Fußball

"Malocher" und EM-Kapitän: "Enatz" Dietz wird 60

SID
Samstag, 22.03.2008 | 11:34 Uhr
fußball, dietz
© DPA
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Duisburg - Wenn Bernard Dietz Zeit hat, fährt der Mann, den alle "Enatz" rufen, zum Klubhaus des Bundesligisten MSV Duisburg und bestellt einen Salat. Thunfisch, Geflügel und Krabben sind drin.

Dietz hat ihn schon so oft gegessen, dass der Wirt den Salat irgendwann "Enatz" genannt hat. Die kleine Geste passt zum früheren Nationalspieler (53 Einsätze) und Europameister, der am 22. März seinen 60. Geburtstag im Familienkreis feiert.

Mit großem Rummel um seine Person konnte er noch nie viel anfangen.

Dass er in Duisburg den Rang einer Fußball-Ikone hat, macht Dietz dennoch stolz. 394 Bundesliga-Partien bestritt der gelernte Schmied, der während seiner Gesellenzeit zwei Finger verloren hatte, zwischen 1970 und 1982 für die Zebras und wurde zum Prototyp des "Malochers". 

"Marschieren, kämpfen und den Fußball genießen, das war meine Welt", sagt Dietz, der als Linksverteidiger am 5. November 1977 sein erfolgreichstes Ligaspiel machte.

Vier Tore gegen Bayern

Beim 6:3-Sieg gegen Bayern München gelangen ihm vier Tore. "Ein Wahnsinn, da kommt der kleine Arbeiter aus Westfalen daher und schießt als Gegenspieler von Karl-Heinz Rummenigge die Bayern ab", erinnert er sich lächelnd.

Seinen größten Triumph feierte Dietz 1980, als er die deutsche Nationalelf beim 2:1-Finalsieg über Belgien als Kapitän zum EM-Titel in Italien führte.

Er ist wohl der einzige Duisburger Fußballer, der jemals mit goldenem Essbesteck speisen durfte. "1980 beim Empfang im Feinschmecker-Restaurant Alfredo vor dem Finale in Rom wurde mir diese Ehre als Kapitän zuteil", erzählt Dietz.

Dass der Kellner ständig hinter ihm stand, hat er nicht vergessen: "Der hatte wohl Angst, dass ich die Löffel klaue."

"MSV Dietzburg"

Mit dem MSV erreichte der im westfälischen Bockum-Hövel geborene Fußballer das DFB-Pokalendspiel (1975) und das UEFA-Cup-Halbfinale (1979).

Die Zeitungen tauften seinen Klub kurzerhand in "MSV Dietzburg" um. Als er nach dem Erstliga-Abstieg 1982 kein neues Angebot erhielt, habe er geweint und wechselte zu Schalke 04 (101 Bundesligaspiele).

"An den ersten Trainingstagen bin ich immer an Gelsenkirchen vorbeigefahren und steuerte in Gedanken versunken Duisburg an."

Als Junioren- und Zweitliga-Trainer beim VfL Bochum bildete Dietz später Talente wie Paul Freier, Frank Fahrenhorst und Stefan Wächter aus, doch bald schon habe er gespürt, dass seine Werte nicht mehr gefragt seien.

"Mir ging es nie ums Geld"

Er konnte es nicht ertragen, dass Spieler ohne Freude zum Training kamen und er sich nachher vor den Beratern für seine Aufstellungen rechtfertigen musste.

"Mir ging es nie ums Geld, aber heutzutage wird um jeden Cent gefeilscht, obwohl Einsatz und Leidenschaft nicht stimmen", meint Dietz, der nach seiner Bochumer Zeit vier Jahre in der MSV-Jugendabteilung arbeitete.

Nach einem abschließenden Engagement beim Regionalligisten RW Ahlen beschloss er 2006 desillusioniert: "Ich brauche den Trainerjob nicht mehr."

Rückblickend bereut Dietz nur, dass er 2002 als erfolgreicher Interimscoach beim MSV das Zweitligateam nach nur sechs Spielen freiwillig wieder verlassen hatte.

Stammgast beim MSV

"Ich hätte das durchziehen müssen, Duisburg ist schließlich mein Verein", sagt Dietz. Heute spielt er nur noch in der Fußballschule seines Sohnes Christian mit Kindern und ist regelmäßiger Stammgast in der MSV-Arena.

Hier richtet der Klub eine Woche nach dem 60. Geburtstag eine Gala für seinen berühmtesten Fußballer aus. "Meine Frau organisiert das heimlich mit, ich weiß aber schon, dass über 400 Gäste geladen sind", sagt Dietz, der sich dann auch einen großen "Enatz-Salat" schmecken lassen will.

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