"Wünsche mir, dass Deutschland präsent bleibt"

SID
Donnerstag, 22.01.2009 | 17:20 Uhr
Michel Platini ist zwei Jahre UEFA-Präsident
© Getty
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Michel Platini ist seit zwei Jahren Präsident der UEFA. Zur Halbzeit spricht der Franzose über das Verhältnis zum deutschen Fußball und will der hohen Verschuldung einiger europäischer Klubs einen Riegel vorscheiben.

Halbzeit für Michel Platini: Am Montag (26. Januar) sind es zwei Jahre her, dass Frankreichs Fußball-Ikone als Nachfolger von Lennart Johansson zum UEFA-Präsidenten gewählt wurde.

Damals war das Verhältnis zum Deutschen Fußball-Bund ein wenig getrübt, inzwischen hat sich dies grundlegend geändert, weiß die einstige Nummer 10 der Equipe Tricolore, die verlässliche Partnerschaft der Deutschen zu schätzen.

Platini: "Deutschland ist eine große Fußball-Nation"

Angesichts der im März bevorstehenden Neuwahlen zum Exekutiv-Komitee - Gerhard Mayer-Vorfelder scheidet aus, DFB-Präsident Theo Zwanziger kandidiert - behält Platini seine gebotene Neutralität, lässt aber durchblicken: "Deutschland ist eine große Fußball-Nation voller Enthusiasmus für diesen Sport. Vor allen Dingen gibt es eine dynamische Basis. Der Fußball ist in Deutschland verwurzelt. Ich wünsche mir, dass Deutschland im Exekutiv-Komitee präsent bleibt."

Beim Kongress der Europäischen Fußball-Union im Januar 2007 in Düsseldorf überzeugte der Franzose durch seinen Ideenreichtum. Er wolle ein "aktiver und präsenter Präsident" sein und "nicht nur Chrysanthemen einweihen" - Anspielung auf die eher repräsentative Rolle, wie Johansson die UEFA-Präsidentschaft interpretiert hatte.

Platini hat nach eigener Aussage als UEFA-Präsident dazu gelernt

Heute sagt Platini: "Ich muss naiv gewesen sein, um zu kandidieren." Und weiter präzisiert er: "Als Spieler wusste ich zur Halbzeit, dass in 45 Minuten alles vorbei ist. Als Präsident habe ich gelernt, dass es Monate dauern kann, bevor ein Schlusspfiff erfolgt. Und manchmal gibt es mehr als nur eine Verlängerung."

Auf der rein sportlichen Ebene hat Platini Entscheidungen durchgeboxt, die dem Fußball dienen. Der Zugang zur Champions League steht Vereinen mittleren Niveaus offener als je zuvor, ohne die Großen zu benachteiligen.

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Reformation des UEFA-Cups unter seiner Regie

Der UEFA-Cup wurde reformiert und ab der kommenden Saison in ein nachvollziehbares Format gegossen. Die Europameisterschaft wird ab 2016 durch die Aufstockung auf 24 Mannschaften nicht mehr ein Treffen der Elite, sondern eine Heerschau der Talente sein.

Probleme gibt es mit der EM 2012, die nach der Wahl Platinis vom mit Gegnern durchsetzten Exekutiv-Komitee an Polen und die Ukraine vergeben worden war. Platini macht derzeit gute Miene zum bösen Spiel und hofft, dass beide Länder ihre Zusagen ächzend erfüllen werden.

Probleme mit der EM in Polen und der Ukraine

Klar ist: Gibt es keine Großstadien in Kiew und Warschau, wird im Frühjahr ein Notplan ausgerufen und die EM verlegt. Nebenbei hat Platini die ehemaligen Gegner durch gründliche Arbeit überzeugt.

Sportpolitisch ist es Platini gelungen, die Interessenvertretung der Großvereine, die G14, aufzulösen und sie in eine europäische Vereinsvertretung zu integrieren, die in Zukunft neben den Mitgliedsverbänden Gehör und Gewicht bei der UEFA haben wird.

Beim Kampf um die Anerkennung einer Sonderrolle des Sports in der EU - weg von der Betrachtung als reines Wirtschaftsunternehmen - hat Platini während der französischen EU-Präsidentschaft Pflöcke einschlagen können, aber noch keine Ergebnisse vorzuweisen. Immerhin: Er traf Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy zweimal zu intensiven Gesprächen.

Kampf gegen Wettmanipulation

Drei "Baustellen" will Platini in den beiden restlichen Jahren seiner Amtszeit besonders vorantreiben: Kampf gegen Wettmanipulationen, finanzielle Fairness unter den Vereinen, das Verbot von Kinder-Transfers. Platini: "Wenn Ergebnisse schon vorher feststehen, ist das der schleichende Tod des Sports."

Die grenzenlose Verschuldung oder das Finanzdumping einiger Vereine will Platini durch Lizenzierungsmaßnahmen wie in Deutschland in den Griff bekommen, allerdings nur für europäische Wettbewerbe: "In die Organisation der nationalen Ligen kann die UEFA nicht eingreifen."

Bald also gerechtere Chancen für Bayern München gegenüber Real, Milan oder Chelsea?

Platini: "Das ist ein langer Weg der kleinen Schritte."

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