Freitag, 18.01.2008

Wer beerbt Huub Stevens?

Der perfekte Klon

München - Die Scouting-Abteilung des Hamburger SV leistet im Moment offenbar ganze Arbeit. Alleine in dieser Winterpause nahmen die Hanseaten drei vielversprechende internationale Toptalente unter Vertrag.

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© Imago

Vadis Odjidja Ofoe, 18-jähriger Defensiv-Allrounder, kommt vom RSC Anderlecht. Macauly Chrisantus,17-jähriger Nigerianer, war Torschützenkönig bei der letzten U-17-WM in Südkorea. Und schließlich Anton Putsilo, ein 20-jähriger Weißrusse, den Experten schon als den perfekten Klon seines Landsmannes Aljaksandr Hleb feiern.

Sie alle wurden von den Spähern der Hamburger beobachtet und beurteilt. Auf deren Empfehlung hin wurde Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer aktiv und regelte die vertraglichen Details.

Diese augenscheinlich äußerst fruchtbare Arbeitsgemeinschaft zwischen Vorstand und Scouts soll nun weiter vertieft werden. Immerhin sucht der HSV noch einen weiteren perfekten Klon - namentlich den des im Sommer scheidenden Trainers Huub Stevens.

Ein Diktator für die Schlüsselrolle

Denn der fulminante Aufschwung der Hamburger in den letzten zwölf Monaten hängt ganz fundamental mit der Arbeit des knorrigen Niederländers zusammen. Entsprechend sollte sein Nachfolger zumindest ein ähnlich strukturiertes Persönlichkeitsprofil mit an die Alster bringen.

Das bedeutet in erster Linie: Er muss ein ähnlich diktatorisches Faible für totale Disziplin an den Tag legen wie Stevens, denn die Mannschaft gilt zwar als außerordentlich talentiert, zugleich aber auch als charakterlich nicht ganz unkompliziert.

Entsprechend akribisch nimmt Beiersdorfer sein Projekt in Angriff, die "Schlüsselrolle im gesamten Verein" im Sommer neu zu besetzen. Und deshalb nimmt seine zehnköpfige Scouting-Abteilung seit einigen Wochen nicht mehr nur potentielle Wunderkinder unter die Lupe, sondern beobachtet und analysiert auch mögliche Trainerkandidaten.

"Trainer aus dem oberen Regal"

"Wir müssen uns in der Trainerfrage im oberen Regal bedienen, wenn wir international weiterkommen wollen", sagte Beiersdorfer - und erstellte ein Anforderungsprofil für den neuen Coach, das den Scouts nun als eine Art Raster dienen soll.

Wie die "Bild" erfahren haben will stehen auf der Liste der wichtigsten Kriterien neben Trainingsmethodik, taktischem Verständnis, Disziplin und dem Verhältnis zu seinen Spielern auch persönliche Qualitäten wie Souveränität, Ausstrahlung, Temfähigkeit und nicht zuletzt auch der Umgang mit Medien und Fans.

"Es macht Sinn, wenn man so viele Infos wie möglich hat", sagt Beiersdorfer und lässt Daten und subjektive Eindrücke sammeln und protokollieren. Auf Grundlage dieser Analysen will er dann den Kreis möglicher Kandidaten abstecken.

In der Rasterfahndung: Martin Jol

Jürgen Klopp, Louis van Gaal, Trond Sollied und Co Adriaanse sind die Namen, die in Hamburger Medien derzeit immer wieder kolportiert werden. Doch zuletzt brachten die "Morgenpost" und die "SZ" einen weiteren Trainer ins Gespräch, der in der Tat nahezu perfekt ins Raster passen würde: Martin Jol.

Der 52-jährige Niederländer führte die Tottenham Hotspur in den vergangenen beiden Spielzeiten jeweils auf einen - gemessen an Möglichkeiten und Erwartungen - starken fünften Platz in der englischen Premier League. Im Oktober aber musste er nach einem schwachen Saisonbeginn seinen Platz räumen.

Seither schlug er Angebote von Eindhoven, Fulham, Birmingham und dem irischen Nationalverband aus, ist mithin also zurzeit ohne Job. Jol, der Ende der 70er eine Saison für die Bayern spielte, spricht fließend Deutsch, er gilt als Disziplinfanatiker, kompetenter Taktiker und als guter Motivator.

Und: Er hat ein Händchen für junge Spieler. In seiner Zeit bei Tottenham formte er unter anderem die Talente von Michael Carrick, Aaron Lennon, Jermaine Jenas und Jermain Defoe, die heute allesamt englische Nationalspieler sind, und schließlich auch das von Thimothee Atouba, der daraufhin von Beiersdorfer nach Hamburg gelotst wurde.

Eine Generation von Hochbegabten

Damit wäre Jol also genau der richtige Mann für das ambitionierte Zukunftsprojekt des HSV-Sportchefs, der sein Team mittelfristig unter die "Top-20 in Europa" führen will. Denn der hanseatische Kader ist nicht erst mit den Verpflichtungen im Winter perspektivisch aufgestellt.

Mit Maxim Choupo-Moting, Jerome Boateng, Änis Ben-Hatira (alle 19), Vincent Kompany (21), Nigel de Jong (23) und Piotr Trochowski (23) steht eine ansehnliche Reihe von Spielern in Hamburg unter Vertrag, die ihr Potential bei weitem noch nicht ausgeschöpft haben. Mit Jonathan Pitroipa (21) kommt im Sommer ein weiterer Rohdiamant aus Freiburg hinzu.

Damit sitzt in Hamburg eine ganze Generation von Hochbegabten in den Startblöcken. Die meisten von ihnen aber brauchen noch einen gewieften Pädagogen, der ihr Talent schließlich zur Reife bringt. Den zu finden, liegt nun an den Scouts in Hamburg.

Stefan Moser

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