Borowski-Wechsel lässt Bremer kalt

Grün-Weiße Gelassenheit

Von Florian Bogner
Dienstag, 15.01.2008 | 15:55 Uhr
© Getty
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München - Ball hochhalten. Nettes Spielchen, um warm zu werden, wird auch im Profibereich immer wieder gerne gespielt. Bei Werder Bremen sehr beliebt: die Variante mit Bestrafung. 

Wenn einem Spieler der Ball zum dritten Mal von den Füßen hüpft, gibt's einen schnalzenden - nennen wir es mal "Schnicker" - mit dem Mittelfinger hinters Ohr. Von allen Kollegen, versteht sich. Das leuchtet bis zum Abendessen.

Ivan Klasnic ist da ein echter Experte. Als er im Trainingslager im türkischen Belek Markus Rosenberg am Sonntag mit breitem Grinsen einen schallenden Schnicker hinters rechte Ohr verpasste, wollte der Schwede Revanche nehmen und verfolgte den johlenden Kroaten über das halbe Feld. Seine finale Grätsche ging ins Leere, das restliche Werder-Personal bog sich vor Lachen.

Diego, Sanogo, Alberto, Borowski - na und?

Neben dieser Episode wird der Ball im Bremer Trainingslager jedoch eher flach gehalten. Trotz zweier Testspielpleiten und allerhand Baustellen im Team lautet das Bremer Credo: Gelassenheit.

Hanseatisch nüchtern wurde hingenommen, dass mit Spielmacher Diego (Reha in Brasilien) und Stürmer Boubacar Sanogo (Afrika-Cup) zwei Schlüsselspieler in der Vorbereitung fehlen. Ist eben so. Genau so nüchtern wie behutsam wurde die Tatsache aufgenommen, dass Carlos Alberto weiterhin nicht wie erwünscht mit der Mannschaft trainieren kann. Der Junge braucht Zeit - und wird vermutlich bis zum Sommer verliehen.

Und ebenso gelassen nahmen die Verantwortlichen nun die Nachricht auf, dass mit Tim Borowski wieder einmal ein Bremer zum FC Bayern München wechseln wird. Der Nationalspieler wurde zuletzt nicht mehr als unentbehrliches Mitglied des Teams gesehen, deswegen war Sportdirektor Klaus Allofs auch nicht gewillt, die hohen Gehaltsforderungen des 27-Jährigen zu akzeptieren.

Borowski fehlt Werder nicht

"Es gibt bei uns eine sportliche Rangliste. So sollte auch die Gehaltsliste aussehen. Auf dieser Basis haben wir ein Angebot gemacht", erklärte Allofs. Angeblich verdient "Boro" derzeit zwei Millionen Euro, seine Forderung soll doppelt so hoch gelegen haben. Da spielte Allofs nicht mit.

Trainer Thomas Schaaf bekannte indes, dass man den Mittelfeldspieler zwar gerne gehalten hätte, merkte aber auch an, dass Borowskis Zutun zum Bremer Spiel in den vergangenen 18 Monaten eher gering war. "Wir haben in den letzten eineinhalb Jahren viel auf ihn verzichtet - wegen Verletzungen. Bald müssen wir ganz auf ihn verzichten - ohne Verletzung", meinte der Coach am Montag süffisant.

Bleibt abzuwarten, wie das Bremer Publikum in der Rückserie mit dem Abtrünnigen umgehen wird. Borowski erwartet Pfiffe, hofft aber auf Respekt. "Ich bin offen und ehrlich mit meiner Situation umgegangen und habe keine Lügengeschichten erzählt. Das sollte man respektieren", sagt der 27-Jährige und verspricht Fans und Trainer: "Ich werde bis zum Schluss Gas geben."

Allofs verspricht "interessanten" Neuzugang

Für Allofs gilt es nun, die von Borowski hinterlassene Lücke bis zum Sommer zu schließen. Sportlich hat Daniel Jensen das schon in der Hinserie übernommen, mit dem Dänen soll in den nächsten Tagen verlängert werden. Auch der neue Vertrag von Jurica Vranjes ist so gut wie in trockenen Tüchern.

Fehlen eigentlich nur noch die Unterschriften von Abwehr-Allrounder Petri Pasanen, Comebacker Ivan Klasnic und Ersatztorwart Christian Vander, mit denen Allofs dieser Tage Verhandlungen führt. Nur mit Pierre Wome wird derzeit nicht gesprochen - der hat sich mit der Kritik an der medizinischen Abteilung selbst ins Abseits gestellt.

Einen personellen Borowski-Ersatz hat der Sportchef noch nicht im Auge, zumindest redet er nicht drüber. "Aber wir werden sicher etwas Interessantes für die neue Saison bieten", kündigte Allofs schon einmal an.

Im Sommer kommen soll auch der Österreicher Sebastian Prödl von Sturm Graz. Der Abwehrspieler, der mit der U-20-Auswahl im vergangenen Jahr WM-Vierter wurde und mittlerweile auch im A-Team spielt, bestätigte Verhandlungen mit Werder.

Alberto wird wohl ausgeliehen

Spätestens ab dem Sommer soll auch endlich Alberto das Werder-Spiel bereichern. Der Brasilianer konnte zuletzt wieder nicht trainieren, ist nach wie vor nicht integriert und versteht kaum Deutsch. Deswegen wird der Verein den Offensivmann voraussichtlich für die Rückrunde zum FC Sao Paulo ausleihen.

So erklärte Allofs: "Wir haben mit Carlos über die weitere Vorgehensweise gesprochen. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass dies eine sinnvolle Lösung ist, um in einem halben Jahr einen neuen Anlauf bei Werder zu nehmen."

Polternder Allofs

Wenig Anklang fand die Leistung der Bremer in den drei Testspielen in Belek. Dem 2:0 gegen den SC Freiburg folgte ein 1:2 gegen den FC Schalke (Schaaf: "Es hat nicht alles gepasst, aber der Wille war da") und am Montag ein 1:5 gegen den unbekannten russischen Erstligisten Saturn Ramenskoje.

Das beim letzten Spiel nur sechs Spieler mit Stammplatzaussichten mitwirkten und Schaaf sonst nur auf eine B-Elf setzte, ließ Allofs nicht als Entschuldigung gelten. "Solche Ergebnisse sollte man vermeiden. Da muss man einfach konsequenter agieren und aggressiver in die Zweikämpfe gehen", schimpfte der Geschäftsführer und hielt den Ball damit ausnahmsweise mal nicht flach.

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