Bremen an der Spitze

Lamentieren ist nicht

Von Thomas Gaber
Samstag, 01.12.2007 | 21:12 Uhr
werder, bremen, team
© Imago
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München - Eine elendlange Verletztenliste, in die sich seit Saisonbeginn fast jeder Leistungsträger eintrug. Eine Demütigung beim 0:4 gegen Bayern wie sie sonst nur dem Pennäler aus der ersten Reihe widerfährt, wenn er auf dem Heimweg dem Klassenrowdy begegnet.

Ärger um den wechselwilligen Christian Schulz. Private Turbulenzen und rätselhafte Schlafstörungen bei Carlos Alberto. Öffentliche Kritik an Trainingsmethoden von Thomas Schaaf. Hohn und Spott nach dem 1:3 gegen Olympiakos Piräus. Und eine Schlägerei im Training zwischen Boubacar Sanogo und Carlos Alberto.

Werder Bremen kennt sich in dieser Saison bestens aus mit Krisen, Rückschlägen und weiteren unangenehmen Begleiterscheinungen. Eigentlich ein Fall für die Couch.

Hanseatische Gelassenheit 

Werder setzte aber viele Gesetzmäßigkeiten außer Kraft und festigte durch das 2:1 gegen den Hamburger SV Tabellenplatz zwei. Werders Leistung ist nicht hoch genug einzuschätzen.

Mit hanseatischer Gelassenheit ließen die Bremer alles über sich ergehen und durch nichts aus der Bahn werfen. Die Raufbolde Sanogo und Alberto werden trotz Personalnot umgehend suspendiert, die Höhe der Geldstrafen nie öffentlich gemacht. Real Madrid wird mal eben auch ohne sechs Stammspieler besiegt.

"Wir lamentieren nicht, sondern packen an", sagte Sportdirektor Klaus Allofs nach dem hart erkämpften Sieg im Nordderby gegen den HSV. Angesichts der Verletztenmisere "stehen wir weit besser da als erwartet", ergänzte Allofs, der die drei Punkte in vollen Zügen genoss. "Gegen den HSV zu gewinnen, macht einfach Spaß."

Allofs wusste es immer 

Die Lust am Fußball war nie weg in Bremen. Auch nicht, als der FC Bayern ganz nach dem Geschmack von Bayern-Manager Uli Hoeneß aus Bremen nur noch mit dem Fernglas zu sehen war. Urplötzlich sind beide aber wieder auf Augenhöhe.

"Ich habe nie an einen Alleingang der Bayern geglaubt", sagte Allofs. Gewiss hat der Rivale aus dem Süden durch schlechtere Spiele in den letzten Wochen selbst dazu beigetragen, dass der Kampf um die Herbstmeisterschaft offener denn je ist. Aber Werders Aufholjagd ist bemerkenswert. 26 Punkte holten die Bremer aus den letzten zehn Bundesligaspielen.

"Seit Wochen leistet die Mannschaft Außergewöhnliches, das kann man gar nicht genug betonen", sagte Schaaf in einem Anflug von Euphorie. Der Coach wirkt gelöst wie nie. Derzeit passe eben alles zusammen, so Schaaf. Wahre Worte. Schaaf hielt immer an seinem System fest, egal welche Spieler ihm zur Verfügung standen.

Und es funktioniert. Darf Diego nicht mitmachen wie gegen Real, füllt Daniel Jensen die Position hinter den Spitzen aus. Fallen Pierre Wome oder Clemens Fritz aus, springt Dusko Tosic in die Presche. Liegt Hugo Ameida flach, trifft halt Markus Rosenberg gegen Madrid. Und gegen den HSV stand Werder auch mal das Glück zur Seite.

Sanogos perfekter Tag 

Per Mertesacker sprach vom "maximal erreichten in einer extrem schweren Woche". Und Sanogo erlebte nach dem Sieg gegen Real den nächsten "perfekten Tag in einem für mich besonderen Spiel".
Vor der Partie hatte der Ivorer Bremen und Hamburg verglichen. Dabei kam sein Ex-Verein denkbar schlecht weg. Am Samstag waren die Hamburger bis auf eine verschlafene erste halbe Stunde ebenbürtig und verloren nur durch die unglückliche Koproduktion von Vincent Kompany und Frank Rost nach der Flanke von Petri Pasanen.

Stevens und Rummenigge contra DFL 

Nur 43 Stunden nach dem 3:0 im UEFA-Cup gegen Stade Rennes musste der HSV schon wieder ran. Der straffe Zeitplan brachte Trainer Huub Stevens auf die Palme.

"Es kann nicht sein, dass in einem wichtigen Spiel, in dem es um die Meisterschaft geht, eine Mannschaft auf dem Platz steht, die nicht völlig fit sein kann", echauffierte sich der Niederländer und traf damit den Nerv von Karl-Heinz Rummenigge. "Was die DFL da macht, ist lächerlich. Das ist Wettbewerbsverzerrung pur", sagte Bayerns Vorstandsboss bei Premiere. 

Beide haben mit ihrer Kritik Recht. Aber die Fernsehverträge lassen keine drei Sonntagsspiele zu, was die Situation freilich nicht besser macht. Ein Umdenken tut Not. Diesmal profitierte Werder. Nach all den Nackenschlägen sei es ihnen vergönnt.

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