Machtkampf beim HSV?

Von Florian Bogner
Dienstag, 22.01.2008 | 12:09 Uhr
© Getty
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München - Bernd Hoffmanns Ansatz war idealistisch, die Ausführung eher utopisch. "Es wird keine täglichen Wasserstandsmeldungen zu möglichen Nachfolgern geben", hatte der HSV-Boss im November verkündet, nachdem Huub Stevens zuvor erklärt hatte, dass er den Verein zum Ende der Saison aus privaten Gründen verlassen wird.

Sicherlich, seitdem ist freilich kein HSV-Verantwortlicher vor die Presse getreten und hat sich lang, breit und transparent über die Gedankenvorgänge bei der Trainersuche geäußert.

Doch im Dunstkreis des Bundesliga-Dinos gibt es findige Journalisten, die immer wieder an interne Informationen heran kommen und diese logischerweise täglich als brandneue Entwicklung im Findungsprozess kolportieren. Undichte Stellen gibt es eben überall.

Hoffmann wird es sicherlich nicht gefallen, dass die "Welt" und die "Hamburger Morgenpost" erfahren haben wollen, dass sich der HSV-Boss bei einem Spitzentreffen mit Aufsichtsrat und Vorstand am Montag vehement für eine Verpflichtung von Jürgen Klopp ausgesprochen haben soll - das käme wohl wirklich einer Art ultimativen Wasserstandsmeldung gleich.

Drei Argumente für Klopp

Angeblich habe der HSV-Boss bei dem Meeting mit den Vereinsoberen Werbung für den 40-Jährigen Trainer des FSV Mainz 05 gemacht und seinen Vorschlag mit drei Argumenten untermauert. Argument eins: Deutsche Staatsangehörigkeit. Argument zwei: Kultstatus kombiniert mit Reichweite. Argument drei: Taktische Schulung.

Im einzelnen ist das einfach aufzudröseln: Entgegen den holländischen Kandidaten Martin Jol, oder Fred Rutten spricht Klopp fließend Deutsch und dürfte kaum Anpassungsschwierigkeiten haben.

Zum zweiten soll Hoffmann argumentiert haben, dass "Kloppo" die Star-Lücke schließen würde, sollte Rafael van der Vaart - was zu erwarten ist - das Weite suchen. Der Star ist der Trainer, quasi. Damit verbunden würde das Image des HSV wohl keinen Schaden nehmen, eine hohe mediale Aufmerksamkeit wäre den Hamburgern mit dem Träger des Deutschen Fernsehpreises als Seitenlinien-Akrobat jedenfalls gewiss.

Zu guter letzt verfügt Klopp über ein sportliches Repertoire, dass sich sehen lässt: Er gilt nicht nur als Motivator, sondern auch Innovator. Der 40-Jährige ist neuen Trainingsmethoden nicht abgeneigt, nimmt auch gerne mal Computertechnik zu Hilfe und erscheint stets wissensdurstig - ein idealer Mann für die Zukunft also.

Aufsichtsrat will "harten Hund"

Doch genau da scheiden sich in der Hansestadt die Geister - der Aufsichtsrat soll von Klopp nämlich alles andere als begeistert sein. Dem Gremium schwebe angeblich eher ein harter Knochen wie Stevens vor, die "Welt" nennt den stellvertretenden Vorsitzenden Willi Schulz als Wortführer der Klopp-Gegner.

Das Gegenargument contra Klopp: Der Mainzer sei Thomas Doll zu ähnlich - und dieser hatte den HSV im Februar 2007 bekanntlich auf Platz 18 verlassen. Der jetzige Kader sei nur mit harter Hand zu führen, und Klopp wäre dafür zu weich.

Wie auch immer das Kräftemessen zwischen Hoffmann und dem Aufsichtsrat auch ausgehen mag - der Mainzer selbst zeigte sich jedenfalls nicht abgeneigt.

Er sei noch zu keiner Entscheidung gekommen, was er machen werde, wenn sein Vertrag beim Zweitligisten im Sommer ausläuft. "Kann sein, dass ich in Mainz verlängere, zu einem anderen Verein gehe - oder aber im Sommer erst mal gar nichts habe, auch das ist möglich", sagte der 40-Jährige gegenüber der "Morgenpost". Nachsatz: "Irgendwann wird der Tag kommen, an dem ich schlauer bin."

"Je schneller, desto besser"

Noch nicht schlau wird man aus der Position des Sportdirektors Dietmar Beiersdorfer, der Hoffmanns Schweigegelübde bislang eisern aufrecht erhält, und unlängst lediglich verkündete, dass man durchaus nach dem Motto "je schneller, desto besser" vorgehe.

Der Trainer sei schließlich "die Schlüsselposition. Das Spielsystem gibt nicht der Vorstand vor, das bestimmt der Trainer" - und deshalb sollte der neue Mann auch bei der Suche nach Neuverpflichtungen eingebunden werden. 

Es gelte ja bekanntlich, einen Nachfolger für van der Vaart zu suchen und man müsse deshalb klären, "ob wir dann einen Stürmer oder einen Spielmacher verpflichten wollen".

Eile ist also geboten, will man nicht einen abgegrasten Transfermarkt vorfinden. Bis dahin werden Hoffmann und Beiersdorfer im stillen Kämmerlein weiter brüten - die Wasserstandsmeldungen werden aber bleiben.

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