Der Weltmann als Heilsbringer?

Von Stefan Rommel
Sonntag, 13.01.2008 | 18:38 Uhr
© Imago
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München - Jede einzelne Schlagzeile, so heißt es, bringt Öffentlichkeit und Attraktivität.

Auch die völlig sinnfreien und absurden. Aber wen interessiert so etwas in einer Welt mit Big Brother und Hot Button schon noch?

Die Meldung über Jürgen Klinsmanns Rückkehr nach München jedenfalls schoss am Freitag quasi durch die Decke. Das ganze Land war komplett gaga, das öffentlich-rechtliche Fernsehen widmete dem Bäckersohn aus Geislingen sogar eine Sondersendung zur Prime Time.

Das Ausland horcht auf

Auch in den Sportredaktionen im Ausland herrschte für ein paar Minuten Aufruhr. In der "Gazzetta dello Sport" schaffte es Klinsi auf die Eins, die "Sun online" stellte die "Suche" nach der vermissten Maddie für einige Zeit ein und hob den Diver in den Aufmacherbereich.

Mit Klinsmann wird im Sommer eine neue Zeitrechnung bei den Bayern beginnen. Und vielleicht auch für die Bundesliga. Weltweit gibt es nur einen deutschen Klub, der populär und flächendeckend ist: der FC Bayern München.

Bundesliga wird profitieren

Und Klinsmann hat auf seinen zahlreichen Stationen als Spieler viele Länder bereist und Sympathien gesammelt. Alleine während seiner Zeit bei Tottenham Hotspur hat er durch sein Auftreten mehr für das gegenseitige Verständnis zwischen Engländern und Deutschen getan als Heerscharen von Politikern.

Klinsmann ist ein Kosmopolit, er kennt die Welt, und die Welt kennt ihn. Und neben den Bayern dürfte auch die Bundesliga davon schon sehr bald profitieren.

Erst vor wenigen Wochen hat die DFL eine Analyse bekannt gegeben, in der es heißt, dass die Bundesliga in Indien, Russland, Polen, China und im Nahen Osten über die größten Potenziale verfügt. Und in den USA.

Die DFL hat deshalb ein Kooperationsabkommen mit der All India Football Federation (AIFF, Indien) sowie mit der US-Profiliga Major League Soccer (MLS) abgeschlossen.

"Klinsmann kann von Vorteil sein"

Die Kooperationen beinhalten einen regelmäßigen Know-how-Transfer in Bereichen wie TV-Produktion, Rechte- und Lizenzvertrieb, Marketing und Marken-Kommunikation, Organisation und Finanzen, Ausbildung von Nachwuchsspielern sowie Stadionbau.

Im Endeffekt vollführt die DFL damit all das, was Klinsmann seit Jahren schon mit seiner Sportmarketing-Firma "SoccerSolutions" am Laufen hat. Da trifft es sich perfekt, dass Klinsmann ab Juli quasi als Botschafter in Erscheinung treten wird.

"In Bezug auf die Kooperation mit der MLS, einem unserer Kernmärkte, kann der Name Klinsmann in der Tat sehr von Vorteil sein", sagt Augsburgs Manager und DFL-Vorstand Andreas Rettig im Gespräch mit SPOX.com. "Klinsmann genießt schließlich in den USA eine unglaublich hohe Wertschätzung."

Kein Heilsbringer

Eins steht damit jetzt schon fest: Das TV-Interesse im Ausland wird steigen. Innerhalb eines Tages dürften die Bayern und Klinsmann damit mehr für die Bundesliga getan haben, als die DFL mit ihren oktroyierten Asien-Trips von Energie Cottbus (China) und Borussia Dortmund (Indonesien).

Also Klinsi als Heilsbringer für den deutschen Fußball? So weit wollen weder Rettig noch sein DFL-Vorstandskollege Heribert Bruchhagen gehen. "Die Aufregung um ihn dauert jetzt vielleicht eine Woche, danach wird sich das auch wieder legen", meint Frankfurts Vorstandsvorsitzender.

Weitere Topstars durch Klinsi?

Bleibt noch eine Frage: Kann allein der Name Klinsmann in Zukunft weitere Topstars in die Bundesliga locken? Es mag für alle Schwarz-Rot-Geil-Partyhengste komisch klingen, aber Klinsmann ist außerhalb Deutschlands mindestens genauso populär wie hierzulande.

Der 43-Jährige kann sich fast mit jedem seiner zukünftigen Spieler in dessen Landessprache unterhalten. Zuletzt habe er sogar nach Englisch, Französisch und Italienisch auch noch Spanisch gelernt. Eine grundlegende Voraussetzung für jemanden, dessen Wirken hauptsächlich auf Motivation und Psychologie beruht.

Auch hier ist Bruchhagen eher skeptisch. "Ob Topstars nach Deutschland kommen, hängt einzig und allein von der Qualität der Liga ab. Und nicht von einem einzelnen Trainer."

Allerdings dürfte Klinsmanns Engagement beim FCB die Entscheidungsfindung von Tim Borowski doch stark beeinflusst haben.

Weltmann im Volkssport

Klar ist aber: Der smarte und eloquente Klinsmann wird etwas Weltmännisches in den Volkssport Fußball bringen, wie er es schon als Bundestrainer getan hat.

Und er wird neue Ideen einbringen - auch jenseits von Spielphilosophie und modernen Trainingsmethoden. Schon als Spieler hatte er sich die Rechte an seiner Rückennummer 18 sichern lassen, als in der Bundesliga noch niemand daran dachte, Trikots mit feststehenden Namen und Nummern zu verkaufen. Ein Jahr später setzte sich die revolutionäre Idee in Deutschland durch und ist seitdem der Kassenschlager in den Fanshops.

Klinsmann wird den Fußball nicht reformieren oder neu erfinden können. Aber ihm doch zumindest einen frischen Anstrich verpassen. Und wir freuen uns alle schon auf seinen ersten Arbeitstag. Das Vereinsgelände an der Säbener Straße wird am 1. Juli aus allen Nähten platzen.

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