Der Rest ist Schweigen

Von Stefan Moser
Montag, 08.10.2007 | 09:49 Uhr
© Getty
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München - Nicht viel passiert an diesem Spieltag. Die Bayern marschieren munter vorne weg, Schalke fehlt es an der Reife, Stuttgart fehlt es weiterhin an allem.

Aber die wahren Dramen spielen sich oft im Verborgenen ab. Und einigen Akteuren spielte das Schicksal wirklich übel mit. Sie alle finden Platz in der Alternativen Liste des 9. Spieltags.

1. Kevin Kuranyi: Schalke verlor gegen den KSC mit 0:2 und jammerte im Anschluss kollektiv über den zu Unrecht nicht gegebenen Treffer von Kevin Kuranyi. Nur der Torschütze selbst nicht: "Die Szene war nicht entscheidend. Wir haben als Mannschaft schlecht gespielt und verdient verloren." Wenn Kuranyi so was sagt, dann klingt das immer irgendwie niedlich. Aber rein inhaltlich zeugt der Satz durchaus von einer gewissen Reife.

2. Die Klotür: Ein großes "00" steht immer noch häufig am Eingang eines stillen Örtchens. Das kommt daher, dass früher in Hotels die Etagenklos meist in der Nähe der Treppenhäuser lagen.

Weil dort aber auch die Nummerierung der Zimmer begann, blieb für die Toiletten nur noch die "Null-Null". Mit Fußball hat das nichts zu tun? Oh, doch! Denn wer sich am Samstag einen gemütlichen Nachmittag vor dem Fernseher machen wollte und sich dabei für das "Null-Null" zwischen Berlin und Cottbus entschied, der hat in Sachen Freizeitgestaltung aber mal so richtig tief ins Klo gegriffen.

3. Birgit Prinz: Apropos Freizeitgestaltung: Birgit Prinz war am Samstag zu Gast bei "Wetten, dass...!" Die 29-Jährige ist von Beruf Weltmeisterin, mit "-in" hinten dran, also unzweifelhaft eine Frau. Und trotzdem entkam sie den notorisch flinken Fingern von Talkmaster Tommy Gottschalk. Kein Tätscheln am Knie, kein Grabschen an der Hüfte: Reife Leistung!

4. Die Ausgleichende Gerechtigkeit: Im Fußball gibt es keine Gerechtigkeit, oder nur ganz selten. Am 9. Spieltag trat sie dann gleich zweimal in Erscheinung. Wolfsburg und Berlin bekamen beide einen völlig albernen Elfmeter geschenkt - und beide konnten die Chance nicht nutzen. Für Wolfsburg scheiterte Marcelinho an Rostocks Keeper Stefan Wächter. Für Berlin Marko Pantelic an seiner dummen Idee, den Ball einfach volle Lotte gegen den Querbalken zu zimmern.

5. Der Dortmunder Presseboykott: "Der Rest ist Schweigen", sagt der sterbende Hamlet am Ende von Shakespeares Tragödie. Der Dänen-Prinz hat zuvor Eltern und Freunde verloren, die Geliebte ist dem Wahnsinn verfallen. Das Schweigen ist seither Sinnbild für die existenzielle Ratlosigkeit des Menschen, das Leiden an der Welt und die Ohnmacht gegen die absurden und zynischen Fügungen des Schicksals. Ein lakonisches Achselzucken auf die Frage nach dem Sinn.

In Dortmund schwiegen sie am Freitag auch. Die Ruhrpott-Kicker mussten zuvor ohnmächtig mit ansehen, wie der Schiri kaltblütig Christian Wörns vom Platz stellte, wie die eigenen Fans Robert Kovac mit einem gnadenlosen Pfeifkonzert zynisch begrüßten. Wie sie das Spiel gegen Bochum trotzdem absurderweise mit 2:1 gewannen. Was hat das alles noch für einen Sinn? Der Rest war Schweigen.

6. Die Wortspiel-Kasse: Der Bremer Carlos Alberto leidet an Schlafstörungen, kann deshalb weder spielen noch trainieren. Die Duisburger Fans empfingen Werder daraufhin mit einem Spruchband: "Carlos Alberto schlaf, dein Trainer ist ein Schaaf." Schwer zu sagen, ob das wirklich witzig ist. Metrisch jedenfalls ist der Vers in der Form ein Desaster.

7. Ze Roberto: Ze Roberto trifft schon wieder - und wieder muss das reichen!

8. Ailton: Der Brasilianer durfte gegen seine Bremer Ex-Kollegen zum ersten Mal in dieser Saison von Beginn an auflaufen und traf dabei sogar. Duisburg verlor trotzdem deutlich mit 1:3. Ailton war's Wurst: "Äh...habe spielen sekzig Minuto...öh...habe Tor geschosse...äh...bin zufriede!". Äh? Der Rest ist Schweigen.

9. Andreas Wolf: Der Nürnberger hat sich am Sonntag schlicht einen gebrauchten Tag andrehen lassen und braucht unseren Zuspruch. Ursprünglich wurde Wolf nämlich mit der Mission von Hans Meyer aufs Spielfeld geschickt, Bayern-Star Franck Ribery in Manndeckung zu nehmen. "Mission Impossible!", funkte der Kettenhund per Körpersprache schon nach zehn Minuten an die Außenlinie. Meyer reagierte und stellte den überforderten Wolf nun auf die rechte Abwehrseite. Das bemerkte freilich auch Ribery und kam ab sofort ganz einfach verstärkt über Links. Weil er auch dort weiter unbehelligt schalten und walten konnte, war der Arbeitstag für Wolf nach 29 Minuten zu Ende. Meyer wechselte ihn aus. Genützt hat's nicht!

10. Die Graue Maus: Wolfsburg wird das Image einfach nicht los. Auch nicht unter Felix Magath. Der VfL gewinnt immer noch nix und wenn doch, will es keiner sehen. Wenn doch, macht's keinen Spaß. Und das soll sich jetzt ändern! Um den eigenen Unterhaltungswert zu steigern, suchen die Wölfe jetzt einen professionellen Animateur. (Kein Jux! Für Interessierte: Hier geht's zur Stellenausschreibung.)  Extrovertiert soll er sein, flexibel auch, und Stimmung soll er machen. Im Stadion. In Wolfsburg.

Unser Vorschlag an den VfL: Weil der Magath bei euch doch sowieso alles selber macht - warum nicht auch den Animateur? Zugegeben: Auf den ersten Blick ist der Mann keine echte Spaßkanone. Auf den zweiten auch nicht. Aber wenn man ganz, ganz genau hinsieht, dann erkennt man mit etwas Fantasie eine gewisse physiognomische Ähnlichkeit mit Detlef  D. Soost. Das ist der knuffige Gute-Laune-Bär, der auf Pro7 das Kulturformat "Popstars" moderiert. Und der ist immer so mega geil gelaunt!

11. Szabolcs Huszti: Wer sich derart beherzt gegen sein Schicksal stemmt, ist wahrlich ein Held. Denn ursprünglich war der 24-Jährige vom Fußballgott als Depp des Tages auserkoren. Nach drei Minuten gegen den VfB stocherte Huszti den Ball frei vor dem leeren Tor auch schon dermaßen lausig über die Querlatte - jeder Fußballer mit etwas Anstand im Leib hätte sich sofort auswechseln lassen. Doch nicht der Ungar. Er legte sich nur vier Minuten später sogar den Ball zum Elfmeter zurecht, lief an und traf. Aber Schri Merk sagte: "Nö! Gilt nicht! Noch mal schießen!". Spätestens hier sah das Drehbuch vor, dass Huszti scheitert. Aber das Schicksal hatte die Rechung ohne den Wirt gemacht. Und der hieß: Rafael Schäfer. Denn der Stuttgarter Keeper hat in seinem ganzen Leben noch keinen Elfmeter gehalten (bei immerhin 20 Versuchen!). Also traf Huszti zum 1:0, später noch zum 2:0 und war - der Held des Tages!

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