Interview

Aus Liebe zum Ball

Von Interview: Alexis Menuge
Freitag, 14.09.2007 | 19:00 Uhr
ribery, bayern
© Getty
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München - Paul Hartley kam zu spät. Aber es muss ihm nicht peinlich sein. Vielen seiner Kollegen ging es ähnlich.

Franck Ribery ist halt schwer zu kontrollieren. Und wenn seine Rädchen gut geölt sind, gibt es kein anderes Mittel als die Blutgrätsche.

Im EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland (0:1) bekam der Franzose wieder mehrfach auf die Socken. Doch Ribery ist hart im nehmen.

Er vertraut der pfeifenden Zunft. "Die Schiedsrichter werden mich schon schützen", sagt Ribery im Interview mit SPOX.com.

Außerdem spricht der 24-Jährige über sein Leben in München.

SPOX: Franck Ribery, am Mittwoch unterlagen Sie mit Frankreich gegen Schottland. Die EM-Qualifikation ist in Gefahr...

Franck Ribery: Wir müssen höllisch aufpassen, denn Italien ist an uns vorbei gezogen und wir sind nur noch Dritter. Wir haben es trotzdem selbst in der Hand, denn Italien und Schottland treffen noch aufeinander. Wenn wir unsere letzten drei Partien gewinnen, sind wir durch.

SPOX: Nach fünf Spieltagen ist Bayern noch ohne Niederlage. Sind die Münchner unschlagbar?

Ribery: Schalke und der HSV haben gezeigt, dass auch wir nicht immer gewinnen können. Das schafft keine Mannschaft auf der Welt. Es wäre normal, dass wir irgendwann auch mal verlieren. Aber bis jetzt haben wir die Erwartungen erfüllt. Das Wichtigste ist und bleibt, Deutscher Meister zu werden. Wenn wir unser Potenzial kontinuierlich abrufen, brauchen sich unsere Fans keine Sorgen zu machen.

SPOX: Sie wurden in den ersten Spielen hart angegangen. Haben Sie inzwischen Angst vor einer aggressiven Manndeckung?

Ribery: Es ist nicht das erste Mal, dass die Verteidiger mich mit viel Aggressivität stoppen wollen. Aber Angst spüre ich nicht. Bei Olympique Marseille und bei Galatasaray Istanbul war es genauso. Ich werde keineswegs meine Spielweise ändern. Ich habe nie vor, meine Gegner zu provozieren. Ich liebe es einfach, den Ball zu haben. Und ich bin fest davon überzeugt, dass die Schiedsrichter hart durchgreifen und mich schützen werden, falls ein Gegenspieler mich zu übel foult.

SPOX: Sie haben gesagt, Sie wüssten schon, wie der FC Bayern funktioniert. Wie funktioniert er denn?

Ribery: Hier wird alles dafür getan, damit sich der Spieler wohl fühlt und sich voll und ganz auf seinen Job konzentriert. Der Verein hat mir und meiner Frau eine Übersetzerin zur Verfügung gestellt, damit unsere Integration reibungslos verläuft. Ich habe jetzt auch mit dem Deutsch-Unterricht angefangen - auch das hat der FC Bayern organisiert. Alles ist bestens vorbereitet.

SPOX: Sie genießen im Spielsystem der Bayern viele Freiheiten und müssen kaum nach hinten arbeiten. Haben Sie sich schon einmal so "frei" gefühlt?

Ribery: Nein. Bayerns Spielsystem liegt mir am besten. Ich muss wenig nach hinten arbeiten, aber ich erledige auch meinen defensiven Part. Wenn ich den Ball verliere, dann bleibe ich nicht stehen, sondern versuche sofort, den Ball zurückzuerkämpfen.

SPOX: Wer ist für Sie bisher der wertvollste Spieler beim FC Bayern?

Ribery: Miroslav Klose und Luca Toni haben bereits ihren tollen Torriecher bewiesen. Aus dem Nichts sind sie immer in der Lage, Tore zu erzielen. Wir harmonieren sehr gut. Es ist nur schade, dass beide noch nicht hundert Prozent fit sind.

SPOX: Über das Werbe-Plakat, auf dem Sie als König dargestellt und mit dem deutschen Volkshelden Franz Beckenbauer verglichen wurden, haben einige mit die Nase gerümpft. Verständlich?

Ribery: Darüber mache ich mir keine Gedanken. Mir ist wichtig, dass meine Leistungen von Herrn Beckenbauer gewürdigt werden, weil er viel dafür getan hat, dass ich heute beim FC Bayern spiele. Der Rest ist mir egal.

SPOX: Sie haben sich in München schnell eingelebt. Vermissen Sie dennoch irgendetwas?

Ribery: Ja, die französischen TV-Sender. Ich will die französische Liga verfolgen und die französischen Musik-Sender. Am Anfang habe ich meine Familie vermisst, glücklicherweise ist sie mittlerweile auch in München. Und das Wetter ist hier nicht so toll, aber das bin ich gewohnt. Ich komme aus Nord-Frankreich. Da regnet es auch oft.

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