Einen Schritt voraus

Von Andreas Lehner / Christian Nier
Donnerstag, 30.04.2015 | 11:32 Uhr
Ein kleiner Einblick in die SAP Sports One
© spox
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Die Nationalmannschaft hat es bei der WM 2014 erfolgreich benutzt, auch der FC Bayern und 1899 Hoffenheim arbeiten bereits damit: SAP Sports One. Der Konzern drängt auf den Fußballmarkt und hat dafür eine neue Software entwickelt.

Einen Tag vor dem WM-Finale verschickte Oliver Bierhoff ein Bild per E-Mail. Das Bild zeigte Philipp Lahm, der im Campo Bahia vor einem Bildschirm saß. Bierhoff schrieb: "Philipp Lahm bereitet sich auf das Finale vor."

Adressiert war die Nachricht an Bernd Leukert, Mitglied des Vorstands von SAP. Denn dieses Bild von Lahm zeigte nicht nur den Kapitän bei der klassischen Spielvorbereitung, es war auch der Beweis, dass dem DFB und seinem Sponsor ein Experiment bei diesem Turnier gelungen war.

"Die Spieler sind quasi zu Analysten geworden", erzählt DFB-Scout Christofer Clemens, "sie haben selbstständig gearbeitet." Lahm studierte mit Hilfe des sogenannten "Match Insights" den Finalgegner Argentinien und Auffälligkeiten im Spiel der Südamerikaner.
Bei der erfolgreichen WM in Brasilien testete der DFB einen Prototypen dieses Tools, das SAP am Montag beim Sports & Entertainment Forum in der Münchner Allianz Arena der Öffentlichkeit präsentierte.

Suche nach dem Wettbewerbsvorteil

Neben der Nationalmannschaft arbeiten auch 1899 Hoffenheim und der FC Bayern schon mit diesem Produkt, das nun auch offiziell für alle anderen Klubs auf dem Markt verfügbar ist. Neben einer Version für die Spitzenklubs des Profigeschäfts plant SAP auch schlankere Versionen für Teams der 2. und 3. Liga sowie für Amateurklubs.

Die Fragen, die hinter dem Projekt stehen, formuliert Bierhoff so: "Wie können wir dem Gegner voraus sein und wie können wir den nächsten Schritt machen?" Die Suche nach dem Wettbewerbsvorteil im global vernetzten und durchleuchteten Fußball ist der Antrieb.

Viele Daten, ein Tool

Mit dem präsentierten Produkt SAP Sports One hat der Konzern eine Plattform entwickelt, die alle möglichen Daten in einer Benutzeroberfläche bündelt und in Echtzeit sowie cloudbasiert arbeitet. "Die Herausforderung ist die Vielzahl an Daten und Terminen, die wir koordinieren müssen", sagt Christian Fornoff, der bei 1899 Hoffenheim an der maßgeschneiderten Entwicklung des Tools beteiligt war.

Bisher bezogen Klubs Daten aus den verschiedensten Bereichen von mehr als zehn unterschiedlichen Quellen. Die Suche und die Verarbeitung dauerten dementsprechend lange - und die Aktualität nicht immer gegeben. Durch SAP Sports One werden alle Daten in einem Tool zusammengeführt, untereinander vernetzt und ständig aktualisiert. SAP arbeitet im sportlichen Bereich unter anderem auch mit Opta, dem weltgrößten Datenlieferanten und offiziellen Partner der DFL zusammen. Den Zeitgewinn sollen die Teams für die Hauptaufgabe, die Arbeit auf dem Platz, nutzen können.

Handbücher sind out

"Die Einfachheit der Lösung ist essentiell", sagt Clemens. Die Usability ähnelt der von Apps, die jeder von Smartphones oder Tablets kennt. Das kommt bei den Profis der aktuellen Generation bestens an. Noch bei der EM 2004 verteilte der DFB Handbücher an seine Spieler. "Damit kriegst du die Spieler heute nicht mehr", sagt Bierhoff. Aber rund um den Touchscreen im Campo Bahia sei es immer wieder zu interessanten und lebhaften Debatten gekommen.

"Wir wollen,​ dass die Spieler Teil des Problems werden und aktiv an Lösungen mitarbeiten", sagt Clemens. Um die Spieler aber nicht mit zu vielen Infos zu überfrachten, ist die SAP Sports One in ihrer Darstellung auf die jeweilige Person zugeschnitten. Es gibt sowohl für Spieler, Trainer, Sportdirektoren, Scouts und die Medizinabteilung Bereiche, in denen die für sie relevanten Daten schnell und einfach abzurufen sind.

Technik schießt keine Tore

Da die Spieler bei allem Interesse aber doch keine echten Analysten sind und sie sich in erster Linie auf ihre Leistung auf dem Platz konzentrieren sollen, spielt die Vernetzung eine zentrale Rolle. Die User der SAP Sports One können über eine auf ihrem Smartphone oder Tablett installierte App miteinander kommunizieren.

Ein Scout kann beispielsweise eine relevante Szene vom kommenden Gegner ermitteln und sie dann als Nachricht mit allen relevanten Daten und Bewegtbild an die von ihm ausgewählten Spieler oder Mannschaftsteile schicken.

Die Spielvorbereitung endet damit nicht mit dem Abschied vom Trainingsgelände. Nein, sie reicht sogar bis ins Spiel hinein. Manuel Neuer hat in der Halbzeit des WM-Spiels gegen Ghana sein Smartphone gezückt und sich mit Infos zu den ghanaischen Spielern versorgt.

Dass aber Daten und deren Verarbeitung nicht allein zum Erfolg führen, darin sind sich Entwickler, Verantwortliche und Sportler einig. Technik schießt keine Tore und entscheidend sind die Spieler auf dem Platz. Es gehe aber darum, ihnen im Vorfeld Verhaltensmuster aufzuzeigen, die im Spiel erfolgreich sein könnten. Die Technik ist dabei ein Hilfsmittel. Clemens sagt es so: "Wenn man auf dem Platz das Optimale will, muss man auch außerhalb optimal arbeiten."

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