Das VDV-Camp 2011 für arbeitslose Fußballprofis

Existenzkampf im Schullandheim

Von Philipp Pander
Freitag, 16.09.2011 | 12:00 Uhr
Roland Benschneider ist auf der Suche nach einem neuen Verein und hält sich im VDV-Camp fit
© VDV
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Nicht alle Fußballprofis stehen auf der Sonnenseite. Die Vereinigung der Vertragsfußballer organisiert jeden Sommer für arbeitslose Berufsfußballer das VDV-Camp. Hier halten sich vertragslose Spieler fit für eine berufliche Perspektive. SPOX hat mit einem einst vielversprechenden Spieler gesprochen, der um eine zweite Chance kämpft.

Wer an das Leben von Fußballprofis denkt, hat ausverkaufte Stadien, Autogrammjäger, dicke Gehaltsschecks, Traum-Villen und teure Sportwägen vor Augen. Dass diese Assoziation nur bedingt zutrifft, zeigt das VDV-Camp.

Jeden Sommer kümmert sich die Vereinigung der Vertragsfußballer zwischen Juli und September in der Sportschule Wedau in Duisburg um die Spieler, die aufgrund von Verletzungen, ausgelaufenen Verträgen oder strukturellen Veränderungen in ihren Vereinen zum Opfer fielen.

Perspektivteam 2006 - jetzt arbeitslos

Nun kämpfen sie um ihre berufliche Perspektive. Einer von ihnen ist Roland Benschneider. Er spielte Bundesliga für den 1. FC Köln und stand mit Spielern wie Simon Rolfes und Mario Gomez im Kader des Perspektivteams 2006 des DFB.

Es folgten eine schwere Knieverletzung und sportliche Tiefs. Nach vier Jahren beim FC Augsburg dirigierte er aber noch in der vergangenen Saison als Führungsspieler die Abwehr des Drittligisten SV Sandhausen.

Sein Vertrag wurde jedoch nicht verlängert und somit ist Benschneider arbeitslos. Der 31-Jährige musste nicht lange nachdenken, um das Anmeldeformular für das VDV-Camp auszufüllen.

"Für mich war es überhaupt kein Problem mich anzumelden, ich war schließlich 2006 schon einmal in dem Camp. Da bin ich kein Ego. Es gibt trotzdem viele Spieler, die nicht über ihren Schatten springen können", erklärt der Innenverteidiger imk Gespräch mit SPOX.

Er fügt an: "Der Sinn des Camps ist es, dass man sich fit halten und sich unter relativ professionellen Bedingungen mit mehreren Spielern zusammen eine Art Trainingslager gestalten kann."

Nicht jeder wird genommen

Dabei ist es keine Selbstverständlichkeit am Camp teilnehmen zu dürfen. Etwa 100 arbeitslose Fußballprofis gibt es momentan in Deutschland. Mehr als 60 hatten sich Anfang des Sommers für das achte Camp beworben, über die Hälfte erhielt aus Kapazitätsgründen Absagen.

VDV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky und sein Organisationsteam müssen Jahr für Jahr die Bewerber selektieren: "Die Härtefälle werden besonders berücksichtigt. Es kommt oft vor, dass junge Spieler abgerutscht sind. Oft ist es dann unsere Aufgabe, den Spielern statt der Profi-Karriere einen Schulabschluss vorzuschlagen", sagte Baranowski zu SPOX.

Wie hoch der Anspruch des Camps ist, zeigen nicht nur die Namen von Teilnehmern wie Nico Frommer, Moses Sichone oder Thomas Kläsener, sondern auch die Qualität der Trainer. Den Anfang machte Wolfgang Wolf 2003, im Jahr darauf übernahm Thomas Gerstner die Aufgabe.

So wurde das VDV-Camp auch für die Trainer zum Sprungbrett. Momentan nimmt Christian Wück mit seinem sechsköpfigen Trainerteam, bestehend aus ehemaligen Profis wie Steffen Baumgart und Markus Schroth, die 26 Teilnehmer unter seine Fittiche.

"Mein Hauptaugenmerk war, wieder in dieses Geschäft reinzukommen, mich weiterzubilden", erklärt der 38-Jährige, der zuvor bei Rot Weiss Ahlen und Holstein Kiel tätig war. "Außerdem wollte ich mehr über die Spieler erfahren und lernen, sie besser einschätzen zu können", so Wück.

Wück: "Spieler nicht auf einem Leistungsniveau"

Trainiert wird wie bei den Profiteams in der Regel zweimal täglich. Für Wück sind die Einheiten aber im Vergleich schwerer zu koordinieren: "Es ist anders, als eine Vereinstätigkeit. Die Spieler sind nicht auf einem Leistungsniveau. Da muss ein Kompromiss eingegangen werden."

In Testspielen gegen Profiteams wie Greuther Fürth sammeln die Teilnehmer nicht nur Spielpraxis. Es geht vor allem darum, die Scouts zu überzeugen, die am Spielfeldrand nach Schnäppchen spähen. Kürzlich gelang dies Torwart Sven Neuhaus, der jetzt beim Hamburger SV unter Vertrag steht.

Neid gibt es unter den Spielern dabei nicht. "Man spricht sich gegenseitig Mut zu. Es ist ja nicht so, dass es einen Konkurrenzkampf gibt, den man normalerweise in einem Profiklub hat. Da freut sich Jeder für den Anderen, wenn er zu einem Probetraining eingeladen wird oder ein Vertrag in Aussicht ist", sagt Benschneider.

Medientraining und psychologische Betreuung

Der Zwei-Meter-Schrank aus Neuruppin wartet noch auf den erlösenden Anruf eines Interessenten. Zugute kommt ihm dabei, dass vereinslose Spieler auch über die am 31. August abgelaufene Transferfrist hinaus bei einem Verein unterkommen können.

Doch für den Fall, dass das Handy stumm bleibt, versucht sich Benschneider Alternativen zu schaffen. Er hat sich mit einem Karriere-Berater unterhalten, der sich bei der VDV um die arbeitslosen Profis kümmert. "Da geht es auch um Themen außerhalb des Fußballs - wie man sich ein zweites Standbein aufbauen kann, zu einer zusätzlichen Qualifikation kommt oder wie es mit Universitäten aussieht", so Benschneider.

Den Camp-Fußballer werden nämlich nicht nur auf dem Fußballplatz und im Kraftraum auf Trapp gehalten, ihnen wird ein breites Angebot an Fortbildungen und Seminaren zur Auswahl gestellt.

Vom Medientraining mit inszenierten Interviews bis zur psychologischen Betreuung können die Kicker aus einem ausgedehnten Programm schöpfen. "Wir zeigen den Spielern Zukunftswege auf und lassen dazu Leute referieren. Das Camp wurde von Jahr zu Jahr mehr professionalisiert", sagt Baranowsky.

Das zeigt auch die Ausstattung. So verfügt man mittlerweile über eine eigene medizinische Abteilung, einen Zeugwart, Sprintmessanlagen und ein System zur Datenanalyse. In einem Intranet können sich die Spieler ein Bewerbungsprofil für etwaige Interessenten ein Bewerbungsprofil anlegen.

Prinzip der gelebten Solidarität

Mit der Ausstattung wuchsen auch die Kosten des Camps. Rund 100.000 Euro fallen alljährlich an. Finanziert werden die Ausgaben neben Marketing- und Sponsoreneinnahmen vor allem über Mitgliedsbeiträge. "Es ist das Prinzip der gelebten Solidarität", sagt Baranowsky mit bestimmtem Ton.

Die Unterbringung ist dennoch spartanisch, erklärt der VDV-Geschäftsführer: "Die Spieler wohnen in Doppelzimmern in der Sportschule und das ist natürlich kein Fünf-Sterne-Hotel. Das wäre den Spendern gegenüber auch unangemessen."

Philip Albrecht: Hilfe für die Helfenden

Benschneider kommt mit den Gegebenheiten gut zurecht: "Es hat ein bisschen was von einem Schullandheim. Es ist alles sehr einfach strukturiert, nicht besonders luxuriös, was wir aber auch nicht brauchen." Hoffnung, dass es doch noch etwas mit einem neuen Vertrag wird, geben Benschneider und seinen Leidgenossen Beispiele aus der Vergangenheit.

Von Buckley bis Wessels

Delron Buckley war im vergangenen Jahr Camp-Teilnehmer und spielt mittlerweile beim Karlsruher SC. Thorsten Judt wurde 2008 von Rot-Weiß Erfurt aus dem Camp geholt, um am nächsten Tag im DFB-Pokal gegen den FC Bayern aufzulaufen.

Und Torwart Stefan Wessels, der sich 2009 in der Sportschule Wedau fit hielt, spielt in dieser Saison mit Odense BK in der Europa League.

Meist müssen die Profis aber einen sportlichen Rückschritt in Kauf nehmen und mindestens eine Liga tiefer als zuvor spielen. Nach VDV-Angaben fanden in der Vergangenheit durchschnittlich rund 80 Prozent der Teilnehmer einen neuen Verein.

Baranowsky stellt aber klar: "Wir sprechen die Klubs nicht aktiv an und wollen keine Provisionen über die Vermittlung einstreichen. Das entspricht nicht unserer Philosophie."

Am 23. September endet das Camp. Von da an sind die Teilnehmer wieder auf sich alleine gestellt. Benschneider setzt weiterhin auf die Karte Fußball und macht sich Mut: "Es ist ja mein Beruf, den ich nicht erst seit gestern mache. Man muss an sich selbst glauben, weil die anderen derzeit eben nicht an dich glauben."

Roland Benschneider im Steckbrief

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