Gegen das Establishment

Von Jonas Rütten
Die A-Jugend der DJK Arminia Klosterhardt spielt das erste Mal in der Vereinsgeschichte im Konzert der ganz Großen mit
© DJK Arminia Klosterhardt

Einmal Bundesliga spielen. Für die meisten Fußballer bleibt es der viel zitierte Kindheitstraum. So war das auch lange Zeit für die Teilzeit-Kicker bei der DJK Arminia Klosterhardt. Doch seit dieser Saison finden mit dem BVB, Schalke 04 und dem 1. FC Köln die ganz Großen den Weg in den kleinen Oberhausener Stadtbezirk. Die A-Jugend des Amateurvereins schaffte den Sprung in die höchste Spielklasse - und probt dort Woche für Woche den Aufstand gegen das Nachwuchs-Establishment.

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Zwei Jahre ist es her, da versuchte sich schon einmal ein Außenseiter in der höchsten Junioren-Spielklasse Deutschlands - und ging dort gnadenlos unter. Damals schaffte die kleine TSG Sprockhövel sensationell den Aufstieg in die A-Junioren Bundesliga und beendete die Saison mit gerade einmal acht Punkten aus 26 Spielen und 88 Gegentoren als abgeschlagener Tabellenletzter.

Vor der für den Verein historischen Spielzeit war sich der damalige Trainer Patrick Rohde über die Rolle, die seine Jungs spielen werden, durchaus bewusst: "Wir wissen, dass das hier eine einmalige Geschichte ist." Was sollte ein Grundschullehrer, der sieben Jahre lang für die Jugendabteilung des VfL Bochum gearbeitet hat und weiß, wo der Hase auf diesem Niveau lang läuft, auch anderes sagen.

463 Tage nach dem Abstieg der TSG und knapp 60 Kilometer in nordwestlicher Richtung ist es wieder ein Grundschullehrer im Traineramt, der mit dem Unterbau einer Amateurmannschaft das Nachwuchs-Establishment im Westen aufmischen will. Die Parallelen zwischen Sprockhövel und der DJK Klosterhardt liegen auf der Hand.

Doch der Anspruch im Unterbezirk der Stadt Oberhausen scheint ein ganz anderer zu sein: "Ich bin bestimmt nicht nach Klosterhardt gekommen, um mit meinen Jungs als Touristen die Bundesligaplätze anzugucken", stellte Robin Krüger, der die U19 des Revierklubs im Sommer übernommen hatte, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung klar.

DJK Arminia Klosterhardt: Der Golf unter den Ferraris

Dass der Aufenthalt des Amateurvereins in der Bundesliga aber weit mehr werden würde als ein Touri-Ausflug, zweifelten fast alle außerhalb der Grenzen des Oberhausener Außenbezirks an. Zu groß erscheinen mittlerweile die Unterschiede zwischen den Nachwuchsleistungszentren der Bundesligisten und den Trainingsmöglichkeiten der kleinen Vereine aus der Umgebung.

Zwar gibt es am Hans-Wagner-Weg in Klosterhardt keine Entmüdungsbecken in den Kabinen oder gar einen vollausgestatteten Fitness-Raum für die Spieler, doch die Nachwuchsförderung der DJK Arminia genoss im Ruhrgebiet schon immer einen guten Ruf. Nicht umsonst findet die Auszeichnung der Sepp-Herberger-Stiftung im Jahr 1985 für besondere Verdienste in der Jugendarbeit noch heute prominente Erwähnung in den Vereinschroniken.

Dennoch weiß Krüger um die absolut unterschiedlichen Voraussetzungen, unter denen seine Jungs es mit dem Bundesliga-Nachwuchs aufnehmen müssen, wenngleich er Klosterhardt für einen Verein im oberen Amateurbereich als sehr "gut aufgestellt" sieht. Um die dennoch ersichtlichen Unterschiede zu kompensieren, hat der 28-Jährige Übungsleiter aber eine ganz einfache Lösung parat: "Wenn man mit einem Golf gegen einen Ferrari fahren möchte, dann muss man halt die Strecke sehr gut kennen und vielleicht ab und zu auch mal ein Verkehrsschild umdrehen oder Abkürzungen kennen. Dann hat man vielleicht eine Chance."

Klosterhardts Bundesliga-Aufstieg: (K)ein Wunder

Mit Chancen wissen sie in Klosterhardt offensichtlich ganz gut umzugehen: So groß wie in der vergangenen Saison war die Gelegenheit selten, den Aufstieg in die Bundesliga zu packen. Schließlich waren die großen Namen der Umgebung schon längst dort angekommen. Dass ein Underdog in dieser Saison im Konzert der Nachwuchs-Bundesligisten mitspielen würde, ist also kein allzu großes Fußball-Wunder.

Aber dass es ausgerechnet die DJK Arminia Klosterhardt ist, damit hätten die Wenigsten gerechnet. Denn eigentlich war die Niederrheinliga für die U19 immer das höchste der Gefühle gewesen, ganz im Gegensatz zu den letztjährigen Konkurrenten Fortuna Düsseldorf, dem 1. FC Mönchengladbach oder dem KFC Uerdingen. Von Zufall wolle Krüger aber nicht reden: "Der Klub hat sich durch seine kontinuierlich gute Nachwuchsarbeit seit Jahren in der Niederrheinliga etabliert", begründet der Trainer den größten Erfolg der Vereinsgeschichte im Interview mit 11Freunde.

Tatsächlich hatte die Arminia zum richtigen Zeitpunkt zwei hochtalentierte Jahrgänge und in Trainer Marcus Behnert und seinem Co Ahmed Mohamad ein Gespann an der Seitenlinie, dass herausragende Arbeit leistete. Das bescheinigt Jugendleiter Andreas Arold dem damaligen Trainerstab noch heute. Der Aufstieg sei für den ehrenamtlichen "Allrounder" der Arminia aber dennoch ein Stück weit glückliche Fügung gewesen.

Zumindest was das Endspiel um die Niederrheinliga-Meisterschaft gegen den FC Kray angeht, liegt Arold mit seiner oft bemühten "glücklichen Fügung" nicht gänzlich daneben. Schließlich entschied ausgerechnet ein Eigentor den Aufstiegskrimi zugunsten der DJK.