Fehlende Doping-Tests in Spanien, beim DFB und der mysteriöse Fall von Bayerns Thiago

Der SPOX-Dopingreport im Fußball

Dienstag, 07.03.2017 | 11:20 Uhr
Seit März 2016 gibt es in Spanien keine Dopingtests im Fußball mehr
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Teil zwei: Das "Märchen" von Real Sociedad und seinem (Doping)-Präsidenten

Medien und Fans schwärmten damals von einem "Fußballmärchen". Wenn sie gewusst hätten, wie nah sie mit dieser Begrifflichkeit an der Wahrheit lagen...

Der Außenseiterklub Real Sociedad aus San Sebastian probte in der Saison 2002/2003 den Aufstand, führte die Primera Division ganze 22 Spieltage an. Vor dem Starensemble von Real Madrid. Erst im Schlussspurt übertrumpften die Königlichen noch das Überraschungsteam. Als Trost blieb die Qualifikation für die Königsklasse, in der Folgesaison erreichte das Team dort das Achtelfinale. Wer erinnert sich?

Das damalige Team um Spieler wie Stürmer Darko Kovacevic, den am Montag als Bundesligatrainer von Bayer Leverkusen vorgestellten Tayfun Korkut und einen gewissen Xabi Alonso wurde europaweit für den erfrischenden Offensivstil gelobt. Ihr damaliger Präsident Jose Luis Astiazaran sonnte sich derweil im Erfolg seines Vereins.

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Doch bereits seit 2008 ist eigentlich klar: Unter Astiazarans Führung wurde von mindestens 2001 bis 2005 mutmaßlich Eigenblutdoping (EPO) im Team betrieben. Die Beweislage ist erdrückend.

Zahlungen an Dopingarzt Fuentes nachgewiesen

Sociedad stand auf der Kundenliste von Eufemiano Fuentes. Carlos Arribas belegte das in der El Pais mit Dokumenten von Zahlungseingängen, die höchstwahrscheinlich der Handschrift von Fuentes zuzuordnen sind.

Noch klarer sind Aussagen eines späteren Präsidenten des baskischen Klubs. Inaki Badiola, der Real Sociedad 2008 führte, erklärte der AS, wie er während seiner Amtszeit von den langjährigen Dopingpraktiken erfuhr. Und sie beendete.

Nach einer Unternehmensprüfung im Jahr 2008 erhielt Badiola Kenntnis darüber, dass Real Sociedad und deren Klubärzte jahrelang illegale Präparate besorgt hatten. Der AS wurde ein Video von einer Präsidiumssitzung zugespielt, in dem Badiola vermerkte: "Es gibt hier 327.443 Euro, die jährlich während so und so vieler Jahre ausgegeben wurden, zugunsten von Eufemiano Fuentes. Schwarz."

Nach Aussagen Badiolas bestanden diese Kassen zwischen 2001 und 2005. In der Zeit also, in der Jose Luis Astiazaran den Klub führte. Jener Astiazaran, der die Verantwortung für den Klub 2005 mit zehn Millionen Schulden und einem Insolvenzverfahren abgab, um noch im gleichen Jahr Präsident des spanischen Ligaverbandes LFP und Vizepräsident des spanischen Fußballverbandes zu werden - und das bis 2013 zu bleiben.

"Fuentes und Sociedad-Präsident seit den 80ern Freunde"

"Fuentes und Astiazaran", das müsse man zum Verständnis wissen, erklärt Arribas gegenüber SPOX, "kannten sich bereits lange und waren befreundet." Kennengelernt habe sich das Duo in den 80er Jahren, als Astiazaran das Radsportteam Orbea als Anwalt vertrat und Fuentes das Team als Arzt betreute.

"Jedem, der die Aussagen von Badiola auf sich wirken lässt, dürfte klar sein, dass Astiazaran mit Hilfe seines Freundes von 2001 bis 2005 Doping organisiert hat", bekräftigt der El Pais-Experte. Im selben Atemzug gibt er jedoch zu bedenken: "Es gab aber nie zugelassene Beweise, die Badiolas Aussagen unterstützten. Deshalb kam es nie zu einer juristischen Verfolgung Astiazarans. Deshalb gab es für die Liga zu keinem Zeitpunkt einen legalen Grund, geschweige denn eine Motivation, Astiazaran als Präsident abzusetzen."

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Zudem hielt sich das öffentliche Ärgernis in Grenzen. Auch, als der Fall im Zuge der Fuentes-Verhandlung nochmals publik wurde.

Mutmaßlicher Dopingchef wird LIGA-Präsident

In einem Schreiben dementierte Astiazaran, "während meiner Amtszeit irgendwelche Kenntnisse oder Verdächtigungen hinsichtlich der Durchführung illegaler Praktiken durch die medizinische Abteilung" gehabt zu haben. Woraufhin Badiola ihm klipp und klar vorwarf: "Astiazaran wusste es und hat es geduldet." In jedem "normalen Land", so Badiola, würde der Ligachef "sofort seines Amtes enthoben werden".

Jose Luis Astiazaran überstand zwei Amtszeiten unbeschadet. Die Veröffentlichungen um die Causa Fuentes beschleunigten allerdings seinen Entschluss, 2013 nicht nochmal zu kandidieren. "Hinzu kam, dass der Staatsekretär für Sport seinen Freund Javier Tebas als zukünftigen Ligapräsidenten bevorzugte", so Arribas.

Ein im Profifußball von Dopingvorwürfen umwehter Anwalt leitete also die Geschicke von La Liga zwischen 2005 und 2013, war zudem Vizepräsident des spanischen Verbandes. In einer Zeit, in der sich das Spieltempo des Sports um ein Vielfaches multipliziert und der spanische Fußball seine größten Erfolge gefeiert hat.

Sociedads Erfolg fand im Übrigen noch während Astiazarans Regentschaft ein Ende. Innerhalb der vier Jahre, in denen Fuentes die Vereinsärzte, die später im Jahr 2008 entlassen wurden, mutmaßlich mit Epo unterstützte, stieg der Klub in die Zweitklassigkeit ab. Kein Spieler, weder von Sociedad noch von einem anderen Klub, wurde in dieser Zeit jemals positiv getestet.

Grund genug, das spanische Testsystem wie es vor dem Teststopp im März 2016 existierte, genauer zu beleuchten und einen Vergleich zu den deutschen Standards zu ziehen (Lesen Sie weiter auf Seite 3).

Seite 1: Warum Spanien nicht testet und warum vermittelte das UEFA-Anti-Doping-Panel nicht?

Seite 2: Das "Märchen" von Real Sociedad und ihrem (Doping)-Präsidenten

Seite 3: Spanien vs. Deutschland - so wird getestet, keine Kontrollen beim DFB-Team?

Seite 4: "Missed Test" - Tauchte Bayerns Thiago absichtlich ab?

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