Sonntag, 27.01.2008

Podolski droht lange Pause

Der nächste schwere Rückschlag

München - Lukas Podolski war richtig heiß. Die Vorbereitung des FC Bayern auf die Rückrunde konnte nicht früh genug beginnen.

podolski
© Imago

Podolski wollte den Großangriff auf die im Sturm gesetzten Luca Toni und Miroslav Klose starten, sich in Stellung bringen für die EM im Sommer und seinen Kritikern zeigen, dass er sehr wohl den Anforderungen in München gewachsen ist.

Doch mitten in der ersten Trainingswoche erlitt Poldi den ersten gesundheitlichen Rückschlag. Eine triefende Nase und geschwollene Mandeln zwangen ihn ins Krankenbett.

Im Trainingslager in Marbella zwickte dann erst der Oberschenkelmuskel und kurz vor der Heimreise der Rücken. Podolski verbrachte die sonnigen Tage in Südspanien überwiegend im dunklen trostlosen Kraftraum.

Sammer kritisiert Podolskis Einstellung

"Er hat rund ein Drittel der Vorbereitung versäumt", rechnete Co-Trainer Michael Henke aus. Den Testspielen in Düsseldorf (3:2) und gegen 1860 München (1:1) blieb Podolski fern. Training mit der Mannschaft? Fehlanzeige.

Zudem litt Podolskis Wertschätzung bei Bayern. Manager Uli Hoeneß zog ernsthaft ein Ausleihgeschäft in Erwägung. Trainer Ottmar Hitzfeld degradierte ihn öffentlich zu Stürmer Nummer 4 hinter Toni, Klose und Jan Schlaudraff und schloss eine bevorzugte Behandlung von Podolski im Hinblick auf die EM kategorisch aus.

Und schließlich kritisierte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer Podolskis Einstellung. "Ich könnte in diesem Alter keine Sekunde damit leben, nicht zu spielen. Er darf sich nicht zu schade sein, auch in der Regionalliga zu spielen. Das Thema Mangel an Spielpraxis macht mich unruhig", sagte Sammer dem Bezahlsender Premiere.

Podolskis Vertrauensvorschuss bei Bundestrainer sei ja schön und gut, "aber am Ende zählt das Prinzip Leistung", so Sammer.

Leichter Bandscheibenvorfall 

Doch möglicherweise muss sich niemand mehr Gedanken machen über Sinn und Unsinn einer EM-Teilnahme des 22-Jährigen. Ob der Stürmer für die Festspiele überhaupt in Frage kommt, steht seit Sonntag mehr denn je in den Sternen.

Podolskis Rückenschmerzen sind das Resultat eines "leichten Bandscheibenvorfalls", sagte Hitzfeld. Eingehende ärztliche Untersuchungen am Montag sollen darüber Aufschluss geben, wie lange Podolski ausfällt. Sollte sich der Verdacht erhärten, droht Podolski eine Pause von bis zu drei Monaten - und das Ende aller EM-Träume.

Ein Bandscheibenvorfall macht in der Regel eine Operation und anschließende zeitintensive Reha-Maßnahmen unumgänglich.

Bescheidene Torquote 

Das Horrorszenario blendet Podolski aber aus. "Unser Spiel am Freitag in Rostock kommt wohl noch zu früh", sagte er der "Bild am Sonntag". Dem ist leider definitiv so und wahrscheinlich kommen eine ganze Reihe Spiele hinzu. Die Nachricht vom Sonntag ist der traurige Höhepunkt von Podolskis langer Leidenszeit beim FC Bayern.

Durchsetzen konnte er sich in den ersten 18 Monaten in München nie. Immer wieder warfen Podolski körperliche Wehwehchen zurück. Seine Trefferquote ist mit vier Toren in 33 Bundesligaspielen äußerst bescheiden.

Die Bayernbosse sahen sich genötigt, ein Topduo für den Angriff einzukaufen und ließen für die auserwählten Toni und Klose 23 Millionen Euro springen, die fürstlichen Gehälter exklusive. 

Klinsmann steht auf Podolski

Weil er in der Hinrunde auf der Ersatzbank versauerte, dachte Podolski schon ans Aufgeben. "Wenn die Rückrunde für mich so verlaufen sollte wie die Hinrunde, muss ich intensiv nachdenken, wie und wo es für mich weitergeht. Wenn sich nichts ändert, muss ich weg", so Podolski.

Die Interessenten standen und stehen Schlange, doch Podolski muss bleiben. "Es gibt einige Anfragen für Lukas. Aber will wollen ihn behalten. Und auch unser neuer Trainer ist sehr daran interessiert, dass er bei uns bleibt", sagte Klubchef Karl-Heinz Rummenigge.

Der heißt bekanntlich Jürgen Klinsmann und arbeitet liebend gerne mit seinen WM-Helden zusammen. Für den kommenden Juni hatte Podolski ursprünglich ein neues Sommermärchen mit der Nationalmannschaft geplant. Es ist ihm zu wünschen, dass er es wenigstens versuchen darf.

Thomas Gaber

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