staatsanwaltschaft kündigte nach der Urteilsverkündung an, die Ermittlungen gegen Verantwortliche des VfL Bochum fortzusetzen. Die Vertreter des Revierklubs nahmen keine Stellung zu den Vorwürfen.

"Wir sagen derzeit gar nichts, weil es laufende Ermittlungen sind", sagte der tags zuvor ins Trainingslager nach Lomas de Campoamor/Spanien gereiste VfL-Finanzvorstand Ansgar Schwenken, der zum damaligen Zeitpunkt Geschäftsführer des Vereins war. Auch das Urteil gegen Kalla, der als erster Fußball-Profi in Deutschland wegen eines solchen Steuerdeliktes eine Bewährungsstrafe erhielt, wollte Schwenken nicht kommentieren.

Die Richter gehen davon aus, dass die geheimen Zusatzzahlungen an Kalla auf einer mündlichen Netto-Gehaltszusage des VfL Bochum basieren. Die entsprechende Vereinbarung sei Ende Mai 2002 in einem Pariser Hotel getroffen worden.

Das ist kein Spaß hier

Die Zahlungen selbst sind laut Urteil eindeutig als Lohnzahlungen einzustufen und hätten vom Arbeitgeber deshalb auch versteuert werden müssen. In der Urteilsbegründung hieß es: "Der VfL Bochum wäre verpflichtet gewesen, Lohnsteuer abzuführen." Das sei jedoch nicht geschehen. Aber auch Kalla hätte das Geld bei seiner Einkommenssteuererklärung angeben müssen.

Der Steuerschaden beläuft sich laut Urteil auf rund 311.000 Euro. Diese Summe muss Kalla in den nächsten drei Jahren ausgleichen. Ansonsten droht ihm der Widerruf der Bewährung. "Wenn Sie nicht mitarbeiten, stecke ich Sie ins Gefängnis", sagte Richter Karl-Heinz Bösken zu Kalla. "Das ist hier kein Spaß."

Die Summe der hinterzogenen Steuern sei schließlich höher, als ein Normalverdiener in vielen Jahren verdiene. Kalla muss dem Gericht bis 2011 außerdem ständig seinen aktuellen Wohnsitz mitteilen. Zurzeit wohnt der 32-Jährige in Paris. Unter Vertrag steht er nach eigenen Angaben nicht.

Scheinvertrag, um Zahlungen zu vertuschen 

Dass Kalla nicht noch härter bestraft wurde, hat er vor allem seiner Aufklärungshilfe zu verdanken. Er hatte erklärt, dass die Provisionszahlungen des VfL an den Spielerberater aus Monaco auf keinen Fall im Zusammenhang mit seiner Verpflichtung stehen können. Auch das Datum des entsprechenden Vertrages (1. März 2002) könne nicht stimmen.

Die Staatsanwaltschaft geht deshalb davon aus, dass es sich um einen reinen Scheinvertrag handelt, um die Zahlungen an Kalla zu vertuschen. Der Ex-Profi war laut Urteil auch nicht der Initiator der geheimen Extra-Zahlungen.

Er habe das System aber ausgenutzt und davon profitiert. Der Abwehrspieler hatte vor Gericht erklärt, dass die Idee vom damaligen Sportlichen Leiter und einem Vorstandsmitglied der Bochumer gekommen sei. Das hätten ihm seine Berater mitgeteilt.

Die ausgesprochene Strafe entspricht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Verteidiger Martin Meinberg hatte eine mildere Bewährungsstrafe gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.


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