Das Ende des Spaßvogels

Von Interview: Daniel Börlein
Freitag, 30.11.2007 | 12:07 Uhr
© Getty
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München - Energie Cottbus ist jetzt nicht gerade der Mittelpunkt Fußball-Deutschlands. Der Großteil interessierter Betrachter kann wohl nicht mal drei Spieler der Lausitzer aufzählen.

Einen kennt allerdings jeder: Tomislav Piplica. Der 38-Jährige Paradiesvogel ist aufgrund seiner Pannen, Ausflüge und schrägen Outfits jedem ein Begriff.

Mittlerweile hat Piplica seinen Stammplatz im Tor von Energie aber an Gerhard Tremmel verloren. Der Spaß ist ihm dadurch vergangen, wie er im Interview mit SPOX.com verrät. 

SPOX: Cottbus steht am Tabellenende. Ist die Stimmung bei Energie dementsprechend schlecht?

Tomislav Piplica: Natürlich. Wenn du Letzter bist, dann ist selbstverständlich niemand zufrieden. Dann macht es natürlich auch nicht richtig Spaß. Nach so vielen Spielen erst acht Punkte zu haben, ist eindeutig zu wenig. Nur Siege machen wirklich Spaß und Fußballer glücklich. Erfolg ist ganz einfach das Wichtigste.

SPOX: Unter dem neuen Coach Bojan Prasnikar ist immerhin ein leichter Aufwärtstrend erkennbar. Was hat sich geändert?

Piplica: Jeder Trainer hat seine eigenen Vorstellungen und Ideen. Bojan Prasnikar ist ein ganz anderer Typ als Petrik Sander.

SPOX: Inwiefern?

Piplica: Er ist viel lauter als Sander. Er legt viel mehr wert auf Disziplin und Taktik. Er hat eine andere Vorstellung von Fußball. Für die Spieler ist das natürlich neu. Er hat das Problem, dass er sich die Spieler nicht selbst aussuchen und die Mannschaft nicht nach seinen Wünschen zusammenstellen konnte. Deshalb muss man ihm Zeit geben. Nur eigentlich haben wir keine Zeit.

SPOX: Wie hat er Ihnen erklärt, dass Sie nur noch die Nummer zwei sind?

Piplica: Ich will diese Sache eigentlich gar nicht groß diskutieren. Ich bin Profi, arbeite weiter und warte auf eine neue Chance.

SPOX: Bekommen Sie die in der Winterpause?

Piplica: Ich denke schon, dass im Winter die Karten neu gemischt werden. Den großen Umschwung hat es nun ja auch mit Gerhard Tremmel nicht gegeben. Es ist eben schwierig für einen Torhüter, der bei einem Verein spielt, bei dem es viel zu tun gibt. Da stehst du immer im Blickpunkt und jeder wartet auf deine Fehler. Bei anderen Torhütern passieren auch Fehler, aber da ist die Mannschaft stärker, so dass man vielleicht trotz eines Fehlers gewinnt. Und dann gibt es auch nicht so viel Stress. Bei uns ist es so: Wenn du einen Fehler machst, ist das Spiel eigentlich schon verloren.

SPOX: Sie gelten als Spaßvogel. Hat Ihnen Ihre Degradierung auch etwas von Ihrer fröhlichen Art genommen?

Piplica: Natürlich. Das ist etwas ganz anderes, ob du spielst oder nur auf der Bank sitzt. Da hast du nicht diesen Adrenalin-Kick. Wenn man spielt, ist man einfach viel mehr dabei und mittendrin. Für mich ist das schon ein ganz neues Gefühl. Ich bin jetzt zehn Jahre in Cottbus. Und alles Gute, was in und mit Cottbus passiert ist, ist mit mir passiert. Ich war bei zwei Aufstiegen dabei, wir haben dreimal die Klasse gehalten. Wir haben fünf Jahre Bundesliga gespielt, was für diesen Verein und die Region großartig ist. So wie für andere Klubs die Champions League.

SPOX: Cottbus kam man sich ohne Tomislav Piplica kaum noch vorstellen. Wie sieht ihre Zukunft aus?

Piplica: Ich kann das momentan nicht sagen. Wir haben jetzt noch vier Spiele bis zur Winterpause und ich will jetzt auch kein Theater machen. Manager und Präsident wollen mit mir verlängern. Wir haben vereinbart, dass wir uns in der Winterpause zusammensetzen und dann müssen alle mit offenen Karten spielen. Natürlich ist es mein Wunsch, hier zu bleiben und weiter zu kämpfen. Dabei spielt auch mein Alter keine Rolle, denn ich bin noch fit. Was gerade mit Cottbus passiert, tut mir wahrscheinlich viel mehr weh als anderen Spielern, denn ich habe hier sehr viel mit aufgebaut.

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