Fussball

Das Problem mit den Spaniern

Von Florian Bogner
jens lehmann nationalmannschaft deutschland
© Getty

München - Torwartproblem? Haben wir in Deutschland nicht. Immerhin haben die, die in den letzten Jahren auf den Spielberichtsbögen deutscher Länderspiele ganz oben mit dem Verweis "Torwart" auftauchten, allesamt hervorragend gehalten. Wo ist also das Problem?

Das Problem rollt gerade mit wachsender Geschwindigkeit auf Bundestrainer Joachim Löw zu. Ein spanisches Problem im Allgemeinen - die Herren Santiago Canizares und Manuel Almunia im Speziellen.

Die beiden Blondschopfe machen nämlich derzeit den ersten Torhütern der Nationalelf das Leben schwer. Weil sie spielen - und nicht Lehmann und nicht Hildebrand. Und in beiden Fällen geht es momentan nicht wirklich ums Leistungsprinzip.

Lehmann spielt erstmal nicht

Jens Lehmann hat ein Problem mit einem gewissen Arsene Wenger, der dummerweise sein Vereinstrainer beim FC Arsenal ist. Dem kam Lehmanns jüngste Ellenbogenverletzung gerade recht, um den zuletzt zwei Mal patzenden 38-Jährigen aus dem Kasten zu nehmen - Rückkehr ungewiss.

"Selbst wenn er fit wäre, wüsste ich gegenwärtig nicht, ob ich ihn vorziehen würde", meinte Wenger und ergänzte: "Im Moment zählt für mich die Kontinuität." Heißt im Klartext: Almunia spielt bis auf weiteres.

Hildebrand hat keine Fürsprecher

In Valencia, bei Hildebrand, liegt der Fall anders. Der 28-Jährige hat das Problem, dass man mit ihm dort eigentlich nicht viel anfangen kann. Der Manager, der ihn holte, ist mittlerweile entlassen. Der Mann, der bislang das Tor hütete und weiter hütet, hat zahlreiche Fürsprecher im Team und den Trainer damit in der Hand.

Hildebrand bleibt momentan nichts anderes übrig, als zu warten. "Ich kann mich nur immer weiter im Training empfehlen und weiter Gas geben und dann hoffe ich, dass ich bald spielen werde." Zuversicht contra Realität.

Wer hält beim nächsten Länderspiel?

Womit wir bei Löw wären. Der meinte noch vor dem Wales-Länderspiel, "ein Problem wäre es, wenn die Torhüter längere Zeit nicht spielen würden". Das scheint nun einzutreten. Für die nächsten Länderspiele im Oktober muss also eine Lösung her.

Doch wie sieht die aus? Vier Torhüter stehen derzeit in Lauerstellung und jeder Experte hat seinen eigenen Favoriten. Fragt man Oliver Kahn, so sieht der zum Beispiel den Bremer Tim Wiese vorne.

Kahn favorisiert Wiese

"Er erfüllt die Kriterien noch am ehesten", meinte Kahn in der "Sport Bild": " Er bringt seit Jahren seine Leistung, auch in der Champions League, und fand bisher keine Berücksichtigung."

Dessen jüngste Kritik an Löw scheint mittlerweile auch kein Problem mehr zu sein. "Tim Wiese ist bei uns nicht abgeschrieben und er hat auch nicht ausgespielt. So nachtragend sind wir nicht, auch wenn uns seine Kritik nicht gefallen hat", meinte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff in dieser Woche.

Für Rekordnationalspieler Lothar Matthäus ist hingegen Schalke-Keeper Manuel Neuer die erste Alternative. Sein Argument: "Neuer legt eine Souveränität an den Tag, wie ich es in seinem Alter noch nie im Tor gesehen habe", schreibt Matthäus in der "Sport Bild".

Enke und Adler ohne Lobby

Wären da noch Robert Enke und Rene Adler, die das Problem haben, bislang noch keine große Lobby zu besitzen. Enke steht wie Hannover für tristes Bundesliga-Dasein und bekommt nicht die Aufmerksamkeit, die seinen Leistungen eigentlich gebührt.

Adler hält zwar überragend und wird auch meist in einem Atemzug mit Manuel Neuer genannt, spielt aber zu seinen Ungunsten "nur" bei Bayer Leverkusen.

Matthäus' elegante Lösung

Laut Statistik hat Adler in dieser Saison 92,9 Prozent aller Schüsse abgewehrt, dazu 71,4 Prozent der Großchancen gegen ihn vereitelt - das ist Liga-Spitze. Joachim Löw wird diese Werte kennen und sich reiflich überlegen, wen er zum nächsten Länderspiel am 13. Oktober in Irland einlädt.

Geht es nach Matthäus, stünde da noch ein ganz anderer im Ring. Sein Rat: Wenn Lehmann bei Arsenal nicht spielt, sollte Löw erst gar nicht lange grübeln: "Für die EM 2008 kommt dann für mich nur einer in Frage: Oliver Kahn." Und dem sitzt momentan auch garantiert kein Spanier im Nacken.

 

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