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Stolperstein oder Meilenstein?

Von Florian Bogner
Freitag, 14.09.2007 | 18:00 Uhr
lucio, halil, altintop, bayern, schalke
© Getty
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München - Vier Spiele, 11:1 Tore, zehn Punkte. Dabei sind gefühlte zweieinhalb Bälle auf das Tor von Oliver Kahn geflogen. Die Bayern spazieren bislang recht ungehindert durch die Liga, den Ausgleich des HSV werten wir mal als Betriebsunfall. Wer soll sie aufhalten?

"Ich meine schon, dass wir am ehesten das Zeug dazu haben", sagte Fabian Ernst im "Kicker".

Am Samstag ist der FC Schalke 04 in München zu Gast, für viele schon die letzte Hürde auf dem Weg zur rot-weißen Herbstmeisterschaft. Verliert S04, ist Bayern schon um sieben Punkte enteilt.

Nicht in Ehrfurcht erstarren, die Ziele nicht über Bord werfen - dem Schalker Ernst sind seine Aussagen ernst: "Wenn du die Bayern über den grünen Klee lobst und sich keiner dagegen wehrt, werden sie sicherlich Meister."

Hitzfelds starke Worte

Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld tut dieser Tage ebenfalls gut daran, die Spannung bei seiner Mannschaft hochzuhalten.

Das Spiel in Hamburg hat gezeigt, dass den Bayern-Stars auch in der Liga der Spaß vergehen kann, wenn es spielerisch mal nicht läuft, wenn der Gegner bissig ist und Ribery und Co. auf den Füßen steht.

Spitzenspiel, vorgezogenes Endspiel, Charakterfrage - das sind die Worte, die der 58-Jährige in der vergangenen Woche häufig benutzt hat. Schalke soll zum Meilenstein werden, nicht zum Stolperstein.

"Dieses Spiel hat eine große Bedeutung für mich", sagt Hitzfeld, dem die Länderspielpause Vor- und Nachteile gebracht hat.

Kopfschmerzen wegen Weltenbummlern

Auf der einen Seite spielt ihm der praktische Umstand in die Karten, dass Marcell Jansen und Lukas Podolski bei der deutschen Nationalelf Spielpraxis sammeln konnten.

Jansen ("den werfe ich ins kalte Wasser") wird den verletzten Philipp Lahm links hinten ersetzten, Podolski ist "auf jeden Fall eine Alternative", sollte Luca Toni doch nicht auflaufen können.

Der Italiener bekam von Mannschaftsarzt Dr. Müller-Wohlfarth zwar grünes Licht, laut Hitzfeld steht jedoch "eine heiße Entscheidung" an: "Gehen wir das Risiko ein, oder nicht?"

Mehr Kopfschmerzen macht dem 58-Jährigen aber die Innenverteidigung. Martin Demichelis (Australien), Lucio (USA), sowie Reservist Daniel van Buyten (Kasachstan) haben halbe Weltreisen hinter sich, Hitzfeld wollte sich am Freitag "Gedanken machen", wen er aufstellt.

Schalker Devise: Nicht verstecken!

Sein Gegenüber Mirko Slomka will sich derweil ein Beispiel an der engagierten Spielweise der Hamburger nehmen. "Der HSV hat den Bayern zwei Punkte weggenommen. Das zeigt ja schon, dass man was bewegen kann."

Angsthasenfußball wie Rostock und Hannover (beide 0:3 in München) kann sich S04 nicht leisten. Eine Niederlage wäre gleichbedeutend mit einem Fehlstart in die Liga, sechs Punkte aus fünf Spielen wären definitiv zu wenig für die Schalker Ambitionen.

"Es bringt nichts, wenn wir uns dort verstecken. Wir müssen Druck aufbauen, um den Gegner zu Fehlern zu zwingen", meint der Coach.

 

Müller fordert mutiges Auftreten

Bei Teammanager Andreas Müller rennt er damit offene Türen ein. Zweimal spielten die Knappen in der Allianz-Arena, zweimal (0:3 und 0:2) gingen sie ein.

"Wir haben dort nie etwas gerissen. Wir müssen mutig auftreten, unser Spiel machen. Jetzt gilt es, auch einmal Erwartungen zu erfüllen", fordert Müller.

Hinter "Erwartungen" versteckt sich auch die halbe Liga. In Stuttgart und Bremen wird man das Spiel sehr genau beobachten und insgeheim Schalke-Fan sein.

Kuranyi: "Wir stehen unter Druck"

Bis jetzt war alles noch okay auf Schalke. Noch nicht verloren in der Liga, gut gespielt, viele Chancen rausgearbeitet. Aber eben nur sechs Punkte auf der Habenseite.

"Auch wenn Bayern der Top-Favorit ist - wir stehen in München unter Druck. Wir haben bereits vier Punkte verschenkt", gibt Kevin Kuranyi im "Kicker" zu bedenken.

Einsatz, Laufbereitschaft, Zweikampfhärte sind die Stichwörter - die von Uli Hoeneß ausgelöste Diskussion um "Artenschutz" für die Top-Stars ist dem Schalker Stürmer da ein Dorn im Auge.

"Was in München gemacht wird, ist alles bewusste Politik", sagte der 26-Jährige in der "Sport Bild". Was er damit meint: Sobald ein Spieler aufgrund Hoeneß' Aussage im Zweikampf nur kurz zurückzieht oder ein Schiedsrichter vorschnell zur Karte greift, ist das schon ein Vorteil für Bayern.

Keine Wette unter Zwillingen

Beim Zwillingsduell Hamit gegen Halil Altintop wird's wohl eher nichts auf die Socken geben. "Mama schimpft sonst", meinte Hamit in der "Sport Bild". Für die beiden gebürtigen Schalker wird es natürlich ein besonderes Duell, auch wenn der Schalker Halil nicht auf einen Schalke-Sieg wetten wollte.

"Halil hat von Anfang an blockiert, der wollte nicht wetten", berichtet Hamit, der Bayer, und hat auch eine Erklärung parat: "Ich kann ihn verstehen - wenn man auswärts gegen den FC Bayern spielt..."

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