Fußballfans könnten bald mit Gesichtsscannern in Stadien überwacht werden
Fußballfans könnten bald mit Gesichtsscannern in Stadien überwacht werden
© Getty

Vorschlag von Innenminister Caffier

Mittwoch, 01.02.2012

Einsatz von Gesichtsscannern in Stadien?

Gesichtsscanner als Schutz gegen gewaltbereite Fußballfans: Nach einem Bericht von "Spiegel Online" will der Vorsitzende der Innenministerkonferenz Lorenz Caffier mithilfe einer Gesichtserkennungs-Software potenzielle Gewalttäter am Stadioneingang identifizieren.

So könnten "notorische Randalierer effektiv aus Stadien ferngehalten werden", ist Caffier überzeugt. Die Gesichter der Besucher könnten mit Bildern aus der Datei "Gewalttäter Sport" verglichen werden, bei Übereinstimmung würde das System Alarm schlagen. "Wir müssen über den derzeitigen Diskussionsstand hinauskommen", sagte Caffier.

Das Innenministerium Mecklenburg-Vorpommerns bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd, dass eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben worden sei, um "neben den zivilrechtlichen, gefahrenabwehrrechtlichen und datenschutzrechtlichen Grundlagen die technischen Möglichkeiten für den Einsatz der oben genannten Technik" zu prüfen.

Außerdem solle bei der Studie auch auf den internationale Erfahrungswerte zurückgegriffen werden. "Ein sich dann anschließendes Pilotprojekt soll beitragen, schnellstmöglich eigene Erfahrungen zu sammeln."

"Absolut illusorisch"

Bei Datenschützern stoßen die Pläne des mecklenburg-vorpommerschen Ministers für Inneres und Sport auf wenig Verständnis. "Die Hoffnung, mit Gesichtserkennung Sicherheit in die Fußballstadien zu bekommen, ist absolut illusorisch", sagte der Landesbeauftragte für den Datenschutz Schleswig-Holstein, Thilo Wichert, "Spiegel Online". Bei der Technologie bestehe "eine hohe Gefahr" von falschen Treffern.

Diese sieht auch Michael Noetzel, Jurist und Mitglied der "Arbeitsgemeinschaft Fananwälte", ein Zusammenschluss fußballbegeisterter Juristen. "Die Software, die es gibt, ist unheimlich fehleranfällig. Damit die Scanner ein Gesicht erkennen, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein", erklärte Noetzel im Interview mit 11Freunde.de. "Für die Praxis muss man sich fragen, was das heißt? Wird den Leuten verboten, Bärte zu tragen oder Sonnenbrillen aufzusetzen?"

Jurist sieht rechtliche Probleme

Die bisherige Erfahrung an den Eingängen des Ostseestadions, Spielstätte des Zweitligisten Hansa Rostock, zeigten, dass der Einsatz von szenekundigen Beamten, die kontrollierten, ob Personen mit einem Stadionverbot dennoch versuchen, ins Stadion zu gelangen, zu bevorzugen sei: "Die kennen ihre Pappenheimer und sind bis jetzt auch deutlich besser als jeder Gesichtsscanner", sagte Noetzel.

Zudem hat der Jurist rechtliche Bedenken, generell die Gesichter aller Besucher eines Fußballspiels am Eingang abzufilmen. "Ich denke, dass es zunächst einen unzulässigen Eingriff in grundgesetzlich geschützte Rechtsgüter der Stadionbesucher darstellt. Aus Gründen der Verhältnismäßigkeit und des Datenschutzes ist es ein großes Problem wegen 200 Personen, die sowieso bekannt sind, regelmäßig die Gesichter von 15.000 Stadionbesuchern abzuscannen."

Eine positive Reaktion gab es vonseiten der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG): "Ich halte das für eine sinnvolle Sache", sagte der Bundesvorsitzende Rainer Wendt.

50 Stadien, die man gesehen haben muss
 



Nach einem Bericht von Spiegel Online will der Vorsitzende der Innenministerkonferenz Lorenz Caffier mit einer Gesichtserkennungs-Software potenzielle Gewalttäter am Stadioneingang identifizieren.

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