Geldgierig und ferngesteuert?

Von Daniel Paczulla
Montag, 28.01.2008 | 22:23 Uhr
Mesut Özil, Kevin-Prince Boateng
© Imago
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München - Dieter Hoeneß wartete im Sommer auf seinen Termin mit Christopher Schorch. Für den Manager von Hertha BSC Berlin standen Vertragsgespräche mit dem Nachwuchsspieler auf der Agenda.

Der 18-Jährige kam aber nicht alleine zu den Verhandlungen. Im Schlepptau hatte er den Vater seiner Freundin - einen Frisör ohne Beraterlizenz. Nachdem die Spielerseite absurde Forderungen gestellt hatte, wurde es Hoeneß zu bunt und er warf die Combo aus seinem Büro.

Das Ende vom Lied: Schorch wechselte für eine Million Euro zu Real Madrid. Hoeneß zeigte sich enttäuscht, hatte aber gemeint: "Der Junge hat sich komplett verändert."

"Sie wollen immer mehr Geld verdienen"

Das ist nur ein Beispiel, zeigt aber, dass das Image der Jungstars im Fußball schlechter wird. Im Sommer hatte es in Berlin Ärger mit Ashkan Dejagah, Schorch, Kevin-Prince (im Bild rechts) und Jerome Boateng gegeben. Im Winter bestimmten Mesut Özil (im Bild links) und der FC Schalke 04 die Schlagzeilen. Der Tenor lautete jeweils: Geldgierig und ferngesteuert.

"Junge Spieler sehen die großen Fußball-Stars. Sie wollen unbedingt jedes Spiel bestreiten und auch immer mehr Geld verdienen", sagt Karel van Burik gegenüber SPOX.com.

Der Berater der Boateng-Brüder hält es durchaus für möglich, dass die Spieler beeinflusst werden. "Es mag sein, dass einige Berater den Spieler verrückt machen. Für mich kann ich nur sagen, dass ich es nicht mache."

Alleinige Schuld der Berater?

Özil zum Beispiel weist den Vorwurf der Fremdsteuerung, den Schalkes Trainer Mirko Slomka erhob, zurück. "Ich bin kein Roboter und habe meinen eigenen Verstand", meinte er im "Kicker"-Interview. Jedoch schob der 19-Jährige direkt nach: "Ich vertraue meinem Berater hundertprozentig."

Doch haben die Berater die alleinige Schuld an dem ganzen Theater? Für van Burik kommt eine weitere Komponente hinzu - die Familie: "Jeder Vater will natürlich, dass sein Sohn so weit wie möglich nach oben kommt. Ich sage ihnen dann immer, dass sie ruhig bleiben sollen."

Van Burik muss es wissen, denn er ist nicht nur Berater, sondern auch Spielervater. Sein Sohn Dick spielte 14 Jahre im Profibereich, unter anderem zehn Jahre in Berlin.

"Ich sehe Ashkan als Opfer"

Die Kombination Vater/Berater brachte auch Hoeneß im Fall Dejagah auf die Palme. "Ich sehe Ashkan als Opfer. Offensichtlich ging es nur ums Geld", hatte der 55-Jährige nach dem Wechsel zum VfL Wolfsburg gepoltert. "Die Forderungen waren jenseits der Vernunft."

Gleichzeitig sehen sich die Vereine aber auch in der Opferrolle. Sie bilden den Spieler aus und müssen ihn dann ziehen lassen. Van Burik hält dagegen. "Wenn ein Spieler ein Angebot über 100.000 Euro hat und könnte irgendwo anders 600.000 oder 700.000 Euro verdienen, dann nimmst du das höhere Angebot an. Die Karriere kann manchmal schneller vorbei sein, als man denkt."

Bei einem identischen Angebot würde er seinem Klienten raten, bei seinem Verein zu bleiben.

Spielpraxis wichtig

Die Kritik, dass die Berater bei einem Wechsel mehr Geld verdienen, weist er zurück. "Das ist in den FIFA-Regeln genau abgestimmt. Das Honorar ist immer gleich." Einen finanziellen Vorteil hat er also nicht, wenn der Spieler jedes Jahr den Verein wechselt.

Genauso nerven ihn die Schlagzeilen über die Äußerungen der Vereine, dass ihr Angebot super ist. "Das ist nicht immer so, wie es in den Zeitungen geschrieben wird."

Wichtiger als das Geld - auch für den Berater - ist die Tatsache, dass der Spieler sich weiterentwickelt. Und das kann er nur, wenn er regelmäßig spielt. Davon profitiert nicht nur der Kicker selbst, sondern auch sein Agent. "Wenn er nicht spielt, kannst du ihn vergessen", meint van Burik.

Nachfrage bestimmt den Preis 

Dann muss der Berater reagieren. "Wenn der Junge keine Möglichkeit bekommt, kann ich nicht sagen, dass der Verein gut für ihn ist", sagt van Burik. Wie viel der Akteur Wert ist, endscheidet die Qualität des Spielers. 

"Wenn viele Vereine aus Europa Interesse an einem Spieler haben, dann geht der Preis automatisch nach oben", erklärt van Burik. Und darin liegt der Unterschied in der Betrachtungsweise der Verhandlungsparteien, was wiederum zu Problemen und Ärger führt.

Daher wird der "Fall Özil" auch nicht der letzte seiner Art gewesen sein.

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