Mit Doppelpass und neuer Konsequenz

Von Andreas Lehner
Sonntag, 09.12.2007 | 22:32 Uhr
Bayer Leverkusen, Hansa Rostock, Fußball, Bundesliga
© Getty
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München - Der Doppelpass ist eine relativ einfache Übung: Ball abspielen, frei laufen, Ball wieder bekommen. Auch im modernen Fußball ist diese simple Art des Zusammenspiels noch immer eine effektive Waffe.

Michael Skibbe weiß das. Und der Bayer-Coach hat dies wohl auch seinen Profis erklärt. Denn bei Leverkusens 3:0-Sieg gegen Hansa Rostock spielten sich Gonzalo Castro und Paul Freier auf der rechten Seite so schnell und sicher die Bälle zu, dass Rostocks Marc Stein in nächster Zeit allein beim Gedanken an einen Doppelpass schon schlecht werden dürfte.

Schnell, direkt und offensiv sind Attribute, die das Spiel der Skibbe-Elf charakterisieren. Mit dieser Spielweise hat sich Bayer in den letzten Wochen auf leisen Sohlen an die Tabellenspitze herangeschlichen. Fünf Spiele, fünf Siege mit 16:2 Toren lautet die eindrucksvolle Bilanz der letzten Wochen. "Ich freue mich sehr, vor allem über die fußballerische Leistung. Insgesamt war es ein Auftritt, wie man ihn in einem Heimspiel erwartet", sagte Skibbe zum Spiel gegen Rostock.

Dabei beeindruckt vor allem das Auftreten der Bayer-Elf. Das 4-2-3-1-System, das Skibbe seinem Team verordnet hat, mit zwei defensiven Mittelfeldspielern vor der Abwehr und zwei offensiven Außen, lässt Leverkusen den zurzeit schönsten Fußball der Liga zeigen. Das Spiel basiert auf hoher Laufbereitschaft, Flexibilität und Schnelligkeit.

Defensiv gut organisiert

Für Rostock war das definitiv zu viel. In Halbzeit zwei schoss Hansa nicht einmal aufs Tor. "Wir sind sehr abgeklärt und routiniert aufgetreten. Wir haben eine klasse Defensivleistung abgeliefert und keine Chance zugelassen", analysierte Simon Rolfes. Das trifft den Kern.

Denn nicht nur in der Offensive führt das konsequente Kurzpassspiel zum Erfolg, auch defensiv verschiebt Bayer gut und kann in den meisten Fällen Überzahl in Ballnähe erzeugen. Mit erst elf Gegentoren stellt Leverkusen die zweitbeste Abwehr der Liga.

Was auffällt: Es ist nicht wichtig, wer auf welcher Positionen spielt, sondern dass sich derjenige, der letztlich aufläuft, ins taktische Konzept einfügt und seine Rolle ausfüllt. Gegen Rostock fehlten mit Sergej Barbarez, Bernd Schneider, Arturo Vidal und Stefan Kießling vier zentrale Stützen des Teams. Doch Paul Freier und Tranquillo Barnetta, beide derzeit in überragender Form, lassen diese Ausfälle vergessen. Dazu Castro, der auf ungewohnter Position im zentralen Mittelfeld das Spiel perfekt organisierte.

Skibbes neue Konsequenz 

Abgesichert wurde er dabei von Lukas Sinkiewicz, der für Kapitän Carsten Ramelow in die Startelf rutschte. Der Routinier war am Donnerstag im UEFA-Cup-Spiel gegen Sparta Prag nach einer Tätlichkeit vom Platz geflogen und bekam nun die Quittung von Skibbe.

Ramelow war allerdings nicht der Erste, den Skibbe zur Überraschung vieler nicht nominierte. Der Bayer-Coach verfolgt mittlerweile eine klare Linie und zieht die auch konsequent durch. Barbarez und Theofanis Gekas fanden sich im Laufe der Saison ebenfalls nach schwachen Leistungen auf der Bank wieder.

Geschadet hat's keinem. Denn sowohl Barbarez als auch Gekas haben die richtigen Lehren aus dem Denkzettel gezogen und kamen gestärkt zurück. Auch wenn der Grieche wenig am Spiel teilnimmt und etwas Kaltschnäuzigkeit vermissen lässt, steht er schon wieder bei acht Treffern. Nur eines weniger als Luca Toni und Miroslav Klose.

Schwache Bilanz gegen Top-Teams

Sieht also alles nach Spitzenteam aus - zumindest im Moment. Die Ziele will man in Leverkusen aber nicht korrigieren. Die eigene Anspruchslosigkeit, an der Bayer schon in der Vergangenheit gescheitert ist, verfolgt den Klub also weiter.

Bei der Bilanz gegen die Top-Teams der Liga auch kein Wunder. Denn in Spitzenspielen geht Bayer in schöner Regelmäßigkeit ein. Aus den letzten 20 Partien gegen die Großen holte Leverkusen gerade mal vier Siege. Auch in dieser Saison setzte es gegen Bayern, Hamburg und Stuttgart jeweils Niederlagen.

Nächste Woche kommt es zum Schlager in Bremen. Ein Sieg, und Bayer würde auf einem Champions-League-Platz überwintern. "Die Bremer sind verdammt heimstark, aber wir sind gut drauf", sagt Rolfes. Immerhin eine kleine Kampfansage.

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