Kommentar

Magaths Triumvirat - Zustände wie im alten Rom

Von Holger Britzius
Dienstag, 18.09.2007 | 13:40 Uhr
magath, felix, wolfsburg
© Getty
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München - Wolfsburg, im Jahre 1938 zu Produktion des Volkswagens aus dem Boden gestampft, hat auf den ersten Blick mit Rom, der 753 vor Christus gegründeten Hautpstadt des antiken Imperiums, so überhaupt nichts zu tun.

Bei genauer Betrachtung gibt es jedoch durchaus Parallelen zwischen der niedersächsischen Provinzstadt an der Aller und der Weltstadt am Tiber. Besonders seit Felix Magath "Statthalter" beim Bundesligisten VfL Wolfsburg ist.

Denn der 54-Jährige hat bei den Wölfen - der Wolf ist obendrein das Wappentier Roms - ein System installiert, das schon aus dem Jahre 60 vor Christus bekannt ist: Ein so genanntes Triumvirat.

Der einzige Unterschied zu dem historisch bedeutsamen Männerbündnis zwischen Caesar, Pompeius und Crassus ist: Magath vereinigt alle drei Personen auf sich.

Und die derzeitige Lage beim VfL Wolfsburg kann nach einem völlig missglückten Saisonstart durchaus mit den sprichwörtlichen Zuständen im alten Rom verglichen werden - es herrscht nach Investitionen von etwa 30 Millionen Euro die reine Dekadenz beim aktuell Sechzehnten der Tabelle. Und auch die handelnden Personen im Wolfsburger System - also Magath, Magath und Magath - weisen fast schon erschreckende Übereinstimmungen auf mit dem historischen Triumvirat auf.

Caesar Magath oder der Verschwender

Der unter dem Namen "Quälix" in die Bundesligageschichte eingegangene Magath möchte das Image des ewigen "Sklaventreibers" ablegen und will in Wolfsburg schönen und erfolgreichen Fußball zelebrieren. Darum musste ein vollkommener Umbruch her, und der gebürtige Hesse forderte neues Spielermaterial - 14 Spieler wurden verpflichtet.

Nun hat er eine eindrucksvolle "Legionärs-Truppe" zur Verfügung, bestehend aus jungen deutschen Talenten und vermeintlichen internationaler Stars, die er zu einer Einheit formen muss.

Taktisch und spielerisch wirkt das nach einem Sieg und vier Punkten aus fünf Partien noch eher wie eine einzige Fremdenlegion. Die Integration der Neuen braucht offenbar mehr Zeit, als Magath auch nur zu befürchten wagte, obwohl er dies weit von sicht weist und im Gegenzug mehr Zeit von Umfeld und Öffentlichkeit einfordert.

Jedoch bleibt die Frage, ob brasilianische Supertechniker wie Grafite und Josue, die bei der 1:2-Pleite gegen den KSC immerhin gute Ansätze zeigten, die passende Ergänzung zu allenfalls zweitliga-erfahrenen Nachwuchsakteuren wie Sascha Riether und Marcel Schäfer sind.

Pompeius Magath oder der Stratege

Magath kam als Heilsbringer - als geschasster aber eigentlich nicht wirklich gescheiterter Meistertrainer vom FC Bayern nach Niedersachsen.

Zwei Mal holte der Europameister von 1980 das Double ins erfolgsverwöhnte München, nachdem er bereits beim VfB Stuttgart überaus überzeugende Arbeit abgeliefert hatte. So einer kann doch nur der Richtige für eine aufstrebende graue Maus sein.

Unbestritten sind also die Qualitäten des Quälix - ob er diese allerdings in Wolfsburg so ausspielen kann wie in München, ist die große Frage: Ein erfolgreicher Trainer zu sein, bedeutet nicht gleich, auch auf dem Posten des Sportdirektors gute Arbeit leisten zu können. Schließlich ist der Trainingsplatz nicht mit dem Schreibtisch und der Durchsicht unzähliger Videos von potentiellen Neuverpflichtungen zu vergleichen, und der Verkauf des erfolgreichsten Wolfsburger Stürmers aller Zeiten, Diego Klimowicz, dürfte Magath schon jetzt auf den Magen schlagen.

Die Geschichte zeigt: Als erfolgreicher Feldherr ist man nicht unbedingt auch ein guter Politiker.

Crassus Magath oder der Reiche

Im römischen Triumvirat hatte Crassus eigentlich nur eine Aufgabe: Als reichster Mann Roms die Verschwendungssucht von Caesar zu finanzieren. Der Geschäftsführer Magath hat in Wolfsburg eine ähnliche Aufgabe: Für die beträchtlichen Investitionen des Trainers und Sportdirektors Magath aufzukommen.

Etwa 32 Millionen hat er für neue Spieler ausgegeben, für circa 13 Millionen vermeintlich altes Personal verkauft. Macht grob gerechnet um die 20 Millionen Verlust. Eine Transferbilanz, die gar dem immer potenten Hauptsponsor und Klubeigner Volkswagen bitter aufstoßen dürfte.

Doch man will hoch hinaus in Wolfsburg, Europa ist das Ziel, und so hat Magath noch alle Freiheiten. Auch als Geschäftsführer läuft sein Vertrag bis ins Jahr 2010 - vorausgesetzt natürlich die geforderten Erfolge stellen sich ein.

Noch herrscht im Umfeld des Hauses VW Ruhe, das Triumvirat Magath hat das volle Vertrauen des Volkswagen-Vorstandes, und so kann der Geschäftsführer weiter am möglichen Erfolgsmodell Wolfsburg basteln und fröhlich mit den Millionen jonglieren.

Und was ist nun die conclusio ratio des Ganzen? Das erste römische Triumvirat dauerte über zehn Jahre. Sollte Magath ebenso lange in Wolfsburg bleiben wäre sicherlich nicht nur er, Felix, der Glückliche. Das ungewöhnliche Modell hätte den gewünschten Erfolg gebracht.

Sollte das System scheitern, stünde Magath jedoch alsbald vor dem Scherbengericht von VW, und der Verein vor dem gleichnamigen -haufen. Für Magath und Wolfsburg geht es um Alles oder Nichts - wird er, Felix, der Große - oder ist der VfL dem Untergang geweiht? Die Wahrheit liegt auf dem Platz, bei Magaths "Stars in der VW-Manege".

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