"Es geht um Freude - nicht um Geld"

Von Interview: Roger Stilz
Freitag, 18.01.2008 | 12:51 Uhr
Kompany, Hamburg
© Getty
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Im zweiten Teil des SPOX.com-Interviews spricht Hamburgs Vincent Kompany (im BIld links) über Fahrgemeinschaften, seine Sturm- und Drangphase auf der Straße und über den Tod seiner Mutter.

SPOX: Der HSV hat Sie stark unterstützt, als Sie sich an der Achillessehne verletzten.

Kompany: Ich habe vom Verein die volle Unterstützung und die notwendige Zeit erhalten, um gesund zu werden. Ich glaube an meine Qualität, aber ebenso an ein gewisses Schicksal, das einem ungünstig in die Karten spielen kann. Der Verein dürfte gemerkt haben, dass ich hart an mir arbeite. Ich glaube an den HSV und finde es nicht schlecht, im Alter von 21 Jahren bei einem Bundesligaspitzenverein Stammspieler zu sein. Mit dem HSV bin ich sehr schnell eine emotionale Bindung eingegangen. Und das im Wissen, dass man so etwas in der begrenzten Zeit eines Fußballerlebens nicht oft tut.

SPOX: Das konnte man auch daran feststellen, dass Sie in der Zeit, als Sie verletzt waren, mit Ihrem Privatwagen zu den Auswärtsspielen fuhren.

Kompany: Ich habe dabei an die Fans gedacht, die das jahrelang machen. Zudem betrachte ich es nicht als eine große Sache, jede zweite Woche einmal seinen Wagen zu schnappen, um die Jungs auswärts zu sehen. Und die Reisen habe ich ja nie alleine gemacht. Oft kam ein anderer verletzter Spieler mit oder jemand vom Verein. Es hat mir Spaß bereitet.

SPOX: Wie sehen Sie das Fußballgeschäft im Allgemeinen? Wo liegt der Antrieb für Sie?

Kompany: Freude ist die Grundlage von allem. Man weiß, dass es in gewissen Phasen ums Geld geht und ich will nicht leugnen, dass das viele Geld eine schöne Nebenerscheinung unseres Berufes ist. Aber im Endeffekt geht es um Leidenschaft und Freude. 

SPOX: Was fehlt Ihnen noch, um bei einem europäischen Top-Klub spielen zu können?

Kompany: Ich habe überhaupt keinen Druck und will nicht auf dem schnellsten Weg zu einem großen Namen. Zudem ist der Sprung von "sehr gut" bis "top" nicht groß, es hängt nur von Details ab. Details im mentalen, physischen oder technischen Bereich.

SPOX: Sie haben für einen Defensivspieler überdurchschnittliche technische Fähigkeiten. Woher rühren die?

Kompany: Es klingt abgedroschen, aber sie kommen von der Straße. Da gibt es keine Angreifer und Verteidiger. Ich habe auf der Straße auch gestürmt. Hinzu kommt die Ausbildung in Anderlecht. Der Verein verfolgt eine gewisse Philosophie der technischen Ausbildung, der Schusstechnik, des Spielverständnisses, der Flexibilität. Aber im Endeffekt ist Straßenfußball der Grund für gute Technik.

SPOX: Auf Grund dieser Fähigkeiten können Sie neben der Position des Innenverteidigers auch jene des defensiven Mittelfeldspielers ausfüllen. Wo spielen Sie lieber?

Kompany: Ich liebe beide Positionen, habe aber mehr Erfahrung in der Innenverteidigung. Es ist für einen Trainer ein Luxus, wenn er Spieler hat, die auf zwei Positionen Spielen können. Aber zwei Möglichkeiten reichen auch, denn bei drei und mehr wird man nur herumgeschoben. Es ist gut so, wie es ist - auf der Sechs oder hinten im Zentrum.

SPOX: Ihre familiären Wurzeln liegen in der Demokratischen Republik Kongo. Wie ist ihre Bindung dahin?

Kompany: Ich war zuletzt im Juni 2007 da und fühle mich grundsätzlich dem Kongo näher als Belgien verbunden. Ich habe Freunde und Cousins da, mit denen ich ständig in Kontakt stehe. Aber ich nehme Grenzen auch anders wahr als andere Leute, wie ich immer wieder feststellen muss. Ob Schwarz oder Weiß, Hamburg oder Brüssel - ich fühle mich schnell und an vielen Orten zu Hause.

SPOX: In der Phase, als sie für den HSV zu einer großen Stütze wurden, ist ihre Mutter gestorben. Huub Stevens überließ Ihnen die Entscheidung, ob sie spielen oder nicht - sie haben gespielt. Wie hat der Tod ihrer Mutter ihre mentale Einstellung verändert?

Kompany: Die Eltern oder Elternteile sterben meist früher als die Kinder. Leider ist mir das auch widerfahren und zwar im jungen Alter von 21 Jahren. Ich möchte meine Gedanken nicht weiter nach außen kehren. Die Begründung ist einfach: Ich finde, dass es mir, nur weil ich Fußballer bin, nicht zusteht, meine intimen Gedanken in der Öffentlichkeit darzustellen. Ich behalte sie für mich.

Hier geht es zurück zum ersten Teil!

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