Fussball

Blatter eröffnet zweiten Kongress-Tag

SID
Joseph Blatter hat den zweiten Kongresstag in Zürich eröffnet
© getty

FIFA-Präsident Joseph S. Blatter hat den zweiten Tag des 65. Kongresses des Fußball-Weltverbands eröffnet. Später am Freitag stellt sich der 79-Jährige zur Wiederwahl gegen seinen Herausforderer Prinz Ali bin Al Hussein. "Viele wichtige Aufgaben warten auf uns", sagte Blatter im Hallenstadion in Zürich: "Die müssen wir anpacken. Zeigen wir der Welt, dass wir fähig sind, unsere Organisation zu führen. Gemeinsam können wir das schaffen."

Blatter hat in seiner Eröffnungsrede zur Einigkeit des Fußballs aufgerufen und sich selbst aus der Schusslinie gebracht. "Diese Ereignisse haben einen langen Schatten auf den Kongress und den Fußball geworfen. Versuchen wir, diesen Schatten verschwinden zu lassen! Wir können nicht zulassen, dass der Ruf des Fußballs, der FIFA in den Dreck gezogen wird", sagte der Schweizer Amtsinhaber am Tag der Präsidentschaftswahl.

Erneut lehnte Blatter ab, persönliche Konsequenzen aus dem neuerlichen Skandal um die Verhaftung von FIFA-Funktionären am Mittwoch zu ziehen. "Die Schuldigen, die dahinter stehen - wenn sie denn als schuldig verurteilt werden - sind Einzelpersonen. Es ist nicht die gesamte Organisation", sagte Blatter. "Es sind Einzelne, die vergessen haben, dass sich unser Fußball auf Disziplin, Respekt und Fair Play stützt."

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Gemeinsame Verantwortung

Er räumte eine gemeinsame Verantwortung mit dem Exekutivkomitee der FIFA ein. "Und ich bin gerne dazu bereit, diese Verantwortung zu teilen und auch zu tragen. Wir sind an einem Scheideweg. Deshalb müssen wir uns zusammenschließen, nach vorne blicken und weitermachen", sagte Blatter. "Wir können nicht andauernd alle kontrollieren."

Unmittelbar nach der Eröffnung kam es zu einer Protest-Aktion im Züricher Hallenstadion. Eine Frau mit Palästina-Flagge in der Hand lief in Richtung Podium, wurde aber von Sicherheitskräften gestoppt.

Später am Freitag entscheiden die 209 FIFA-Mitglieder über einen Antrag Palästinas, den Verband aus Israel zu suspendieren. Auch vor dem Kongressort war es am Freitag zu Anti-Israel-Protesten gekommen.

Unterstützung schwindet

Die Unterstützung für Blatter für die Wiederwahl zum FIFA-Präsidenten schwindet derweil. Die Verbände der USA, Kanadas und Australiens schlugen sich angesichts des jüngsten Skandals im Fußball-Weltverband auf die Seite von Blatters Herausforderer Prinz Ali bin Al Hussein aus Jordanien. An der erneuten Wahl des Schweizers dürfte das Umdenken allerdings nichts mehr ändern.

"Der US-Verband wird für Prinz Ali stimmen", twitterte Sunil Gulati, Präsident des amerikanischen Fußballverbandes USSF, kurz vor der Wahl am Freitag. Beobachtern zufolge könnten mit diesem Schritt die Chancen der USA auf die erhoffte Ausrichtung einer weiteren WM sinken.

Auch der kanadische Verband CSA wandte sich von Blatter ab. "Wir haben uns nach einem Treffen für eine Wahl von Prinz Ali entschieden, da wir die derzeitige Führung der FIFA nicht unterstützen können", teilte CSA-Chef Victor Montagliani mit.

Alle Verbände stimmen ab

Noch überraschender kam das Umdenken aus Australien, wo sich der langjährige Blatter-Unterstützer Frank Lowy für einen Neuanfang aussprach. "Wir glauben, dass die FIFA so schnell wie möglich einen Wechsel braucht", wird der Verbands-Boss in einer offiziellen Mitteilung zitiert. Damit geht Australien in Opposition zu einem Großteil des asiatischen Kontinentalverbandes, der an Blatter festhält.

Neben der asiatischen Konföderation AFC steht vor allem der afrikanische Kontinentalverband (CAF) nahezu geschlossen hinter Blatter. Der Wiederwahl steht somit kaum etwas im Wege.

Die Stimmenzählung hat zudem ergeben, dass kein Verband die Wahl boykottieren wird. Alle 209 Mitgliedsverbände werden ihre Stimme bei der Wahl abgeben.

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Pressekonferenz verschoben

Unmittelbar nach der Wahl werden die Medienvertreter aus aller Welt keine Antworten zur tiefen FIFA-Krise bekommen. Die eigentlich geplante Pressekonferenz wurde auf Samstag verschoben. Die FIFA begründete den Schritt mit der "Länge des Tagesordnung" des Kongresses.

Stattdessen stellt sich der neue, vielleicht alte, Präsident erst am Samstag nach der außerordentlichen Sitzung des Exekutivkomitees der Presse. Im FIFA-Hauptquartier wird dann auch über die Anzahl der WM-Startplätze für die Endrunden 2018 (Russland) und 2022 (Katar) entschieden.

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