DFB-Referee soll in Wettskandal verwickelt sein

SID
Samstag, 21.11.2009 | 19:45 Uhr
Ex-DFB-Schiri Robert Hoyzer löste vor fünf Jahren einen riesigen Wettskandal aus
© Getty
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Laut Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" soll erneut auch ein Schiedsrichter des DFB in den größten Wettskandal der europäischen Fußballgeschichte verwickelt sein. Zudem gerät ein bosnischer Klub in den Fokus.

In den größten Wettskandal der europäischen Fußballgeschichte ist nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" erneut auch ein Schiedsrichter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verwickelt.

Der Referee soll bei einem Spiel der Regionalliga Süd im Mai Schmiergeld von den mutmaßlichen Wettbetrügern kassiert haben.

Außerdem soll laut "Spiegel" der ehemalige Bundesligist und jetzige Süd-Regionalligist SSV Ulm stärker als bislang bekannt in den Wettskandal verstrickt sein. So sollen vier Regionalligaspiele des SSV aus der Endphase der vergangenen Saison unter Manipulationsverdacht stehen.

Deutschland im Zentrum

Deutschland steht seit Freitag im Zentrum des größten Wettskandals in der Geschichte des europäischen Fußballs. Die Bestechungsaffäre weitet sich bereits einen Tag nach den brisanten Veröffentlichungen der Staatsanwaltschaft Bochum immer mehr aus.

Nachdem am Freitag in Medienberichten ein aktueller und zwei ehemalige Spieler des Drittligisten VfL Osnabrück in Verbindung mit dem Betrugsskandal gebracht worden waren, soll laut "Spiegel" online knapp fünf Jahre nach dem Fall Robert Hoyzer wieder ein Unparteiischer des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in die Manipulationen verwickelt sein. Der Name des unter Tatverdacht stehenden Schiedsrichters ist aber noch nicht bekannt.

Zwanziger: "Werden bestrafen"

Auch der DFB hat offenbar noch keine Informationen erhalten, um wen es sich handelt.

"Die Informationen zu dem Schiedsrichter kann ich nicht bewerten. Aber sollte sich das als wahr herausstellen, dann haben die Leute bei uns nichts mehr zu suchen. Wir werden sie dann auch bestrafen. Jeder, der an den Manipulationen beteiligt ist, ist einer zu viel. Da Schiedsrichter zur Objektivität verpflichtet sind, wäre eine Beteiligung besonders verwerflich", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger am Samstag auf dem Deutschen Turntag in Koblenz.

Der Verbands-Chef appellierte im Interview in der "ARD-Sportschau" an die ermittelnden Behörden in Bochum, "so schnell wie möglich Ross und Reiter zu nennen. Denn das ist auch wichtig für die, die nicht betroffen sind". Man müsse verhindern, dass Unschuldige verdächtigt werden.

Nur Spitze des Eisbergs?

Wegen der laufenden Ermittlungen hat die Bochumer Staatsanwaltschaft bislang keine Namen von beteiligten Spielern oder Schiedsrichtern bekannt gegeben. Bislang stehen alleine im Jahr 2009 in Deutschland 32 Spiele von der 2. Bundesliga abwärts unter Manipulationsverdacht. Nach Angaben der leitenden Staatsanwaltschaft Bochum ist das aber erst die "Spitze des Eisbergs".

Dass nicht der DFB, sondern die Europäische Fußball-Union (UEFA) von der Staatsanwaltschaft Bochum bei den Ermittlungen ins Vertrauen gezogen wurde, sei nicht überraschend gekommen. Zwanziger: "Die Dimension des Wettskandals ist vor allem international zu sehen. Es sind einige europäische Spitzenligen und Spiele in der Champions League sowie der Europa League betroffen."

Er gehe davon aus, dass der DFB in einem angemessenen Zeitraum informiert wird, um die deutschen Fälle zu bewerten.

Kein Kavaliersdelikt

"Sobald wir Beweise haben, wird das DFB-Sportgericht schon vor den rechtmäßigen Urteilen Maßnahmen treffen", kündigte Zwanziger ein rigores Vorgehen gegen die Sportbetrüger an: "Der Fußball ist keine heile Welt. Wir haben es mit Kriminellen zu tun, die gibt es überall, nicht nur im Sport. Das ist auch kein Kavaliersdelikt. Das ist Schmarotzertum an der Gesellschaft."

Europaweit stehen in insgesamt neun Ländern 200 Spiele unter Manipulationsverdacht. In Deutschland sind in den vergangenen beiden Tagen der SSV Ulm und der VfL Osnabrück in die Schlagzeilen geraten.

Groß ist die Aufregung in Osnabrück. Die beiden Auswärtsspiele der Niedersachsen beim FC Augsburg (0:3) am 17. April 2009 und beim 1. FC Nürnberg (0:2) am 13. Mai sollen manipuliert worden sein.

Osnabrück plant rechtliche Schritte

"Ich betone: Wenn da etwas dran ist, dann bezieht sich das alles auf die letzte Saison und die Mannschaft der Vorsaison! Eines kann ich sagen: Wenn tatsächlich Spiele zu unseren Ungunsten manipuliert worden sind, werden wir mit allen rechtlichen Mitteln gegen die Verursacher vorgehen", sagte VfL-Präsident Dirk Rasch.

Rasch bestätigte allerdings auch, dass der niedersächsische Traditionsklub in der letzten Saison einem Spieler geholfen hat, der Wettschulden hatte. "Das stimmt", sagte Rasch im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Dieser Spieler stand unter enormen Druck und hat sich uns im März mit seiner Spielsucht geöffnet. Sein Signal war "Helft mir!", und wir haben geholfen."

Hilfe der EU benötigt

Zwanziger rief am Samstag die Europäische Union (EU) zur Hilfe. "Bestimmte Sportwetten sind gefährlich für den Fußball. Sie werden im Internet über Asien und den Balkan platziert, wo es keine klaren Auflagen gibt. Die Gefahr für den Fußball wird dann besonders groß, wenn Spitzenwettbewerbe wie die Champions League oder die Europa League betroffen sind. Das macht die Faszination des Fußballs kaputt. Da brauchen wir Hilfe von der EU", sagte Zwanziger.

Zumindest sind in Deutschland bislang keine Spiele der 1. Bundesliga betroffen. In sechs europäischen Ländern wurde offenbar auch im Oberhaus manipuliert. Zudem sollen zwölf Partien der Europa League sowie drei Champions-League-Spiele verschoben worden sein.

15 Menschen wurden bislang in Deutschland festgenommen, zwei in der Schweiz. Mehr als zehn Millionen Euro erschwindelten die Gauner mit abgesprochenen Wetten. Im Zentrum des Skandals steht wie schon im Fall Hoyzer das Cafe King in Berlin. Hoyzer-Drahtzieher Ante S. gehört nach Spiegel-Angaben wie fünf weitere Hauptbeschuldigte zur "Führungsebene" der Wett-Mafia.

NK Travnik soll Spiel "verkauft" haben

Der bosnische Klub NK Travnik soll ein Testspiel gegen den Schweizer Super-League-Verein FC Sion manipuliert haben. Dies erklärte FCS-Präsident Christian Constantin in einem Radio-Interview. Der Gegner der Walliser habe die Begegnung in Portalban "verkauft", Untersuchungen sollen anlaufen, so Constantin.

Laut des Klub-Chefs habe sich Travnik mit Hilfe von asiatischen Wettanbietern ein Trainingslager im Sommer in der Schweiz finanziert.

Sion hatte das Duell 4:1 gewonnen, und "gedacht, ein gutes Spiel absolviert zu haben. Doch es scheint, als hätten uns die Bosnier absichtlich machen lassen", sagte Constantin.

Rauball: "Haben keine Warnmeldung erhalten"

 

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