Montag, 10.03.2008

Fußball

Schweizer Ex-Sportrechtevermarkter vor Gericht

Zug - Sechs Manager des 2001 in Konkurs gegangenen Sportrechte-Vermarktungskonzerns ISMM/ISL müssen sich vor dem Strafgericht im Schweizer Zug verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Vermögensdelikte in Höhe von mehr als 100 Millionen Franken (fast 64 Millionen Euro) vor.

Dabei geht es auch um das Beziehungsgeflecht zwischen dem Fußball-Weltverband (FIFA) und der Sportrechteagentur. Angeblich hat die ISL hohe Geldbeträge an wichtige FIFA-Funktionäre gezahlt, um sich lukrative Marketingrechte zu sichern.

Ein ehemaliger ISL-Manager hat von "Geschäftsgewinnungskosten" in Höhe von 50 Millionen Schweizer Franken (rund 32 Millionen Euro) gesprochen.

Büro von Blatter durchsucht

Die Schweizer Untersuchungsbehörden haben unter anderem wegen betrügerischen Bankrotts und Urkundenfälschung ermittelt. Im Zuge dieser Ermittlungen wurde auch das Büro von FIFA-Präsident Joseph Blatter durchsucht. 

Die Anklage fordert für die sechs ehemaligen Manager Freiheitsstrafen zwischen drei und viereinhalb Jahren. Alle Angeklagten bezeichnen sich als unschuldig. Ihre Rechtsvertreter verlangen Freisprüche und Entschädigungszahlungen.

Die ISMM-Gruppe (International Sports Media and Marketing mit der Tochterfirma International Sport and Leisure ISL) wurde 1982 gegründet. Sie handelte außer mit den Rechten für die Fußball-Weltmeisterschaften auch mit Übertragungsrechten für Tennis, Motorsport und nationale Fußball-Ligen.

Negativschlagzeilen 2001 

Allein für die FIFA belief sich der Umsatz des Konzerns für Marketing und TV-Rechte auf einen Wert von 2,2 Milliarden Franken (1,4 Milliarden Euro). 2001 war die Gruppe in die Negativ-Schlagzeilen geraten: Wegen Verlusten von mehreren hundert Millionen Franken musste sie den Konkurs eröffnen. 

Die FIFA zeigte die ISMM-Gruppe daraufhin an und machte Ansprüche aus Lizenzverträgen in der Höhe von 70 Millionen Franken geltend, zog ihre Anzeige aber 2004 zurück.

Dennoch ermittelten die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Zug gegen frühere Manager des Unternehmens weiter wegen Veruntreuung, Betrugs, betrügerischen Konkurses und Gläubigerschädigung. 

Anklage der Staatsanwaltschaft 

Im März 2007 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage. Anfang März 2007 war das Konkursverfahren über die ISMM geschlossen worden. Die Akten füllen 80 Ordner, die Anklageschrift umfasst mehr als 200 Seiten. 

Die Hauptverhandlung ist auf mindestens sechs Tage angelegt, kann aber mit Unterbrechungen bis zum 3. April dauern. Die mündliche Urteilsverkündung ist im Sommer vorgesehen. Das Strafgericht Zug ist zuständig, weil der Konzern dort seinen letzten Sitz hatte.


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