Jetzt wird Dortmund boykottiert

SID
Mittwoch, 31.10.2007 | 11:16 Uhr
© Getty
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Dortmund - Dem Presse-Boykott folgte der Boykott durch die Presse: Zwar beendeten die Profis von Borussia Dortmund nach dem Zweitrunden-Auftritt im DFB-Pokal gegen Eintracht Frankfurt ihr vierwöchiges Schweigen gegenüber den Journalisten, die jedoch zeigen nunmehr den Schwarz-Gelben die kalte Schulter.

In einer bundesweit bislang einzigartigen Solidar-Aktion verzichteten die Medienvertreter der regionalen und überregionalen Zeitungen, Fachmagazine und Agenturen bis zum Punktspiel des BVB am Samstag bei Hannover 96 auf Interviews und Hintergrundgespräche mit den Spielern.

Nach der 1:3-Blamage beim Karlsruher SC, der dritten Niederlage innerhalb einer englischen Oktober-Woche, hatten die
BVB-Kicker am 1. Oktober in einer internen Aussprache beschlossen, nicht mehr mit den Medien zu kommunizieren.

"Es ist viel auf sie eingeprasselt, es hat sich das eine oder andere aufgestaut, obwohl die Kritik teilweise berechtigt war", erklärte Trainer Thomas Doll, der die Entscheidung seiner Mannschaft ebenso "respektierte und akzeptierte" wie Sportdirektor Michael Zorc und BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Es folgten harte Kritik und bissige Kommentare in den Gazetten wie schon beim fünf Wochen dauernden Medienboykott des Erzrivalen Schalke 04 zum Ende der Hinrunde vergangenen Jahres, in denen Unprofessionalität" noch die gängigste Umschreibung war.

Für Unverständnis sorgten besonders die Passivität der Klubverantwortlichen, die ihre Profis gewähren ließen.

In Dortmund waren es sogar Präsident Reinhard Rauball ("Die Spieler haben dem guten Namen von Borussia Dortmund schweren chaden zugefügt"), Zorc ("Weicheierfußball") und Watzke ("Ich könnte kotzen"), die für die schlagzeilenträchtigen Steilvorlagen sorgten.

Sippenhaft für Journalisten

Bleibt am Ende die Frage, was dem Verein größeren Schaden zufügt: Eine schwache Leistung oder - mit Blick auf die Fans und Sponsoren - ein Medienboykott? "Es trifft die Falschen, nämlich die Fans als Kunden, die ein Recht haben, über die Medien mit den von ihnen bewunderten Spielern in Kontakt zu treten, und die Sponsoren.

Im Grunde ist es doch ein Geben und Nehmen. Es gibt bei solch einem Boykott keine Sieger und keine Verlierer", sagte Medienwissenschaftler Prof. Dr. Josef Hackforth von der TU München im "DSF".

"Wir verwahren uns mit dieser symbolischen Aktion gegen die immer häufiger - unter anderm auch bei Schalke 04 - um sich greifende Art der Sippenhaft für Journalisten und erwarten von den Spielern, deren Gehalt nicht zuletzt auf der flächendeckenden Berichterstattung basiert, dass sie mit den Journalisten, von denen sie sich schlecht behandelt fühlten, direkt das Gespräch suchen", erklärten stellvertretend die in Dortmund erscheinenden "Ruhr Nachrichten" ihren Lesern.

Schalke und Dortmund als "Vorreiter" 

Zwar versuchte Zorc, das Schweigen der Profis stets als "eine Art mannschaftliche Geschlossenheit" schönzureden, doch Kritiken nach den indiskutablen Auftritten, auf die selbst Trikotsponsor Evonik mit ironischen Texten in seinen Anzeigen reagierte, blieben der eigentliche Grund.

Vermittlungsversuche zwischen dem Verband deutscher Sportjournalisten (VDS) und Appelle scheiterten wie schon im Fall Schalke vor fast einem Jahr.

Was in Italiens Serie A schon mehrfach als "Silencio Stampa" praktiziert und in Schalke sowie Dortmund erstmals in Deutschlands höchster Spielklasse kopiert wurde, wirft unter dem Strich kein gutes Licht auf die gut- bis hochbezahlten Hauptdarsteller des "Showgeschäfts" Fußball-Bundesliga - so sehen es auch die Fans in diversen Umfragen und Foren.

Beim nicht minder unrühmlichen Boykott der Schalker sprach deren ehemaliger Profi Youri Mulder einst als Premiere-Co-Kommentator Klartext: "Das kann nicht sein. Das sind Profis, und Profis müssen sich immer stellen, nach Sieg und Niederlage. Die Spieler leben doch unter anderem von den Medien."

 

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