Donnerstag, 05.02.2015

Nachruf auf Udo Lattek

Legende zu Lebzeiten

Mit Udo Lattek hat einer der erfolgreichsten Trainer der Bundesliga-Geschichte die Welt verlassen. Er nahm für sich nie in Anspruch, ein Erneuerer des Fußballs zu sein, sondern brachte es mit vergleichsweise einfachen, aber sehr wirkungsvollen Mitteln zu Ruhm, Ehre und Kultstatus.

Feierten gemeinsam große Erfolge: Udo Lattek (r.) und Lothar Matthäus
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Feierten gemeinsam große Erfolge: Udo Lattek (r.) und Lothar Matthäus

"Udo Lattek hat auf der Tribüne geweint." Diesen Satz schmetterte Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge im April 2009 den Spielern entgegen, nach einer der heftigsten Pleiten in der Geschichte des Vereins. Beim 0:4 in Barcelona war der FC Bayern nach allen Regeln der Kunst vorgeführt worden, angefühlt hatte es sich eher wie ein 0:8.

Rummenigge wollte den Spielern klarmachen, was sie da in 90 Minuten angerichtet hatten. Ein Verrat am ganzen Verein und seiner so erfolgreichen Historie, zu der Udo Lattek maßgeblich beigetragen hat.

In den frühen 70er Jahren hatte Lattek die Bayern zu drei Meistertiteln in Folge geführt und 1974 im legendären Duell mit Atlético Madrid den Landesmeistercup nach München geholt. Spieler wie Uli Hoeneß und Paul Breitner wurden unter Lattek zu Stars und der Trainer schaffte es, mit Franz Beckenbauer den Spieler auf seine Seite zu ziehen, der den größten Einfluss hatte im Verein.

Früher Tod des Sohnes

Als er nach fünf erfolgreichen Jahren zum großen Konkurrenten Mönchengladbach wechselte, nahm man ihm das in München übel. Doch Lattek wollte in seiner Karriere vor allem eins: bedingungslosen Erfolg.

In Gladbach sah er die Chance, einer spielerisch herausragenden Mannschaft das fehlende Puzzleteil hinzuzufügen, um Titel zu gewinnen. Er brachte die Maloche zu den Fohlen, ohne dabei die Mannschaft in ihrem Sturm und Drang zu bremsen. Die Arbeiter Uli Stielike, Rainer Bonhof und Berti Vogts wurden Führungsfiguren, Gladbach gewann unter Lattek zwei Meistertitel und den UEFA-Cup.

Der Tod seines Sohnes Dirk, der mit 15 an Leukämie starb, beeinflusste Latteks Leben auch als Fußballtrainer. Er kehrte Deutschland den Rücken und ging zum FC Barcelona. Bei Bernd Schuster und vor allem Diego Maradona stieß Lattek, dem Disziplin wichtig war, der seine Spieler aber an der langen Leine ließ, solange die Leistung stimmte, an seine Grenzen.

Er ging zurück nach München, holte abermals Titel am Fließband, musste aber auch die schmerzlichste Niederlage seiner Laufbahn als Trainer einstecken. 1987 verloren die Bayern in Wien das Landesmeistercup-Finale gegen den krassen Außenseiter FC Porto.

Danke, Udo!
Am 1. Februar 2015 verstarb Udo Lattek an den Folgen seiner Parkinson-Erkrankung. Die schönsten Bilder seiner bewegenden Karriere
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Am 1. Februar 2015 verstarb Udo Lattek an den Folgen seiner Parkinson-Erkrankung. Die schönsten Bilder seiner bewegenden Karriere
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Der Anfang: Udo Lattek (l.) begann seine Karriere als Trainer unter der Leitung von Helmut Schön (M.). Es gibt wahrlich Schlimmeres...
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Beim FC Bayern nahm er neben Manager Robert Schwan (r.) Platz. Es sollten viele weitere große Namen folgen - die Zielstrebigkeit blieb
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Beim FC Bayern nahm er neben Manager Robert Schwan (r.) Platz. Es sollten viele weitere große Namen folgen - die Zielstrebigkeit blieb
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Trotz einer erfolgreichen Zeit in München verschlug es Lattek im Anschluss nach Gladbach. Den Erfolg nahm er mit - sehr zur Freude von Berti Vogts (l.)
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Trotz einer erfolgreichen Zeit in München verschlug es Lattek im Anschluss nach Gladbach. Den Erfolg nahm er mit - sehr zur Freude von Berti Vogts (l.)
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Die Zusammenarbeit mit Günter Netzer war zwar nicht immer einfach, sorgte allerdings auf beiden Seite für viel Freude
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Die Zusammenarbeit mit Günter Netzer war zwar nicht immer einfach, sorgte allerdings auf beiden Seite für viel Freude
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Nach einem kleinen Zwischenstopp in Dortmund ging es im Anschluss zum FC Barcelona - mit dabei: Diego Maradona
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Nach einem kleinen Zwischenstopp in Dortmund ging es im Anschluss zum FC Barcelona - mit dabei: Diego Maradona
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Auch Privat war Lattek immer ein Genießer. Die Liebe für schnelle Fahrzeuge war nur ein kleiner Teil davon
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Auch Privat war Lattek immer ein Genießer. Die Liebe für schnelle Fahrzeuge war nur ein kleiner Teil davon
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Trotz der Arbeit mit Superstars wie Maradona, zog es den Erfolgscoach wieder zurück zum FC Bayern - und es wurde eine feuchtfröhliche Zeit
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Trotz der Arbeit mit Superstars wie Maradona, zog es den Erfolgscoach wieder zurück zum FC Bayern - und es wurde eine feuchtfröhliche Zeit
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Getreu dem Motto: Man kann nie genug Glück haben - Lattek ging stets lieber auf Nummer sicher
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Getreu dem Motto: Man kann nie genug Glück haben - Lattek ging stets lieber auf Nummer sicher
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Mit Erfolg: In München sammelte Lattek weiter munter Titel. Den Fans im ehrwürdigen Olympiastadion gefiel es sichtlich
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Mit Erfolg: In München sammelte Lattek weiter munter Titel. Den Fans im ehrwürdigen Olympiastadion gefiel es sichtlich
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Und das nicht nur im Stadion - auch in der Stadt ging es ordentlich rund
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Da durfte eine entsprechende Torte natürlich nicht fehlen...
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Da durfte eine entsprechende Torte natürlich nicht fehlen...
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...auch eine ausgelassene Feier war mit Lattek immer drin
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...auch eine ausgelassene Feier war mit Lattek immer drin
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Der Abschied fiel deshalb gleich doppelt schwer
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Der Abschied fiel deshalb gleich doppelt schwer
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Dennoch entschied sich Lattek, es nochmal mit dem BVB zu versuchen. Vor allem Matthias Sammer dürfte einiges gelernt haben
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Dennoch entschied sich Lattek, es nochmal mit dem BVB zu versuchen. Vor allem Matthias Sammer dürfte einiges gelernt haben
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Ein Blatt nahm Lattek nämlich nie vor den Mund. Peter Neururer (r.) steht im dabei allerdings nicht wirklich nach
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Ein Blatt nahm Lattek nämlich nie vor den Mund. Peter Neururer (r.) steht im dabei allerdings nicht wirklich nach
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Bis zum letzten Tag als Trainer lebte Lattek für seinen Job - ein wichtiges Detail
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Bis zum letzten Tag als Trainer lebte Lattek für seinen Job - ein wichtiges Detail
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Eine von vielen Ehrungen: Die ganz Großen zusammen - und Lattek gehört zweifelsohne zu ihnen
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Eine von vielen Ehrungen: Die ganz Großen zusammen - und Lattek gehört zweifelsohne zu ihnen
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Kultobjekt blauer Pulli

Danach verkündete Lattek seinen Abschied vom Trainerdasein und wechselte ins Sportdirektor-Büro des 1. FC Köln. Beim FC erlangte Lattek schnell Kultstatus - durch ein Kleidungsstück. Der banale blaue Strickpulli wurde zum Medienereignis. Lattek zog ihn als Glücksbringer an und erklärte, erst im Falle einer Niederlage des 1. FC Köln sein Outfit zu wechseln.

15 Spiele lang hielt die Serie, das gute Stück wurde anschließend zugunsten der Kinderkrebshilfe für 36.000 Mark versteigert.

In Köln erkannte Lattek die Fähigkeiten des jungen, unverbrauchten und äußerst selbstbewussten Trainers Christoph Daum und wurde dessen größter Förderer. Köln wurde in den nächsten drei Jahren einmal Dritter und zweimal Vizemeister.

Später kehrte Lattek selbst auf verschiedene Trainerbänke zurück, seine Expertise war noch lange gefragt. 2000 wurde der Titelsammler von Borussia Dortmund als Feuerwehrmann verpflichtet. Lattek holte sich Matthias Sammer an die Seite und bewahrte den BVB vor dem Abstieg. Sammer führte Dortmund zwei Jahre später zur deutschen Meisterschaft.

Kein Trendsetter - ein Arbeiter

Als Trainer war Lattek nie ein Erneuerer, revolutionäre Ideen überließ er anderen. Während Hennes Weisweiler, den Lattek in Gladbach beerbte, Johann Cruyff oder später Arrigo Sacchi den Fußball veränderten, setzte Lattek auf Bewährtes: Fleiß, Akribie, Ehrlichkeit und Bodenständigkeit.

Lattek war kein Trendsetter, er wollte Mannschaften verbessern, indem er sie dort abholte, wo sie standen und drehte dann an ein paar Schrauben.

Lattek hat mehrere Generationen begeistert, beim Jüngeren Publikum erlangte er durch seine Tätigkeit als TV-Experte Kultstatus. Seine direkte, hemdsärmelige und oft humorige Art kam an. Lattek hat sich nie verbiegen lassen, er hatte kein Mitleid mit anderen und auch nicht mit selbst.

Wenn es ungemütlich wurde, stellte er sich in den Wind. Als er einmal in einer TV-Debatte heftig mit seinem Ziehsohn Uli Hoeneß aneinandergeriet, lief er zu Hochform auf. "Man konnte mit Udo leidenschaftlich streiten. Es blieb nie etwas hängen", sagte Hoeneß einmal.

Mit dem Fußball der Gegenwart konnte Lattek nur noch bedingt etwas anfangen. Seiner Meinung nach unterwanderten zu viele "Weichspüler" das Geschäft. Im Zuge der Steueraffäre um Uli Hoeneß sagte er kurz vor seinem 80. Geburtstag: "Uli hätte von mir auf die Schnauze gekriegt."

Mit Udo Lattek hat ein echtes Original die Welt verlassen. Der Bauernsohn, der nach eigener Aussage aus dem Nichts kam und für den Fußball alles bedeutete. "Wenn im Himmel Fußball gespielt wird, dann ab sofort erfolgreich", twitterte Benedikt Höwedes. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Thomas Gaber

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Thomas Gaber(Chef vom Dienst)

Thomas Gaber, Jahrgang 1976, ist gebürtiger Münchner und Gründungsmitglied von SPOX. Nach dem Magister-Abschluss der Politikwissenschaft (2004) folgten Praktikum und Volontariat bei Sport1.de. 2007 Wechsel zu SPOX als Ressortleiter Fußball. Seit Mitte 2012 als Chef vom Dienst verantwortlich für den Inhalt der Homepage. Außerdem Reporter des FC Bayern München. Kernressorts: Fußball, Tennis, Golf.

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