"Wir brauchen noch einen Micoud"

Von Marcus Giebel
Montag, 14.12.2009 | 19:50 Uhr
Am 2. Dezember präsentiert KFC-Präsident Agissilaos "Lakis" Kourkoudialos Neuzugang Ailton
© Imago
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Kaufrausch in der 6. Liga - Der KFC Uerdingen bläst zum Großangriff. Dank seines finanzstarken Präsidenten Agissilaos "Lakis" Kourkoudialos. Mit der Verpflichtung des früheren Bundesliga-Torschützenkönigs Ailton haben die Krefelder ein erstes Ausrufezeichen gesetzt - weitere sollen folgen. Doch was auf den ersten Blick nach blindem Aktionismus aussehen mag, ist ein System mit klaren Vorstellungen. Lakis verfolgt einen detaillierten Zeitplan.

Die Homepage des KFC Uerdingen erfüllt Präsident Agissilaos Kourkoudialos derzeit mit Stolz. Denn wenn der von allen nur Lakis genannte Inhaber des gleichnamigen Immobilienentwicklers aus Neuss den Pressespiegel aufruft, stechen ihm sofort Artikel in türkischer, portugiesischer, französischer oder englischer Sprache ins Auge.

Der Klub aus Krefeld ist im Dezember 2009 in aller Munde. Und mit ihm die ganze Niederrheinliga. Ein Verdienst von Lakis, der den Verein im vergangenen Jahr mit einem Darlehen vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt hat und nun kräftig in die Rückkehr in den bezahlten Fußball investiert.

"Ich habe mich in den KFC verliebt und konnte einfach nicht mitansehen, wie solch ein Verein untergeht", sagt der in Dinslaken geborene Grieche, der den früheren Bundesligisten als "mein Baby" bezeichnet. Folglich schafft der 43-Jährige schnell professionelle Strukturen - und rüstet nun die Mannschaft kräftig auf.

Drei Neue sollen noch kommen

Das vor zwei Wochen perfekt gemachte Ailton-Engagement für 18 Monate kostet allein satte 300.000 Euro. Dennoch soll es nur ein kleiner Vorgeschmack sein. "Wir suchen noch einen Abwehrspieler, einen Zehner im Mittelfeld und einen zweiten Angreifer", verrät Marketingleiter Joachim Seufert im Gespräch mit SPOX.

Der Mann für die Defensive soll Boris Zivkovic, früherer Profi bei Bayer Leverkusen und dem VfB Stuttgart, sein. Und der ehemalige kroatische Nationalspieler ist alles andere als abgeneigt. "Ich kenne Herrn Lakis sehr gut. Wenn ich helfen kann, würde ich das gern machen", so der seit Sommer vereinslose 34-Jährige zu SPOX. Eine Entscheidung soll noch in diesem Jahr fallen.

Was macht eigentlich Joe Micoud?

Ob es auf den anderen Positionen ähnlich schnell geht, bleibt abzuwarten. Der für den Sturm ins Gespräch gebrachte Oliver Neuville will sich nach eigenem Bekunden die 6. Liga nicht antun.

Auch der Name Dietmar Hamann kursiert rund um die Grotenburg - konkret ist allerdings noch nichts. Dagegen steht nach Bastian Pinske mit Benjamin Baltes ein weiterer ehemaliger Zweitliga-Spieler vor der Unterschrift.

Und wer soll Ailton und seinen neuen Sturmpartner mit Vorlagen füttern? "Wir brauchen noch einen Micoud", sagt Lakis. Und Geschäftsstellenleiter Lutz Spendig, selbst früher bei Werder Bremen tätig, springt bei SPOX auf den Zug auf: "Ailtons kongenialer Partner aus Bremer Zeiten kümmert sich ja leider um seinen Weinanbau in Frankreich."

Realistischer sind da schon andere Optionen. "Wir haben zwei Deutsche und einen Türken im Blick, die in jungen Jahren schon mal in der Bundesliga aktiv waren. Das sind Namen, bei denen man sagt: 'Wow, dass die in die 6. Liga gehen'", so Spendig.

Drei Aufstiege in fünf Jahren

Oder wie es Lakis ausdrückt: "Wir werden so was von nachrüsten, dass einigen Leuten Hören und Sehen vergeht." Denn in fünf Jahren soll der KFC, der in dem noch jungen Jahrtausend schon dreimal vor der Insolvenz stand, zurück sein im bezahlten Fußball. 2015 in Liga 3 - so lautet das Motto.

"Das Fundament steht, von den Rahmenbedingungen sind wir fast Zweitligareif", erläutert Lakis. In den vergangenen Wochen wurden zahlreiche neue Stellen geschaffen - der Mitte November eingestellte Seufert arbeitet mittlerweile gemeinsam mit einer Assistentin, zwei Praktikanten sowie KFC-Torwart Ronny Kockel als Auszubildendem im administrativen Bereich.

Spendig stieß schon zu Saisonbeginn zum Verein. Sehr schnell wurde ihm klar, "dass unser Kader für den Aufstieg nicht gut genug ist". Doch genau das war von Anfang an das erklärte Ziel: "Bei jedem im Verein muss der Anspruch sein, nach oben zu wollen. Hier zählen nur die drei Punkte."

Auch Hopp Jr. ist KFC-Fan

Das sehen auch die KFC-Fans so - und die, die es werden wollen. Denn, so berichten alle Vereins-Verantwortlichen unisono, die Nachfrage nach Fan-Artikeln hat seit der Ailton-Verpflichtung neue Dimensionen erreicht.

Bestellungen aus der gesamten Bundesrepublik seien aufgenommen worden. "Sogar Daniel Hopp, der Sohn von Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp, hat ein Trikot bestellt", freut sich Seufert.

Ihm kommen wie seinen Kollegen angesichts der jüngsten Verkaufszahlen Worte wie "grandios", "gigantisch" oder "Super-Geschichte" über die Lippen. "Die Fans rennen uns die Bude ein. Sie haben das Gefühl einer Deutschen Meisterschaft", unterstreicht Spendig.

Ailton-Debüt gegen 1. FC Wülfrath

Bis dahin ist es noch ein sehr weiter Weg. Doch mit Ailtons Debüt im KFC-Trikot wird beim ersten Heimspiel im Jahr 2010 zumindest ein Hauch des Double-Siegers von 2004 durch die Grotenburg wehen. Der Partie am 10. Februar gegen den 1. FC Wülfrath fiebern Fans und Verantwortliche seit dem 2. Dezember mehr entgegen als jedem anderen Saisonspiel.

"Wenn Ailton aufläuft, wollen wir bei den Zuschauerzahlen vorne eine fünf stehen haben", nennt Spendig ein für die 6. Liga hochgestecktes Ziel. Das Heimspiel gegen Schlusslicht 1. FC Union Solingen (3:1) wenige Tage nach der Vertragsunterschrift - Ailton verfolgte die Partie von der Tribüne aus - wollten immerhin schon 1833 Menschen sehen.

Sponsoren und Nachwuchs stehen Schlange

Und der Deal mit der Frohnatur hat weitere positive Aspekte mit sich gebracht. Spendig: "Viele Sponsoren wollen einsteigen, weil sie die Konstellation verrückt finden." Zudem hätten die Anmeldungen im Nachwuchsbereich enorm angezogen.

Der Kugelblitz hat sich damit schon vor seinem ersten Einsatz für die Blau-Roten so gut wie rentiert. Also alles bereitet für eine rosige Zukunft beim DFB-Pokalsieger von 1985?

Seufert schaut gar über den Tellerrand hinaus: "Es freut mich, dass wir auch etwas für das Stadtmarketing machen konnten." Denn mit dem KFC war in den vergangenen Wochen auch die 230.000-Einwohner-Stadt Krefeld wieder in den nationalen wie internationalen Schlagzeilen.

"König von Krefeld", aber kein "Retter"

Da verwundert es nicht, wenn Spendig Initiator Lakis als "König von Krefeld" bezeichnet. Der hört trotz seiner immensen Investitionen Bezeichnungen wie "Retter" gar nicht gern, stellt bei der Vorstellung des neuen Torjägers aber trocken fest: "Ailton ist von einem Kaliber, das es in der 6. Liga in 100 Jahren nicht geben wird."

Auf einen ersten Vorgeschmack dürfen sich alle Interessierten laut Seufert schon im Januar in Ostfriesland freuen: "Unser Online-Team wird mit ins Trainingslager nach Norderney fliegen. Dort werden wir einen Fan-Chat mit Ailton anbieten." Der wird in deutsch abgehalten, Übersetzungen ins Kubanische oder Katarische sind noch nicht geplant.

Der KFC Uerdingen im Steckbrief

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