Der rot-rote Domino-Effekt

Von Stefan Moser
Dienstag, 08.01.2008 | 12:19 Uhr
mourinho, benitez, chelsea, liverool
© Getty
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München - Auf dem gewohnt schmalen Grat zwischen Selbstbewusstsein und Selbstüberschätzung ließ Bayern-Manager Uli Hoeneß am Montag verlauten, er habe bei der Suche nach einem Nachfolger für Trainer Ottmar Hitzfeld keinen Druck - und schon gar keine Panik.

 "Wenn wir uns für einen neuen Trainer entschieden haben, dann kriegen wir den auch", sagte der 56-Jährige beim Trainingsauftakt an der Säbener Straße.

In Wahrheit aber dreht sich die Fußballwelt weder ausschließlich um Hoeneß noch um den FC Bayern: Möglicherweise fallen nämlich am Dienstag schon wichtige Vorentscheidungen in Sachen Trainerkandidaten - und zwar nicht in München, sondern in New York.

Dort nämlich trifft sich der Geschäftsführer des FC Liverpool, Rick Parry, mit den Klubeignern der Reds, den milliardenschweren Amerikanern George Gillett und Tom Hicks. Und vermutlich werden in ihren Gesprächen mindestens drei prominente Namen fallen: Rafael Benitez, Jürgen Klinsmann und Jose Mourinho.

Benitez vor dem Aus

Laut Parry handle es sich zwar um einen "turnusmäßigen Termin, bei dem die Pläne für das neue Stadion auf der Tagesordnung stehen", doch nach den schwachen Leistungen des FC Liverpool in den letzten Wochen ist nun auch Trainer Benitez mit auf die Agenda gesprungen.

Der Spanier liegt schon seit Wochen mit den Besitzern über Kreuz. Benitez, der vor der Saison gut 80 Millionen Euro für Neuzugänge ausgeben durfte, forderte weitere Millionen für Wintertransfers. Gillett und Hicks aber wollten vom bestehenden Kader Leistung sehen, woraufhin Benitez wissen ließ, die beiden hätten "keine Ahnung vom europäischen Transfermarkt".

Seither herrscht ein trügerischer Burgfrieden zwischen beiden Parteien, denn es gilt in englischen Medien längst als sicher, dass Benitez im Sommer gehen muss. Das blamable 1:1 im FA-Cup am Sonntag gegen den Drittligisten Luton Town dürfte seine Position ebenso wenig verbessert haben wie das Abrutschen auf Platz fünf in der Premier League.

Angst vor finanziellem Desaster

Gillett und Hicks forderten vor der Saison noch den Titel, nun müssen sie fürchten, die Saison außerhalb der Top Vier zu beenden und damit die Qualifikation für die Champions League zu verpassen.

Für die Amerikaner wäre das vor allem ein finanzielles Desaster, zumal sie bis Ende Februar der Royal Bank of Scotland ein stimmiges Refinanzierungskonzept vorlegen müssen, um die auslaufende 360-Millionen-Euro-Anleihe, mit Hilfe derer sie den FC Liverpool vor knapp einem Jahr gekauft haben, zu verlängern. Ohne überzeugende Argumente könnten sie im schlimmsten Fall den Klub sogar ganz verlieren.

Gillett und Hicks müssen also reagieren, auch auf die sportliche Talfahrt. Und bislang haben sie es - beinahe demonstrativ - versäumt, sich hinter ihren Trainer zu stellen. Gut möglich also, dass am Dienstag in New York schon die Trennung von Benitez beschlossen wird.

Klinsmann Kandidat Nummer eins

Als Kandidat Nummer eins für die Nachfolge gilt Jürgen Klinsmann. Der 43-Jährige will nach 18 Monaten ohne Trainer-Job wieder auf die Bank zurückkehren, er spricht hervorragend Englisch - und vor allem: Er gilt als persönlicher Freund von George Gillett, den er während der Tätigkeit für seine Sportconsulting-Agentur SoccerSolutions in den USA kennen gelernt hat.

Laut englischen Medien ist der Amerikaner ein regelrechter Fan von Klinsmann. Der wiederum ist nach Angaben des "Mirror" selbst durchaus interessiert. Und ein Engagement Klinsmanns als Coach des FC Liverpool nun wäre auch für die Bayern von Belang.

Denn: Der Trainerstuhl an der Anfield Road steht ebenfalls auf der Wunschliste von Jose Mourinho, der auch in München als Premiumlösung gilt. Laut Informationen der "SZ" stehen in der persönlichen Top Drei des Portugiesen in dieser Reihenfolge: Der FC Barcelona, Liverpool und die Bayern.

Mourinhos neue Topadresse: München

Bei Barca jedoch hat Mourinho schlechte Karten, nicht zuletzt deshalb, weil der mächtige Johan Cruyff sich dort vehement gegen ihn ausspricht. In Liverpool favorisiert man möglicherweise Klinsmann - und plötzlich stehen die Bayern auf Platz eins.

Dass Mourinho sich über seinen Sprecher Eliado Parames erst kürzlich selbst ins Gespräch brachte ("Bayern München - warum nicht?") ist zumindest ein Indiz für eine Verschiebung der Prioritäten.

Für Hoeneß könnte das bedeuten, dass er tatsächlich wie versprochen mit einem "für den FC Bayern adäquaten Trainer in die neue Saison" gehen wird. Sogar mit einem äußerst adäquaten - denn Mourinho ist im Moment sicher der größte Name auf dem Trainermarkt.

Jetzt oder nie

Allerdings hat die Sache auch einen Haken. Denn angeblich will Mourinho nicht bis zum Sommer warten, sondern möglichst gleich wieder auf eine Trainerbank zurückkehren. Hieße für die Bayern: Eben nicht lange "kreuz und quer diskutieren" und auch nicht wie angekündigt die Saison mit Hitzfeld beenden, sondern sofort zuschlagen.

Für Hoeneß allerdings keine leichte Entscheidung, immerhin steht nicht weniger als die Vollendung seines Lebenswerks auf dem Spiel. Ursprünglich war sein Plan, 2009 zusammen mit Hitzfeld zurückzutreten, einen sauberen Schnitt zu machen und eine komplette neue sportliche Führung zu installieren: neuer Manager und neuer Trainer.

Nun geht Hitzfeld schon 2008, und Hoeneß muss ein schwieriges Puzzle zusammenbauen. Sollte er nun tatsächlich Mourinho nach München holen, müsste er erstens wohl bis an die Schmerzgrenze tief in die Tasche greifen, und zweitens stünde er vor der undankbaren Aufgabe einen Nachfolger als Manager zu finden, der zum egozentrischen Portugiesen passt.

Anderseits aber will sich Hoeneß "ganz bestimmt nicht als Vierter" von seinem FC Bayern verabschieden. Er will mit einem Paukenschlag aufhören. Und Paukenschläge zu liefern, ist Mourinho allemal zuzutrauen - in jeder Hinsicht.

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