"Jogi hat sich immer kaputtgelacht"

Von Interview: Jonas Schützeneder
Montag, 28.07.2014 | 14:14 Uhr
Seite an Seite: Werner Leuthard (r.) und Felix Magath beim FC Bayern München
© getty
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Wenn Felix Magath als Quälix bezeichnet wird, ist eigentlich er gemeint: Werner Leuthard arbeitet seit Jahren als Konditionstrainer in Magaths Team. Mit SPOX spricht der Niederbayer über seine Anfänge als Coach von Steffi Graf, das Image seines Cheftrainers und lustige Autofahrten mit Joachim Löw.

SPOX: Herr Leuthard, es gibt kaum Interviews mit Ihnen. Ist das gewollt?

Werner Leuthard: Es ist ganz einfach zu erklären. Ich stehe im zweiten Glied und fühle mich dort auch wohl. Ich bin kein Marktschreier. In unserem Trainerteam steht einer vorne und gibt in der Regel die Auskünfte. Damit sind wir bisher sehr gut gefahren. Natürlich mache ich für eine interessante Anfrage, die mit mir persönlich zu tun hat, auch mal eine Ausnahme.

SPOX: Mittlerweile ist es fast zwei Monate her, dass Sie beim FC Fulham den ersten Abstieg Ihres Trainerteams hinnehmen mussten. Schon verdaut?

Leuthard: Es ist nicht so leicht, sowas zu verdauen. Es war das erste Mal für uns, aber wir haben anschließend versucht, möglichst viele Schlüsse daraus zu ziehen. Jetzt wollen wir in der neuen Situation das Beste draus machen.

SPOX: Es war eine schwere Ausgangslage, gab es trotzdem kein Zögern?

Leuthard: Nein. Die Anfrage kam zu einem Zeitpunkt, als noch alles drin war. Wie üblich hat mich Felix kurz danach angerufen und gefragt, ob ich dabei bin. Da gab es kein Überlegen und da ist es völlig deplatziert, über die Ausgangslage zu jammern. Wir haben natürlich bis zum Schluss daran geglaubt, es hat dann eben nicht gereicht.

SPOX: Woran hat es dann letztlich gelegen? Auf dem Papier war die Mannschaft ja keinesfalls schlechter als andere Konkurrenten.

Leuthard: Im Abstiegskampf entscheiden am Ende immer nur Nuancen. Da sind Punktestand und Restprogramm. Dann Verletzte und Formschwankungen. Außerdem spielt die Nervenkraft eine entscheidende Rolle.

SPOX: Was kann man als Konditionstrainer im Saisonschlussspurt noch bewirken?

Leuthard: Einiges. Die Annahme ist ja weit verbreitet: Konditionseinheiten sind hart und werden nur zu Saisonbeginn absolviert. Das ist total falsch. Man kann immer Einfluss nehmen. Es geht nicht nur darum, viel und schnell zu laufen, sondern viel mehr um Bewegungsqualität. Dazu Einzeltraining für angeschlagene oder nach Verletzung nicht fitte Spieler.

SPOX: Alle möglichst fit halten und so wenige Verletzungen wie möglich erleben. Ist das Ihr übergeordnetes Ziel?

Leuthard: Ich möchte es präzisieren: Ich will mir zuerst einen Überblick in Sachen Ausdauer, Schnelligkeit und Koordination verschaffen. In Absprache mit dem Trainerteam versuche ich dann die vorgegebenen Ziele zu erreichen. Wir wollen ein ausgeglichenes hohes Niveau im Kader. Wir wollen ein Leistungsgefälle vermeiden, deshalb teilen wir auch in Einzel- und Gruppentraining auf.

SPOX: Vor seiner Zusage bei Fulham stand Magath zwischenzeitlich auch kurz vor einer Einigung mit dem HSV, bevor es etwas überraschend London wurde. Waren Sie informiert?

Leuthard: Eigentlich nicht und das ist mir auch nicht wichtig. Ich bekomme Bescheid, sobald eine Einigung besteht und dann entscheide ich, ob ich mitmache. Die ganzen Spekulationen in so einem Fall interessieren mich nie.

SPOX: Von Wolfsburg nach London... Eine große Umstellung?

Leuthard: In puncto Umfeld schon. London ist eine Weltstadt. Da leben über 100 Nationen und knapp 15 Millionen Menschen zusammen. Das finde ich faszinierend. Dafür ist die Wohnungssuche natürlich nicht ganz einfach. Man will ja halbwegs in der Nähe des Klubs wohnen. Bisher war ich noch im Hotel, aber es sieht ganz gut aus, dass ich demnächst etwas Passendes habe.

SPOX: Trotzdem ist der Lebensmittelpunkt weiter entfernt als sonst...

Leuthard: Naja, wenn ich nach London fliege und dann per Auto heimfahre, bin ich etwa so lang unterwegs wie zuletzt von Zuhause nach Gelsenkirchen oder Wolfsburg. Mit meiner Frau ist alles so abgesprochen und wir waren uns sicher, dass wir auf jeden Fall einmal ins Ausland wollen.

SPOX: Blicken wir mal auf Ihre Karriere zurück. Die begann bei der Bundeswehr. Oft heißt es: Leuthard lebt und liebt Disziplin wegen seiner Bundeswehr-Vergangenheit. Diese Sicht ist viel zu einfach, oder?

Leuthard: Natürlich und ich bin froh, dass es angesprochen wird. Ich bin ungeheuer dankbar für diese Entscheidung. Ich bin mit 18 Zuhause ausgezogen und habe dort viel Lebenserfahrung mitgenommen. Insgesamt einfach eine Persönlichkeitsentwicklung. Und zum Thema Disziplin: Überall wo Menschen zusammen ein Ziel erreichen wollen, braucht es Disziplin.

SPOX: Danach waren Sie Tennis-Trainer. Und zwar gleich bei den ganz Großen des Sports...

Leuthard: Ja ich war als Konditionstrainer unter anderem für das Fed-Cup-Team beschäftigt. Damals spielten Graf, Huber und Rittner und die Matches waren deutschlandweit ein absolutes Highlight. Gerade Steffi Graf war beeindruckend. Sie war eine Athletin und als Persönlichkeit einzigartig. Sie musste nie motiviert werden, der Wille zum Erfolg war immer da.

Seite 1: Leuthard über Bundeswehr-Zeit und Steffi Graf

Seite 2: Leuthard über Training beim FCB und Auofahrten mit Joachim Löw

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