Nicht Bundesliga-tauglich

"Middendorp raus!"

Von Stefan Moser
Freitag, 07.12.2007 | 23:58 Uhr
dortmund, bielefeld
© Getty
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München - Warner Chappell verdient jährlich gut zwei Millionen US-Dollar. Dafür tun muss sie letztlich nichts, denn die Amerikanerin hält die Urheberrechte an dem weltweit berühmten Gassenhauer "Happy Birthday".

In Dortmund sangen am Freitagabend knapp 80.000 Fans den Evergreen. Das Geburtstagskind hieß Delron Buckley (30), wurde in der 78. Minute eingewechselt und hatte eine richtige nette Party im Signal Iduna Park.

Denn über gut eine Stunde konnte er in aller Ruhe mitansehen, wie seine Mannschaft den Gegner aus Bielefeld nach allen Regeln der Kunst auseinander nahm und am Ende verdient mit 6:1 gewann. Die Gescholtenen der letzten Wochen durften sich einer nach dem anderen abfeiern lassen.

Auch die mitgereisten Arminia-Fans ließen sich nicht lumpen und stimmten kurzerhand einen eigenen Chor an. Ihr Ständchen hieß allerdings "Middendorp raus", die Urheberrechte daran halten sie selbst - doch auch ihr Lied entwickelt sich langsam zu einem echten Evergreen.

Das kann inzwischen auf die sportliche Führung nicht mehr überhören: "Es hätte heute sogar zweistellig werden können. Wir werden nun in der kommenden Woche knallhart analysieren, den Trainer dazu befragen und dann sehen, was das Beste für den Verein ist", sagte Bielefelds Geschätsführer Roland Kentsch und stellte klar: "In unserer Situation muss man natürlich auch über den Trainer diskutieren."

"Wir haben zwei Gesichter"

Auch Sport-Geschäftsführer Reinhard Saftig fand deutliche Worte: "Ich bin schockiert. Wenn wir so weitermachen, steigen wir ab, da braucht man kein Prophet zu sein."

Im Umfeld der Aminia geht die Mehrheit davon aus, dass die Tage von Middendorp gezählt sind. Denn vor allem auswärts präsentiert sich Bielefeld ein ums andere mal schlichtweg desolat. 1:6, 0:3 und 0:4, lauten die jüngsten Ergebnisse der Arminia auf fremden Plätzen, die 1:8-Klatsche in Bremen liegt gerade einmal fünf Wochen zurück.

"Da gibt es nichts zu beschönigen. Wir haben zwei Gesichter", sagte Trainer Middendorp nach der Pleite gegen Dortmund, um darzulegen, dass seine Mannschaft zu Hause eigentlich ganz ordentlich spielt. Tatsächlich lag die Arminia in der Heimtabelle vor dem 16. Spieltag immerhin auf Platz elf.

Auswärts aber hat Middendorps Team überhaupt erst vier magere Punkte gesammelt. Alarmierend sind vor allem die 28 Gegentore, die Bielefeld dabei schon kassiert hat. Energie Cottbus, aktuell immerhin Tabellenletzter, musste in allen Spielen zusammen insgesamt erst 25 Treffer hinnehmen.

"Hat mit Bundesliga nichts zu tun"

"Wir haben auswärts im Moment einfach Abläufe drin, die sind katastrophal, und das kann nicht sein. Das hat mit Bundesliga nichts zu tun", stellte Middendorp durchaus zutreffend fest. Denn das Muster ist letztlich immer das gleiche.

Nach spätestens 20 Minuten liegt Bielefeld schon mit 2:0 hinten, danach fällt die Mannschaft regelrecht auseinander. Wie die Lemminge laufen Middendorps Spieler weiter munter nach vorne und geben aus lauter Aktionismus jede defensive Grundordnung auf.

Nach vorne aber kriegt die Arminia wenig bis gar nichts zustande - gegen Dortmund gelangen insgesamt gerade einmal drei Torschüsse. Dann bedankt sich der Gegner eben brav für die vielen Freiräume und das lasche Zweikampfverhalten und schenkt Bielefeld mal locker sechs Stück ein.

Wie ein typischer Absteiger

Die Art und Weise, wie die Tore zustande kamen, erinnert dabei fatal an einen typischen Absteiger. Beim 1:0 für Dortmund durch Tinga konnte der es sich sogar leisten, umringt von drei Abwehrspielern, zunächst ein spektakuläres Luftloch zu schlagen.

Weil sich von den drei Gegenspielern nämlich keiner wirklich zuständig fühlte, fiel Tinga der Ball ein zweites Mal vor die Füße und  diesmal traf er ihn auch. Das 2:0 besorgte mit Markus Schuler gleich selbst ein Armine.

Das 3:0 fiel genau 61 Sekunden nach der Halbzeit - Bielefeld hatte sich in der Pause bestimmt viel vorgenommen, dann aber ganz einfach gepennt. Vor dem 4:0 schließlich ging Petr Gabriel derart plump im eigenen Strafraum mit der Hand zum Ball, dass es nicht nur Elfmeter, sondern auch noch Platzverweis hätte geben müssen.

Vermutlich war es für Schiedsrichter Herbert Fandel aber Strafe genug, dass der Tscheche das Spiel zu Ende spielen musste und auch noch die Gegentreffer fünf und sechs live miterlebte.

Am Trainer kann's nicht liegen

"Wir sind wieder einmal auseinandergefallen. Und darauf müssen wir jetzt endlich reagieren", räumte Middendorp später ein. Und auch seine Spieler waren richtig angefressen: "Es ist unglaublich, was bei uns passiert. Da müssen wir schnellstens irgendwas ändern", brummte Kapitän Rüdiger Kauf stellvertretend ins Premiere-Mikrofon.

Die Frage ist nur, auf wen sie da denn eigentlich sauer sind, und was sie da schnellstens ändern müssen. Am Trainer kann es ja nicht liegen - das zumindest versuchte Middendorp selbst hinterher etwas umständlich zu beweisen.

Sein Argument: Er bereite die Mannschaft auf Auswärtsspiele nicht anders vor als auf Heimspiele. Und in denen läuft es doch gar nicht schlecht. Seine Referenzgröße dafür war das letzte Heimspiel gegen die Bayern. Dort stand die Arminia in der Abwehr in der Tat wesentlich besser. Trotzdem ging das Spiel 0:1 verloren.

Unkündbarkeit des Trainers

Fakt ist, dass die Arminia noch an diesem Spieltag auf einen Abstiegsrang abrutschen kann, und sich unter den Fans immer heftiger der Widerstand gegen Middendorp formiert.

Dazu hat der 49-Jährige selbst durchaus mit beigetragen, indem er auf die ersten kritischen Töne gegen seine Person reichlich großspurig reagierte und seine eingene Unkündbarkeit verlauten ließ: "Ich selbst bestimme, wie lange ich hier Trainer bin."

Ganz so burschikos hört sich der Trainer inzwischen nicht mehr an - auch wenn seine vorzeitige Entlassung für den Verein ziemlich schmerzhaft wäre. Denn Middendorp verlängerte erst vor wenigen Wochen seinen Vertrag in Bielefeld. Sollten ihm die Verantwortlichen der Arminia nun kurzfristig den Stuhl vor die Tür setzten, wäre eine mehr als stattliche Abfindung fällig.

Und die könnten selbst die Bielefelder Urheberrechte am Evergreen "Middendorp raus" nie und nimmer refinanzieren.

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