Montag, 26.05.2008

Fussball

Spezielle Mission für Stange in Weißrussland

Kaiserslautern - Es ist nicht die erste spezielle Mission für den Thüringer Bernd Stange. Doch wie immer sieht der einstige Bundesliga-Coach und DDR-Nationaltrainer auch seinen Job in Weißrussland jenseits der Politik.

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© DPA

"Man darf als Trainer Arbeit und Politik nicht vermischen", sagte Stange, der vor zwei Monaten 60. Geburtstag feierte - in Minsk, seinem neuen Arbeitsort seit Juli 2007. Dort, wo Präsident Alexander Lukaschenko diktatorisch regiert und das Regime vor der Parlamentswahl im Herbst den Druck auf Oppositionelle weiter erhöht.

Stange kennt außergewöhnliche Einsatzgebiete: Dnjepropetrowsk in der Ukraine, Perth in Australien, Maskat im Oman, Bagdad im Irak, Limassol auf Zypern - die Arbeitsplätze waren nie ganz normal für einen deutschen Coach.

Co-Trainer angeschossen

"Bayern München oder Borussia Dortmund haben nicht angerufen", hatte Stange seinen ungewöhnlichen Weg über die Kontinente begründet, als er im Herbst 2002 noch zur Zeit von Diktator Saddam Hussein sein Engagement im Irak antrat.

Im Mai 2004 beendete er diese gefährliche Aufgabe, nachdem sein Co-Trainer angeschossen worden war. "Angst hatte ich nicht, in solchen Ländern zu arbeiten", berichtet Stange heute.

Aber die Zeit im Irak habe ihn natürlich geprägt: "Ich bin als Nachkriegskind wieder in einen Krieg geworfen worden. Ich habe Menschen sterben sehen." Nicht nur mit dem "Presidential Award" von FIFA-Chef Joseph Blatter sieht sich Stange für seine Mission bestätigt: Irak wurde später Asien-Meister und Olympia-Vierter.

Für Überraschung sorgen

Mit der jungen Nationalmannschaft Weißrusslands, die sich in der Sportschule Ruit auf die Partie gegen Deutschland vorbereitet hat, möchte Stange sportlich ebenso für Aufsehen sorgen.

"Ich will hier eine Mannschaft entwickeln, die ein paar Überraschungen schafft", erklärte Stange. Mit einem 2:1 über die Niederlande und einem 2:2 gegen die Türkei hat er erste Zeichen gesetzt. An diesem Dienstag in Kaiserslautern würde er gern ein weiteres hinzufügen.

Mit 22 im Trainerstab

Der einstige Amateur-Spieler war schon mit 22 Jahren in den Trainerstab von Carl Zeiss Jena gekommen. Eine "ungewöhnlich lange Zeit" von sechs Jahren betreute Stange die DDR-Auswahl.

Nach der Wende ging er nach Anstellungen beim damaligen Zweitligisten Hertha BSC und Erstligisten VfB Leipzig in die ehemalige Sowjetunion.

"Damals in Dnjepropetrowsk war ich der erste Ausländer im einstigen großen russischen Reich. Andere wie Guus Hiddink, Dick Advocaat oder Bernd Schuster sind später gefolgt", erzählte der perfekt Russisch sprechende Stange, der erster ausländische Trainer Weißrussland ist.

Vertrag bis 2009

In Weißrussland hat er einen Vertrag bis Ende 2009. Die sportliche Hürde für die Qualifikation zur WM 2010 ist hoch, die Gruppen-Gegner heißen unter anderen Kroatien, England, Ukraine.

Da kann Stange zusammen mit seinem einzigen internationalen Star, dem Ex-Stuttgarter Alexander Hleb von Arsenal London, gegen Deutschland schon mal das unmöglich Scheinende proben.

Deutschland EM-Favorit

"Einen besseren Gegner als Deutschland kann ich mir derzeit kaum vorstellen. Zusammen mit Italien und Spanien zählt das DFB-Team zu den großen EM-Favoriten", sagte Hleb, der unter Stange deutliche Fortschritte sieht: "Er hat einen klaren Plan, den er durchzieht und er sorgt für ein überragendes Klima."

Kapitän Hleb, der noch ein Haus in Großasbach bei Stuttgart besitzt, verspricht: "Natürlich spielen wir nicht aggressiv, weil Deutschland eine EM spielt."


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