Der Club gastiert in München

Über Fürstenfeld ins Bergwerk

Von Thomas Gaber
Sonntag, 07.10.2007 | 00:07 Uhr
Nürnberg, Fans
© Getty
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München - Eine Sache gilt es mal vorweg klarzustellen: München ist immer eine Reise wert. Nicht nur am ersten Sonntag im Oktober. Aber an jenem Tag eben ganz besonders. Am ersten Sonntag im Oktober feiert die Münchner Wiesn nämlich Kehraus.

Der 16. Tag des Oktoberfests ist gleichzeitig auch der letzte und viele Wiesn-Besucher, ob Urgestein in Lederhosen mit Charivari und Haferlschuhen oder "Zugroaster" (die etwas despektierliche bayrische Form von Oktoberfest-Tourist) halten die letzten zwölf Stunden Wiesn für die schönsten im Jahr.

Für alle Fans des 1. FC Nürnberg könnte der diesjährige erste Sonntag im Oktober ein unvergesslicher Tag werden - vorausgesetzt sie machen sich zeitig auf den 160 Kilometer langen Weg nach München und sind im Besitz einer gültigen Eintrittskarte für das Derby beim FC Bayern.

Allen Club-Anhängern, die dieses Privileg nicht genießen, sei der SPOX-LIVE-TICKER ab 17 Uhr oder die Übertragung auf Premiere ans Herz gelegt.

U4 Richtung Westend 

Um seine Anreise muss sich der FCN-Fan schon selbst kümmern. Für den Aufenthalt in München gibt es aber einige hilfreiche Tipps.

Am Hauptbahnhof angekommen, sollten die Supporter gleich in die U4 Richtung Westend einsteigen und an der Haltestelle Theresienwiese der Menschenmasse folgen. Erstes Ziel auf der Wiesn muss das Bierzelt Winzerer Fähndl sein. Dort gibt's die besten Weißwürscht in München.

Bei einer Rußnmaß (Weißbier mit Zitronenlimo) überlegt sich der Club-Fan die Taktik, die den Franken zum ersten Sieg beim FC Bayern seit dem 28. März 1992 (3:1) verhelfen soll. Nürnbergs Trainer Hans Meyer hat nämlich gar keine.

Meyer "schimpft" über Wettbewerbsverzerrung 

"Nur die Bayern entscheiden, wie das Spiel endet. Bringen sie 100 Prozent, bist du chancenlos", so Meyer. Davon müsse man nun einmal ausgehen. Angesichts der übermächtigen Bayern, die "auf jeder Position besser besetzt sind als wir" (Meyer) spricht der Coach sogar von "wettbewerbsverzerrenden Voraussetzungen".

Peer Kluge braucht auch keine Taktik, er kennt bereits das Endergebnis. "Wir haben in Bochum 3:3 gespielt, in Bukarest 2:2, dann ist jetzt ein 1:1 an der Reihe", sagte Nürnbergs neuer Torjäger.

Dem Club-Fan ist das alles zu wenig. Er kritzelt die richtige Taktik auf eine Papierserviette, die er bekommt, wenn er eines der vorzüglichen Wiesn-Hendl bestellt. In mittlerweile geselliger Bier- und Schunkellaune notiert der Club-Fan erst die Aufstellungen beider Teams und bildet Pärchen. Mnari/Ribery, Wolf/Toni, Misimovic/van Bommel.

Wiesn-Sieg anno 1966 

Spiranovic und Reinhardt müssen auf den Außenbahnen Ribery, Ze Roberto und Hamit Altintop beackern, Galasek mit seiner Erfahrung Podolski kaltstellen und wenn dann noch Misimovic so herrlich trifft wie in Bukarest oder Charisteas einen Ball aus zwei Metern auch mal ins Tor schießt anstatt in den dritten Oberrang, könnt's was werden mit einem Club-Sieg.

Den gab's zur Wiesn-Zeit übrigens schon einmal. Am 1. Oktober 1966 erzielte Manfred Greif in der 35. Minute den 1:0-Siegtreffer gegen Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Co.

Ab nach Fröttmaning 

Vergnügt und siegessicher torkelt der Club-Fan gegen 16 Uhr Richtung U-Bahn, ballert auf dem Weg dorthin aber erst noch am Schießstand Löcher in die Kuscheltiere.

Eine knappe halbe Stunde später ist er in München-Fröttmaning angekommen. Gemeinsam mit 68.999 anderen Zuschauern, darunter schätzungsweise 7.999 Gleichgesinnten, erlebt der Club-Fan 90 Minuten heißen Derby-Fußball.

Und selbst wenn die Taktik nicht funktioniert und Nürnbergs Keeper Jaromir Blazek die Hütte voll kriegt, wird es ein netter Abend für den Club-Fan.

Heim nach Fürstenfeld 

Denn wenn Schiedsrichter Babak Rafati die Partie um 18.47 Uhr abpfeift, geht es auf der Wiesn noch mal so richtig rund. Bis 22.30 Uhr wird im Sperrbezirk skandaliert, heim nach Fürstenfeld gefahren und mit der Herzallerliebsten beim Rausschmeißer "Weilst a Herz hast wie a Bergwerk" von Reinhard Fendrich geschmust.

Es ist eben ein besonderer Tag in München, dieser erste Sonntag im Oktober. So oder so.

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