Samstag, 09.08.2008

Nach Lehmann-Abgang

T-Frage wieder spannend

Berlin - Mit dem erwarteten Abgang von Jens Lehmann von der Bühne Nationalmannschaft hat die "T-Frage" bei Vize-Europameister Deutschland neue Brisanz bekommen.

© DPA

Zwar sehen sich die EM-Teilnehmer Rene Adler und Robert Enke nun in der Pole-Position im Kampf um die Nummer 1 in der Vorzeigemannschaft des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Aber auch der ausgebootete Timo Hildebrand sieht sich wieder als Kandidat. "Turniererfahrung, internationale Spiele und Titel. Ich spiele mit Valencia gegen die Besten der Welt", sagte der 29-jährige Wahl-Spanier dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" auf die Frage, was er seinen Konkurrenten voraus habe.

Doch Joachim Löw lässt sich elf Tage vor dem ersten Länderspiel der neuen Saison am 20. August gegen Belgien noch nicht in die Karten schauen.

Rensing steht unter Beobachtung

"Es wird ein offener Kampf", hatte der Bundestrainer zu anstehenden Generationswechsel im deutschen Tor erklärt. Eine neue Stammkraft nach Lehmann (38), der nach 61 Länderspielen seine DFB-Karriere beendete, soll es so schnell nicht geben.

Er werde "erst einmal die Leistungen beobachten", bemerkte Löw, der mit seinem Team am 6. und 10. September in Liechtenstein und in Finnland in die schwere Qualifikation für die WM 2010 startet.

Für den Test gegen Belgien in Nürnberg wird Löw bei der Nominierung seines Aufgebots wohl erst einmal auf bei der EM Bewährtes setzen - das schließt die Torwart-Position ein. Zumal mit dem derzeit verletzten Schalker Manuel Neuer (22) ein weiterer heißer Kandidat auf die Lehmann-Nachfolge nicht zur Verfügung steht.

Michael Rensing (24), beim Rekordmeister FC Bayern Nummer-1-Erbe von Oliver Kahn, muss im Münchner Starensemble erst einmal beweisen, dass er konstant großem Druck standhalten kann.

Enke und Adler positionieren sich

"Die EM-Teilnahme war Gold wert. Ich bin überzeugt, sie hat mich fußballerisch und persönlich weitergebracht. Es ist schon eine andere Hausnummer als im Verein", hatte der 23 Jahre junge Leverkusener Adler nach dem Turnier erklärt.

Bei der EM hatte Löw noch den 30-jährigen Hannoveraner Enke zur Nummer 2 gemacht. Eine automatische Wachablösung, bei der wie schon so oft in der DFB-Geschichte die Nummer 2 den Stammkeeper ablöst, schloss der Bundestrainer für den aktuellen Fall aber bereits aus.

Enke und Adler hatten schon während und kurz nach der Europameisterschaft die Psycho-Spielchen um den begehrten Platz im deutschen Tor eröffnet. Man müsse heutzutage keine 30 Jahre werden, um Deutschlands Nummer 1 zu werden, verkündete Adler selbstbewusst. Und Enke pochte auf seine konstanten Leistungen in der Bundesliga und schloss an: "Meine besten Jahre kommen noch."

Wiese wittert Chance

Nachteil für beide: Mit ihren Klubs spielen sie in dieser Saison nicht auf der internationalen Bühne und haben mit nur einem Länderspiel-Einsatz (Enke) und sogar null Länderspielen (Adler) auch in der DFB-Elf keine Wettbewerbs-Erfahrung.

So will Löw derzeit auch eine Alternative wie Timo Hildebrand, jahrelang Nummer 2 und erst kurz vor der EM gestrichen, nicht mehr ausschließen. Möglicherweise wittert auch der 26 Jahre alte Tim Wiese, der mit Vizemeister Werder Bremen wieder auf der Champions-League-Bühne steht, eine neue Gelegenheit.

Einig war sich die sportliche Leitung der Nationalelf, dass die Torwart-Wachablösung unbedingt kommen musste. Zwar habe laut DFB der 38-jährige Lehmann im Gespräch mit Löw und Torwartcoach Andreas Köpke selbst vorgeschlagen, Platz zu machen. Doch der Bundestrainer hatte dies längst in seinen eigenen Plänen verankert.

"Wir haben in der Beurteilung der Situation absolut auf einer Wellenlänge gelegen", verriet Löw, der dem Neu-Stuttgarter Lehmann nochmals ein vorbildliches Verhalten im Training und in den Spielen bescheinigte. "Ich habe bisher nur wenige Spieler kennengelernt, die so positiv und prägnant ihre Erfahrung eingebracht haben."


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