Spitzenfußball aus Schwaben

Aufruhr im Hinterland

Von Stefan Rommel
Donnerstag, 09.01.2014 | 17:42 Uhr
Marc Schnatterer ist einer von Heidenheims local heroes
© getty
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Drei Klubs aus Schwaben machen den Metropolregionen München, Stuttgart und Nürnberg Konkurrenz. Wo früher ein weißer Fleck auf der Landkarte war, wird heute Spitzenfußball geboten.

Vor zwanzig Jahren passte die Heidenheimer Fußball-Welt noch in zwei schwarze Leitz-Ordner. Holger Sanwald, 46, leitet die Geschicke auf dem Schlossberg seit zwei Dekaden, er hat hier alles gesehen und schon alles gemacht. Heute dreht er keine Würstchen mehr um oder zapft das Bier, den Platz streuen mittlerweile auch andere.

Als er anfing, war die Fußballabteilung ein Ein-Mann-Betrieb, eingebettet in den Heidenheimer Sportbund. Eine Sparte von vielen neben Badminton, Rollsport oder Tischtennis. Aber nicht die wichtigste. Die Fußballabteilung stand kurz vor der Aufgabe, eine horrende Nachforderung des Finanzamts - höher als der gesamte Jahresetat von 80.000 D-Mark - war der Auslöser.

Holger Sanwalds Arbeit war fast schon wieder vorbei, ehe sie so richtig begonnen hatte. Heute mag er sich kaum noch an seinen ersten Arbeitstag erinnern. Nur die beiden dicken Ordner mit Unterlagen aller Art bleiben im Gedächtnis.

Kein einziger Mitarbeiter des Klubs wurde damals bezahlt. Heute hat der Klub, der sich vor einigen Jahren vom Hauptverein ausgegliedert und in den 1. FC Heidenheim 1846 umbenannt hat, 100 Angestellte beschäftigt. Die Voith-Arena bietet 13.000 Fans Platz, der Jahresetat liegt bei rund neun Millionen Euro. Damit ist alles abgedeckt: Stadion, Spielergehälter, Jugendausbildung, Geschäftsstelle. In diesem Frühjahr wird das Nachwuchsleistungszentrum fertiggestellt sein.

Die Dinge haben sich geändert

Eine Autostunde entfernt ist man schon ein paar Schritte weiter. Der FC Augsburg erlebte seine Stunde Null im Jahr 2000. Der Zwangsabstieg in die Bayernliga markierte den Tiefpunkt in der Geschichte des Klubs. Der geplatzte Sponsorenvertrag mit Kinowelt-Chef Michael Kölmel trieb Augsburg wie einige andere Klubs an den Rand des Ruins. Das große Ziel war immer die erste Liga gewesen, die Realität hieß 1. SC Feucht.

Dass in Augsburg seit drei Jahren Bundesligafußball gespielt wird, ist für viele Experten bis heute ein kleines Wunder. Nüchtern betrachtet ist es die Eroberung des Hinterlandes. Zwischen den traditionellen Bundesliga-Ballungszentren München, Stuttgart und Nürnberg lag über Jahrzehnte ein weißer Fleck. Fußballanhänger im geographischen Dreieck der schwäbischen Alb und Donauebene reisten viele Kilometer in die großen Städte, um ihre Klubs zu sehen.

Die Vereine vor der Haustüre waren lediglich ein gemächlicher Zeitvertreib, wenn der eigene Klub mal nicht in der Bundesliga am Ball war. Vor zehn Jahren hatten die Großräume München, Stuttgart und Nürnberg noch fünf Erstligisten und zwei Zweitligisten zu bieten - dazwischen gab es nichts. Die Gemengelage hat sich seitdem ziemlich geändert.

Bald ein Erst- und zwei Zweitligisten?

Die Stuttgarter Kickers und Unterhaching spielen mittlerweile selbst "nur" noch in der 3. Liga, 1860 München ist entgegen des eigenen Selbstverständnisses ein etablierter Zweitligist. Dafür haben Klubs wie Augsburg, der VfR Aalen oder Heidenheim einige der "Traditionsklubs" überholt oder sind grad auf dem besten Weg dorthin. Wie die Emporkömmlinge von der Ostalb.

In Aalen ging der VfR vor nicht einmal vier Jahren den Umweg über die 4. Liga, jetzt sind die Schwarz-Weißen dabei, sich in der 2. Liga einzunisten. 18 der 25 Spieler im Kader besitzen einen deutschen Pass. Mit der Politik der kleinen Schritte hat sich Aalen, ein 60.000-Einwohner-Städtchen, bis in die zweithöchste deutsche Spielklasse gearbeitet.

Noch bemerkenswerter ist das, was in Heidenheim passiert. Der FCH dominiert nach etwas mehr als der Hälfte der Saison die 3. Liga, der ersehnte Aufstieg ist so greifbar wie noch nie. Im Moment ist davon auszugehen, dass es das Derby gegen Aalen - beide Orte trennen lediglich 25 Kilometer - demnächst in der höherklassigen Liga ausgetragen wird.

Knapp 300 Sponsoren aus der Region

Heidenheim hat es geschafft, die Unternehmen der Region für sich zu gewinnen - darunter die beiden Schwergewichte Voith (Maschinenbau) und Hartmann (Medizin- und Pflegeprodukte). Einen als Namensgeber des neugebauten Stadions, den anderen als Haupt- und Trikotsponsor.

Insgesamt bieten rund 300 Sponsoren, Unterstützer, Partner, Supplier und Förderer dem Klub ihre Mittel. Alle ausnahmslos aus dem süddeutschen Raum, die wichtigsten aus der Region rund um Heidenheim.

"Wir hatten eine vernünftige Idee, mussten uns die Gestaltungsmöglichkeiten zur Umsetzung aber nach und nach erarbeiten. Die ansässige Wirtschaftskraft allein hilft dir nicht, wenn du sie nicht für dich gewinnen kannst", sagt Geschäftsführer Sanwald zu SPOX. "Unser Weg musste von Beginn an ein eigenständiger sein."

"Unsere Region wird unterschätzt"

Natürlich rümpft die Konkurrenz ein wenig die Nase, die Unterstützung der Premium-Sponsoren ist von großzügiger finanzieller, aber eben auch ideeller Natur. "Nach oben geht es nicht mit dem Fahrstuhl sondern Schritt für Schritt über die Treppe" ist ein Leitsatz, den der FCH übernommen hat und sorgfältig pflegt.

Der Schwabe bleibt sich im Zweifel dann halt doch treu und setzt auf Altbewährtes und Bekanntes. "Unsere Region wird meines Erachtens immer noch unterschätzt", sagt Sanwald. "Natürlich gibt es hier keine Landeshauptstadt, wir sind auch keine Metropolregion. Aber hier gibt es eine gewachsene mittelständische Wirtschaftsstruktur mit Firmen, die weltweit tätig sind."

Festhalten an klaren Ideen

Heidenheim ist die einzige Mannschaft im deutschen Profifußball, deren Kader ausnahmslos aus Spielern mit deutschem Pass bestückt ist. Lediglich drei von 28 Spielern haben keinen direkten Bezug zu Süddeutschland. Trainer Frank Schmidt, seit sieben Jahren im Amt, wurde einen Steinwurf neben dem Stadion geboren und ist in Heidenheim unantastbar.

"Die Arbeit mit Spielern, die einen deutschen - oder im besten Fall süddeutschen - Bezug haben, bleibt ein Kernthema unseres Konzepts. Das ist der Weg, den wir gehen", sagt Sanwald.

Als es der FCH vor einigen Jahren in die Regionalliga schaffte, wurde er von der vermeintlich übermächtigen Konkurrenz kaum ernstgenommen. Als dann klar war, dass der Verein seinem Konzept auch im Profifußball treu bleiben würde, hagelte es nicht wenige bissige Kommentare.

"Andere Klubs oder Spielerberater haben mich deshalb belächelt. Aber wir wollten es selbst wissen und unbedingt ausprobieren, ob es nicht auch mit diesem alternativen Weg geht", erinnert sich Sanwald. "Und falls nicht: Dann steigen wir halt in Gottes Namen wieder ab... Dass das funktioniert hat, macht mich stolz. Mittlerweile hat sich die Wahrnehmung des 1. FC Heidenheim 1846 ziemlich verändert."

Identifikation mit dem Klub vor der Haustür

Der Zuschauerschnitt hat sich bei über 8000 pro Heimspiel eingependelt, 6000 Dauerkarten sind verkauft. Hörbar stolz sagt Sanwald: "Ich habe schon das Gefühl, dass die Samstagnachmittage dem FCH gehören: Dann geht's rauf auf den Berg, die Jungs anschauen."

Die Kinder und Jugendlichen werden mit der Identifikation für ihren "local club" groß. Wenn früher auf den Schulhöfen in Augsburg, Heidenheim oder Aalen Bayern- und VfB-Trikots das gesamte Spektrum deutscher Vereine abbildeten, mischen sich immer mehr Leibchen der ansässigen Klubs darunter.

Die großen Klubs bekommen davon kaum etwas mit, weil sich die Nachfrage und damit auch die Erlöse für Merchandisingprodukte in den letzten Jahren vervielfacht haben - die kleineren Klubs bekommen jetzt aber wenigstens auch ihren Teil vom Kuchen ab.

Fanbasis wächst weiter an

Als Walther Seinsch 2001 sein Engagement beim FC Augsburg begann und neben eigener finanzieller Mittel auch einen großen Pool an Investoren für den darbenden Klub heranschleppte, war er einer der ersten, der dieses Potenzial erkannte und damit begann, es auch zu erwecken.

Augsburg fehlten nach über zwei Jahrzehnten im Amateurfußball gleich zwei, drei Generationen an Fans. Alle abgewandert oder sozialisiert als Bayern-, Sechzig-, Nürnberg-Anhänger. Die Jugendlichen gehen jetzt aber schon eher zum FCA, das Loch in der Fanbasis wird nach und nach kleiner.

Ähnlich ist das in Aalen und Heidenheim, die fast schon die logische Folge hinter dem Flaggschiff FCA sind, das nicht erst durch seine famose Hinrunde in dieser Saison auch deutschlandweit für Aufsehen sorgt.

170 Stunden Airplay hatte der FCA in der abgelaufenen Saison auf deutschen TV-Kanälen, die vorher gelockten regionalen Geldgeber dürfen ihre Investitionen als klug eingesetzt verbuchen. Jetzt gilt es, den Schwung mitzunehmen und das große Rad weiter zu drehen.

Zwei Ligen tiefer ist der FCH der Konkurrenz auch hier schon einen Schritt voraus: Nicht in Rostock, Leipzig oder Duisburg flimmert die einzige LED-Bande der Liga, sondern in Heidenheim.

Der SC Freiburg als Vorbild

Der Aufstieg in die 2. Liga wäre "die Verwirklichung eines Traums". Aber nicht gleichbedeutend mit dem Ende aller Anstrengungen. Von der Bundesliga würde momentan in Heidenheim niemand reden - wenngleich die Blicke dorthin schon öfter gerichtet sind.

"Wenn ich ein Vorbild nennen müsste, dann wäre das der SC Freiburg", gesteht Sanwald. "Was die da angesichts der beschränkten Wirtschaftskraft im Breisgau geschaffen haben, ist unglaublich. Das imponiert mir enorm."

Es gibt noch ein paar Ziele über den Zweitligaaufstieg hinaus. Vorerst bleiben die aber noch unter Verschluss.

Heidenheim dominiert die 3. Liga

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