Montag, 14.01.2008

Wohin mit Borowski?

Eine verhängnisvolle Affäre

Marbella - Als Bundestrainer hat Jürgen Klinsmann mit seinen Spielern gerne per E-Mail kommuniziert. Schnell den Rechner hochfahren und ein paar Zeilen hacken, ist auch von Kalifornien aus wesentlich rentabler als den Hörer in die Hand zu nehmen.

Tim Borowski, Jürgen Klinsmann
© Getty

"Lieber Tim, hoffe, es geht dir gut. Ich machs kurz: Du bist bei der WM dabei. Gruss an die Familie, Trainer." So in etwa dürfte Tim Borowski von seiner Nominierung für die Festspiele in Deutschland im Sommer 2006 erfahren haben.

Klinsmann mag Borowski, er schätzt ihn als als zuverlässigen,universell einsetzbaren Mittelfeldspieler. Ab 1. Juli werden beide wieder zusammen arbeiten. Beim FC Bayern.

Dreijahresvertrag beim FC Bayern 

Am Sonntag verkündete Borowski Werder-Sportdirektor Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf seine Entscheidung contra Bremen. Borowski muss nur noch seine Unterschrift unter den Dreijahresvertrag in München setzen.

Ein Angebot der Bayern liegt schon länger vor. "Wir haben uns schon oft mit ihm beschäftigt. Konkret wurde unser Interesse im Januar, weil Borowski ablösefrei zu haben ist", sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß im Trainingslager in Marbella.

Einen Zusammenhang mit der Verpflichtung von Jürgen Klinsmann gibt es laut Hoeneß nicht. "Aber er hat sich über die Nachricht schon gefreut", so Hoeneß.

"Entscheidung stand schon fest" 

Auch Borowski selbst versicherte, dass "der Klinsmann-Transfer keine Rolle für mich gespielt hat. Meine Entscheidung stand schon vorher fest."  Vielmehr sehe er im Wechsel nach München insgesamt eine sportliche Herausforderung: Im Sommer werde ich 28 Jahre alt, und für mich stand deshalb fest, wenn ich noch einmal etwas Neues mache, dann jetzt."

Aber, so der Mittelfeldmann weiter: "Dass Klinsmann zu den Bayern kommt, ist natürlich positiv für mich." Trotzdem dürfte Borowski ob des Angebots aus München schlaflose Nächte gehabt haben. In Bremen ist er Leistungsträger, wenn sein verletzungsanfälliger Körper nicht rebelliert. Bei Bayern wäre er einer von vielen.

Doch Klinsmanns pompöse Vorstellung als neuer Bayern-Trainer am letzten Freitag könnte für Borowski zumindest das finale Argument für einen Wechsel gewesen sein. Weitaus mehr als etwa die in München zu erwartende Gehaltserhöhung, denn Klinsmann steht auf deutsche Nationalspieler.

"Es ist schön, wenn ich bei Bayern mit Spielern zusammenarbeiten kann, die ich schon bei der Nationalelf trainiert habe. Die Generation, die wir 2006 aufgebaut haben, ist größtenteils schon in München. Ich freue mich unglaublich auf die Spieler, die ich schon betreuen durfte", so Klinsi.

"Qualität und nicht Quantität"

Neben Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski, Marcell Jansen, Miroslav Klose und Philipp Lahm kommt nun ein weiterer hinzu. Hoeneß dementierte den Plan, einen "FC Bayern Deutschland" zu formen, allerdings heftig: "Das hatten wir schon mal und es ist danebengegangen."

Doch wird es mit Borowski gut gehen? Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge wiederholte in der Vergangenheit, dass der FC  Bayern in der Zukunft nur noch "Qualität und nicht Quantität" verpflichten werde.

Borowski ist den Qualitätsbeweis in den letzten Monaten schuldig geblieben. Verletzungsbedingt hat er nur wenige Spiele absolvieren können. Doch mit seiner Neigung zur phlegmatischen Arroganz auf dem Platz steht er sich auch oft selbst im Weg. Die Bremer Fans quittierten seine "laissez-faire"-Auftritte immer öfter mit Pfiffen.

Und Schaaf wechselte Borowski im letzten Hinrundenspiel gegen Leverkusen (5:2) wegen indiskutabler Leistunq bereits nach 30 Minuten aus.

Wo soll Borowski spielen?

Borowski ist nicht der Spieler, der Bayern den lange ersehten Champions-League-Triumph bescheren wird. Er blockiert eher die Entwicklung von jungen Bayern-Spielern wie Andreas Ottl, Stephan Fürstner oder Jose Ernesto Sosa.

Wo soll Borowski überhaupt spielen? In der Mitte sind Mark van Bommel und Ze Roberto kaum zu verdrängen. Franck Ribery steht sowieso über allen. Borowski wird sich wohl mit Schweinsteiger um einen Platz streiten.

Doch da ist ja auch noch Toni Kroos. Das Supertalent wurde erst am Wochenende mit einem Viereinhalbjahresvertrag ausgestattet.

Logischer Karriereschritt 

Für Borowski ist der Wechsel zu Bayern der logische Karriereschritt. Doch die Gefahr, diesen bald zu bereuen, ist groß.

Er muss hart an sich arbeiten, um bei Klinsmann eine Chance zu bekommen.

Der hasst nämlich nichts mehr als eine lasche Einstellung. Das wird er Borowski mitteilen. Wahrscheinlich jetzt schon von Kalifornien aus. Per E-Mail.

Für SPOX in Marbella: Thomas Gaber

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