SPOX-Serie Teil 1: Das ist Wacker München

Münchens heimliche Liebe

Von Jonas Schützeneder
Samstag, 31.05.2014 | 14:32 Uhr
Wacker München war ein Topverein. Heute ist der Klub Vorbild für Integrationsarbeit
© Wacker München
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Ein ungewöhnlicher Kreisligist: Wacker München war in den 1920er Jahren ein Spitzenteam und hat sich mittlerweile als Vorbild für Integration einen Namen gemacht. Zum 111. Jahrestag der Gründung kommt der FC Bayern in den Münchner Süden. SPOX begleitet Wacker auf dem Weg zum großen Highlight. Teil 1: Das ist Wacker München.

Wer den Präsidenten sprechen will, findet ihn in der kleinen Kammer direkt am Rasenplatz. Der sechs Quadratmeter große Abstellraum ist voll mit Trikotsätzen, eng zusammengeschobenen Holzregalen und allerhand Trainings-Material. Mittendrin sitzt Marcus Steer am Laptop. Der Vorstand des FC Wacker München, von allen nur "Präsi" genannt, wird langsam nervös.

Noch gut sechs Wochen sind es bis zum größten Tag der jüngeren Vereinsgeschichte. Zum 111. Geburtstag des Münchner Stadtvereins hat sich der FC Bayern zu einem Testspiel angemeldet. Eine gigantische Herausforderung für den derzeitigen Kreisligisten.

"Wir wollten unbedingt hier spielen, auch wenn wir im Grünwalder Stadion natürlich viel mehr Geld verdient hätten", sagt Steer. In der kleinen Bezirkssportanlage in München Sendling haben lediglich 1600 Zuschauer Platz. Macht nichts, findet der Präsi.

Abstieg aus der Kreisliga? Macht nichts!

"Hier", sagt er und deutet draußen auf den schmalen Eingangsbereich, der zum Rasenplatz führt, "wollen wir einen kleinen Fanartikelverkauf einrichten, daneben die Getränke." Der Plan steht für das große Spiel, die Umsetzung beginnt erst in den kommenden Wochen. Noch läuft nämlich die Saison und für Wacker endet sie in der Kreislige München bitter: Der Aufsteiger ist zwei Spieltage vor Schluss bereits sicher abgesteigen. Macht nichts, findet der Präsi.

Der Verein ist schon lange nicht mehr ausschließlich auf sportlichen Erfolg ausgelegt. Unter Steer hat sich der Verein in erster Linie dem Gemeinwohl und erfolgreicher Integration von Kindern mit Migrationshintergrund verschrieben. "Ich bin schon ein kleiner Weltverbesserer", gibt der selbstständige Industrieberater zu. Dazu braucht er allerdings ein funktionierendes Team. Das hat er mit den zahlreichen Ehrenamtlichen beim FC Wacker hinter sich.

Vom Bambini-Coach zum Präsi

Mit Fußball hatte er lange Zeit eigentlich nichts zu tun. Mit seinem Ziehsohn und weiteren Kleinkindern wollte er vor vier Jahren eigentlich nur regelmäßig Fußball spielen. Kurz darauf war Steer Bambini-Trainer bei Wacker. Innerhalb weniger Wochen vervielfachte sich die Zahl der angemeldeten Jung-Kicker und der Neu-Coach wurde auf der Jahresversammlung zum 3. Vorstand gewählt.

Damit nicht genug: Nur wenige Wochen nach den Wahlen traten die beiden ersten Vorstände zurück. Seitdem ist Steer der Präsi und hat den Verein ordentlich umgekrempelt. In München-Sendling ist Wacker jetzt eine zuverlässige Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund. Der Verein kümmert sich um Asylanträge, Praktika oder Probleme im Alltag. Es sind die vielen Einzelschicksale, die Wacker zu einem ungewöhnlichen Kreisligisten machen.

Spieler, die als U-Nationalspieler in ihren Herkunftsländern vor der großen Karriere standen, dann aber flüchten mussten. Oder der wohl bekannteste Team-Manager im bayerischen Amateurfußball: Rudi Dantinger. Während seiner Geburt litt er unter Sauerstoffmangel, sitzt sein ganzes Leben im Rollstuhl. Wacker ist Teil seines Lebens geworden. "Mit dem FC Wacker verbinde ich Leidenschaft, Kampf und Siegeswille", sagt der 44-Jährige.

Goldene 1920er Jahre

Die genannten Attribute haben Wacker einst zu einem ganz großen Namen im deutschen Fußball gemacht. Als FC Isaria 1903 im Münchner Stadtteil Laim gegründet stieg der Klub innerhalb weniger Jahre zu einem deutschen Spitzenteam auf. Nur 19 Jahre nach der Gründung wurde der FC Wacker in Frankfurt Süddeutscher Meister und drang ins Halbfinale der Deutschen Meisterschaft vor.

Mit Alfred Schaffer, Heinrich Altvater und Eugen Kling standen in den Goldenen Jahren des Klubs gleich mehrere europäische Nationalspieler im Kader der Münchner. Der Verein war Vorbild und Zuschauermagnet im süddeutschen Raum. In der Folge verblasste Wackers Ruhm allerdings merklich. Titel waren in der Folge weit entfernt. Dabei lief in den 1940er Jahren der spätere Meistertrainer Hennes Weisweiler, den die Wehrmacht nach München geschickt hatte, für den FCW auf.

Seite 1: Als Weisweiler für Wacker kickte

Seite 2: Wacker wartet auf Lewy und Co.

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