Manfred Bender im Interview

"Ich bin keiner wie Lothar Matthäus"

Von Interview: Andreas Lehner
Mittwoch, 23.11.2011 | 18:13 Uhr
Manfred Bender (r.) spielte von 1989 bis 1992 für den FC Bayern München
© Getty
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Manfred Bender spielte in der Bundesliga für den FC Bayern, 1860 München und den Karlsruher SC. Als Trainer versuchte er in Österreich sein Glück. Zuletzt war Bender Co-Trainer der nigerianischen U-20-Nationalmannschaft. Der 45-Jährige im Interview über seinen Namensvetter Sven Bender, seinen Ruf als schlampiges Genie und Jupp Heynckes.

SPOX: Herr Bender, waren Sie überrascht, dass Sie in letzter Zeit wieder häufiger in den Medien auftauchen?

Manfred Bender: Wegen Sven Benders Spitznamen "Manni"?

SPOX: Ja.

Bender: Gerechnet habe ich damit nicht, aber sagen wir mal so: Es gäbe schlimmere Spitznamen für ihn. Ist ja nicht so, dass ich ein so schlechter Fußballer gewesen bin. Ich denke, er fährt mit "Manni" ganz gut.

SPOX: Obwohl er ja ein ganz anderer Spielertyp ist: defensiv, aggressiv, laufstark.

Bender: Da wäre wohl ein Weltfußballer entstanden, wenn er meine Offensivqualitäten hätte oder ich seine Defensivqualitäten. Das wäre der perfekte Fußballer geworden.

SPOX: Sie wurden von den Medien früher "Disco-Manni" genannt. Wie kam das?

Bender: Als ich in Karlsruhe gespielt habe, war ich mit meiner Frau in Baden-Baden in einem Club, nach dem Spiel wohlgemerkt. Wir hatten gewonnen, da wird man auch mal weggehen dürfen. Da hat mich ein Gast blöd angemacht. Ich bin dann nach Hause gegangen, aber offenbar hat einer bei der Presse angerufen und gesagt, der Bender hat rumgepöbelt. Drei Monate später stand im "Düsseldorfer Anzeiger", dass ich in diesem Club eine Schlägerei angefangen hätte. Als ich dann nach Saarbrücken gewechselt bin, hieß es: Der "Disco-Manni" kommt.

SPOX: Der Ruf des schlampigen Genies verfolgte Sie bis zum Ende Ihrer Karriere.

Bender: Wenn du mal in einer Schublade steckst, kommst du da nicht mehr raus. Uwe Bein war immer der Mann mit dem tödlichen Pass. Der hat zehn Spiele schlecht spielen können, sobald er ein Tor vorbereitet hat, hieß es wieder: Uwe Bein, der Mann mit dem tödlichen Pass. Der Uli Stein, wenn mal einen Aussetzer hatte, hieß es: Der war schon immer der Suppenkasper.

SPOX: Bleibt die Frage: Wie kamen Sie in die Schublade?

Bender: Viele haben gemeint, dass ich mein Potential nie ausgeschöpft habe und eigentlich 40, 50 Länderspiele haben müsste.

SPOX: Sehen Sie das selbst auch so?

Bender: Wenn man in 100 Bundesligaspielen für den KSC als Mittelfeldspieler knapp 30 Tore schießt, im DFB-Pokalfinale und im UEFA-Halbfinale steht und trotzdem nicht Nationalspieler wird - was soll man da machen? Die Nationalmannschaft war zu meiner Zeit zementiert. Deutschland war zu dieser Zeit auch noch im Hoch, wir sind 1990 Weltmeister und 1996 Europameister geworden. Wenn ich fünf Jahre später geboren worden wäre, wäre ich vielleicht zigfacher Nationalspieler. Aber das ist halt einfach so und stört mich auch nicht.

SPOX: Ihre Karriere lief alles andere als perfekt, sie sind 1989 erst mit 23 Jahren Profi beim FC Bayern geworden.

Bender: Damals brauchte man noch Glück, entdeckt zu werden. Bei mir war es so, dass ich mit Unterhaching gegen die Bayern Amateure gespielt habe und Jupp Heynckes und Egon Cordes zugeschaut haben. Wenn ich schlecht gespielt hätte, hätten sie wahrscheinlich gesagt: Den holen wir nicht. Ich habe zwei Tore geschossen.

SPOX: Gut, dass Scouting heutzutage nicht mehr so funktioniert.

Bender: Sicherlich. Heute werden die Spieler viel intensiver und früher beobachtet und auch besser ausgebildet. So fallen weniger gute Spieler durch den Rost. Früher war es wirklich so, dass wenn du an dem Tag schlecht gespielt hast, nicht verpflichtet wurdest. Dafür wurde der geholt, der in dem Spiel gut war.

SPOX: Schaut man da etwas wehmütig auf das heutige Scouting- und Ausbildungssystem?

Bender: Ich bin keiner der zurückschaut und sagt, hätte ich das so und das so gemacht. Ich hatte durch den Profi-Fußball ein sehr schönes Leben und sehr viel Spaß.

SPOX: Heynckes ist jetzt nach 20 Jahren wieder Trainer beim FC Bayern. Wie bewerten Sie die Rückholaktion?

Bender: Er hat in Leverkusen sehr gute Arbeit geleistet. Es ist ja nicht alltäglich, dass Bayer um die Meisterschaft mitspielt. Er hat die Erfahrung und die Qualität, um bei Bayern einen guten Job zu machen. Außerdem weiß man ja, dass Heynckes und Uli Hoeneß sehr gute Freunde sind.

SPOX: Was war Heynckes zu Ihrer Zeit für ein Typ?

Bender: Damals hat man sich mit Jupp Heynckes nur über Fußball unterhalten können. Für ihn gab es nur Fußball, Fußball, Fußball und noch mal Fußball. Der hat mich nie nach meiner privaten Situation gefragt, ob alles in Ordnung ist. Aber wenn ich eine Minute zu spät gekommen bin, hat er gesagt: 'Junge, du hast keine Einstellung zum Fußball.' Aber man hört ja, dass er in den letzten Jahren ein lockerer Typ geworden ist.

SPOX: Sie sind selbst auch Fußballlehrer und arbeiteten zuletzt als Co-Trainer der U-20-Nationalmannschaft Nigerias. Wie kam es dazu?

Bender: Ein Bekannter von mir hat den Kontakt hergestellt. Der Verband wollte mich vor zwei Jahren schon zur U-17-WM als Berater und Trainer, aber da hatte ich keine Zeit. Jetzt war ich frei und bin dort für die typisch deutschen Tugenden zuständig: Fitness, Taktik, Organisation. Im Mai sind wir in Südafrika Afrikameister geworden und haben uns für die U-20-WM in Kolumbien qualifiziert.

SPOX: Dort waren sie aber dann nicht mehr dabei. Warum?

Bender: Ich war im Trainingslager in Portugal noch dabei, aber vor der Abreise nach Kolumbien hat man mir mitgeteilt, dass der Präsident dem Verband den Geldhahn zugedreht habe und ich nicht mehr gebraucht werde. Mit so was muss man in Afrika aber immer rechnen.

SPOX: Sind Sie von Ihren ehemaligen Vereinen schon kontaktiert worden, ob da nicht der eine oder andere Spieler dabei wäre?

Bender: Ich glaube, das hat sich noch gar nicht rumgesprochen, dass ich das mache. Ich bin keiner wie Lothar Matthäus, der einen Rundruf startet, wenn er irgendwo einen Job angenommen hat und mitteilt, auf welchem Flughafen er gleich landet.

SPOX: Öffentlichkeitswirksam war zuletzt Ihr Engagement bei der österreichischen Castingshow "Austrias New Footballstar".

Bender: Ich war in der österreichischen Bundesliga bei Altach Trainer und habe viele Kontakte. Bei einem Sportbusiness-Kongress zur EM 2008 habe ich einen Freund kennengelernt und am Abend sind wir zusammengesessen und haben ein bisschen philosophiert. Drei Monate später hat er mich angerufen und mir sein Konzept präsentiert. Das läuft jetzt seit zwei Jahren und wir haben schon den einen oder anderen Spieler im Profibereich untergebracht. Aktuell arbeiten wir daran, dass das Format nach Deutschland kommt.

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