Artikel 17: FIFA unter Beschuss

Nur ein Starnberger Segelklub

Von Andreas Lehner
Dienstag, 05.02.2008 | 10:55 Uhr
FIFA, Sitz,
© Imago
Advertisement
Primera Division
Sa20:45
Atletico - Real: Wer siegt im Derbi madrileño?
Primera División
Getafe -
Alaves
Premier League
Arsenal -
Tottenham
Premiership
Ross County -
Celtic
Premier League
Liverpool -
Southampton
Championship
Reading -
Wolverhampton
Primera División
Leganes -
Barcelona
Ligue 1
PSG -
Nantes
Serie A
AS Rom -
Lazio
Premier League
Man United -
Newcastle
Primera División
Sevilla -
Celta Vigo
Championship
Fulham -
Derby County
Ligue 1
Dijon -
Troyes
Ligue 1
Guingamp -
Angers
Ligue 1
Straßburg -
Rennes
Ligue 1
Toulouse -
Metz
Premier League
Leicester -
Man City (DELAYED)
Eredivisie
Breda -
Ajax
Primera División
Atletico Madrid -
Real Madrid
Serie A
Neapel -
AC Mailand
Premier League
West Bromwich -
Chelsea (DELAYED)
Premier League
Bournemouth -
Huddersfield (DELAYED)
Premier League
Crystal Palace -
Everton (DELAYED)
Premier League
Burnley -
Swansea (DELAYED)
Primera División
Malaga -
La Coruna
Serie A
Crotone -
Genua
Super Liga
Ivanjica -
Partizan
Championship
Leeds -
Middlesbrough
1. HNL
Dinamo Zagreb -
Lokomotiva Zagreb
Ligue 1
Caen -
Nizza
Serie A
Benevento -
Sassuolo
Serie A
Sampdoria -
Juventus
Serie A
SPAL -
Florenz
Serie A
FC Turin -
Chievo Verona
Serie A
Udinese -
Cagliari
Primera División
Espanyol -
Valencia
Premier League
Zenit -
Tosno
Ligue 1
Lyon -
Montpellier
Premier League
Watford -
West Ham
First Division A
Brügge -
Waasland-Beveren
Superliga
Bröndby -
Nordsjaelland
Primera División
Las Palmas -
Levante
Serie A
Flamengo -
Corinthians
Primera División
Bilbao -
Villarreal
Serie A
Inter Mailand -
Atalanta
Ligue 1
Bordeaux -
Marseille
Superliga
Boca Juniors -
Racing
Ligue 1
Amiens -
Lille
Serie A
Hellas Verona -
Bologna
Premier League
Brighton -
Stoke
Primera División
Eibar -
Real Betis
Copa Sudamericana
Libertad -
Independiente
Championship
Ipswich -
Sheffield Wed
Copa Libertadores
Gremio -
Lanus
Indian Super League
Chennai -
NorthEast United
Copa Sudamericana
Flamengo -
Junior
Indian Super League
Kerala -
Jamshedpur
Ligue 1
St. Etienne -
Straßburg
Premiership
Dundee -
Rangers
Premier League
West Ham -
Leicester
Primera División
Celta Vigo -
Leganes
A-League
FC Sydney -
Brisbane
Primera División
Alaves -
Eibar
Championship
Barnsley -
Leeds
Serie A
Bologna -
Sampdoria
Championship
Norwich -
Preston
Primera División
Real Madrid -
Malaga
Ligue 1
Rennes -
Nantes
Serie A
Chievo Verona -
SPAL
Serie A
Sassuolo -
Hellas Verona
Premier League
Liverpool -
Chelsea
Primera División
Real Betis -
Girona
Championship
Sheff Utd -
Birmingham
Ligue 1
Caen -
Bordeaux
Ligue 1
Dijon -
Toulouse
Ligue 1
Metz -
Amiens
Ligue 1
Montpellier -
Lille
Ligue 1
Troyes -
Angers
Premier League
Tottenham -
West Bromwich (DELAYED)
Primera División
Levante -
Atletico Madrid
Premier League
Swansea -
Bournemouth (DELAYED)
Premier League
Crystal Palace -
Stoke (DELAYED)
Premier League
Man United -
Brighton (DELAYED)
Premier League
Newcastle -
Watford (DELAYED)
J1 League
Cerezo Osaka -
Kobe
J1 League
Kashima -
Kashiwa
Primera División
La Coruna -
Bilbao
Eredivisie
Excelsior -
PSV
Premier League
Southampton -
Everton
Super Liga
Cukaricki -
Roter Stern
Ligue 1
Nizza -
Lyon
Serie A
Genua -
AS Rom
Serie A
AC Mailand -
FC Turin
Serie A
Udinese -
Neapel
Primera División
Real Sociedad -
Las Palmas
Ligue 1
Marseille -
Guingamp
Premier League
Huddersfield -
Man City
Serie A
Lazio -
Florenz
Primera División
Villarreal -
Sevilla
Premier League
Burnley -
Arsenal (DELAYED)
First Division A
Brügge -
Zulte-Waregem
Primera División
Valencia -
Barcelona
Serie A
Juventus -
Sampdoria
Ligue 1
Monaco -
PSG
Primeira Liga
Benfica -
Setubal
Superliga
River Plate -
Newell's Old Boys
Premier League
Spartak -
Zenit
Serie A
Atalanta -
Benevento
Championship
QPR -
Brentford
Primera División
Espanyol -
Getafe
Ligue 1
Amiens -
Dijon
Ligue 1
Straßburg -
Caen
Coppa Italia
Sampdoria -
Pescara
Ligue 1
Bordeaux -
St. Etienne
Premier League
Watford -
Man United
Copa del Rey
Real Madrid -
Fuenlabrada
Premier League
Brighton -
Crystal Palace (DELAYED)
Premier League
West Bromwich -
Newcastle (DELAYED)
Premier League
Leicester -
Tottenham (DELAYED)
Copa Sudamericana
Independiente -
Libertad
Coppa Italia
Chievo Verona -
Hellas Verona
Ligue 1
Angers -
Rennes
Ligue 1
Guingamp -
Montpellier
Ligue 1
Lyon -
Lille
Ligue 1
Metz -
Marseille
Ligue 1
Nantes -
Monaco
Ligue 1
Toulouse -
Nizza
Copa del Rey
Barcelona -
Murcia
Premiership
Rangers -
Aberdeen
Cup
Anderlecht -
Lüttich
Ligue 1
PSG -
Troyes
Premier League
Stoke -
Liverpool
Copa del Rey
Atletico Madrid -
Elche
Premier League
Bournemouth -
Burnley (DELAYED)
Premier League
Arsenal -
Huddersfield (DELAYED)
Premier League
Man City -
Southampton (DELAYED)
Premier League
Everton -
West Ham (DELAYED)
Premier League
Chelsea -
Swansea (DELAYED)
Copa Libertadores
Lanus -
Gremio
Indian Super League
Goa -
Bengaluru
Coppa Italia
Udinese -
Perugia
Copa del Rey
Villarreal -
Ponferradina
Cup
Zulte-Waregem -
Brügge
Coppa Italia
Genua -
Crotone
Copa Sudamericana
Junior -
Flamengo
Indian Super League
Jamshedpur -
Kalkutta
Serie A
AS Rom -
SPAL
Primeira Liga
Sporting -
Belenenses
Ligue 1
Dijon -
Bordeaux
Serie A
Neapel -
Juventus
Championship
Leeds -
Aston Villa
Primera División
Malaga -
Levante
Primeira Liga
Porto -
Benfica

München - Es hätte ein ganz normaler Transfer sein können. Andy Webster wechselt von Heart of Midlothian zu Wigan Athletic.

Eigentlich eine kleine Randerscheinung im Weltfußball. Doch der Wechsel hatte weitrechende Folgen. Webster zog vor den CAS (den obersten Sportgerichtshof), berief sich auf den Artikel 17 des FIFA-Regelwerks und klagte sich aus seinem Vertrag. Von einem neuen Bosman war die Rede (SPOX.com berichtete).

"Ich war verwundert, dass sich der CAS so sehr auf die Seite der Spieler geschlagen hat, als den Argumenten des Vereins zu folgen", sagt Martin Bader gegenüber SPOX.com.

Sturm im Wasserglas

Dennoch sieht der Sportdirektor des 1. FC Nürnberg die aktuelle Diskussion als "Sturm im Wasserglas", denn "das ist jetzt ein Fall, und den Artikel 17 gibt es schon seit langem." Genau seit dem 1. Juli 2005.

Damals nahm die FIFA den Paragraph 17 auf Druck der EU-Kommission in ihr Reglement auf, der besagt, dass Verträge maximal über fünf Jahre geschlossen und die Verträge von Spielern vor dem 28. Lebensjahr nach drei Jahren und älteren Spielern nach zwei Jahren einseitig gekündigt werden dürfen. Das kann der Spieler zwei Wochen nach Saisonende tun.

Die Vereine müssen sich nun mit der veränderten Situation in Vertragsverhandlungen auseinandersetzen, aber Bader sieht die Lage "nicht so dramatisch".

Viel schlimmer ist für ihn die Kurzfristigkeit, mit der die Spieler kündigen können, und die dadurch gefährdete Planungssicherheit.

Die Geister, die die FIFA rief...

Ebenso ärgerlich findet er die Reaktionen der FIFA. Diese ließ in einer Stellungnahme wissen: "Für das System ist dies verheerend. Die Hände reiben können sich wohl einzig die Spielervermittler, die ihre Klienten, wie im Fall von Webster, gewinnbringend neuen Klubs anbieten können." Präsident Sepp Blatter: "Die Entscheidung des CAS schadet dem Fußball."

Dabei beschwert sich die FIFA über Geister, die sie selber rief. "Es ist verwunderlich, dass ausgerechnet die FIFA jetzt aufschreit, die diesen Artikel erlassen hat. Sie hätten ihn halt komplett lassen sollen oder vorher vernünftig formulieren müssen. Aber der Artikel ist ganz schwammig gehalten", meint Bader.

Schwammige Formulierungen

In dieselbe Kerbe schlägt Michael Ballacks Berater und Rechtsanwalt Dr. Michael Becker im Gespräch mit SPOX.com. "Das ist ja das Eigenartige, dass sich die FIFA jetzt beschwert. Die müsste eigentlich am Spielfeldrand stehen und klatschen. Die FIFA hat den Artikel gemacht und der CAS hat ihn jetzt ausgelegt."

Und genau damit sind sie jetzt nicht zufrieden. Der Weltverband muss sich fragen, warum er dieses Fass überhaupt aufgemacht hat und warum er den Artikel so unklar formuliert hat. Denn die EU-Kommission wollte sicher nicht Sonderregelungen für eine gewisse Berufsgruppe.

Außerdem wird mit keinem Wort erwähnt, wie sich die Entschädigungszahlung des ausstehenden Gehalts zusammensetzt. "Es ist nicht geklärt, wie sich so ein Jahresgehalt berechnet. Sind beispielsweise Sonderprämien dabei? Viele Vereine haben ja variable Verträge", sagt Bader.

Handwerklich schlecht gearbeitet

Jurist Becker findet die Ausformulierung ebenfalls an der Grenze. Denn die FIFA hat einen Passus mit aufgenommen, der besagt, dass nationales Arbeitsrecht vorgeht. Ein deutliches Zeichen, dass sich die Herren im Weltverband selbst nicht ganz sicher waren.

"Der CAS zeigt hier jetzt eine arbeitsrechtliche Möglichkeit auf, von der er glaubt, dass sie auf Artikel 17 zurückzuführen ist. Wobei die Schöpfer des Artikel 17 mit dieser Interpretation nicht zufrieden sind. Was im Umkehrschluss heißt, dass sie handwerklich schlecht gearbeitet haben", sagt Becker.

Was erlaubt sich die FIFA?

Dazu kommt, dass sich die FIFA damit in Bereiche einmischt in denen sie eigentlich keine Befugnis hat. Denn immerhin versucht der Fußball-Weltverband hier ins europäische und im konkreten Fall ins deutsche Arbeitsrecht einzugreifen und Recht zu setzen.

Dabei stört Becker besonders, dass es sich bei der FIFA im juristischen Sinne nur um einen gewöhnlichen eingetragenen Verein handelt, der demnach "juristisch nicht mehr Wert besitzt als der Segelklub Starnberg".

"Die Grundsatzfrage ist die: Mit welcher Selbstverständlichkeit glaubt die FIFA im EU-Rechtsraum arbeitsrechtliche Normen einführen zu dürfen? Die FIFA ist ein Verein Schweizer Rechts und nicht befugt als Gesetzgeber in Europa und der Bundesrepublik Deutschland auftreten zu dürfen", so Becker.

Von eigenen Fehlern ablenken

Deshalb glaubt er auch, dass der Artikel 17 bis zur nächsten Transferperiode modifiziert wird, da auch das Grenzalter von 28 Jahren und die Vertragslaufzeit einfach willkürlich gesetzt wurden und keiner juristischen Überprüfung standhalten würden. "Morgen kommt einer und fühlt sich diskriminiert, weil er nur 27 ist", so Becker.

Die FIFA hat zu kurz gedacht, vorschnell gehandelt und unsauber gearbeitet. Kurz: Sie hat sich ein klares Eigentor geschossen. Mit der öffentlichen Empörung will sie nun von ihren eigenen Fehlern ablenken. Viel wichtiger wäre allerdings die schnelle Korrektur, um den Vereinen viel Ärger zu ersparen.

Kein zweiter Bosman

Auch die Spielerberater und Spielergewerkschaften, die sich zum Teil schon die Hände reiben, werden nicht im befürchteten Maße profitieren. "Der Jubel der Spielergewerkschaften könnte dümmlicher nicht sein; die Kurzsicht ist dort offensichtlich Geschäftspolitik. Denn: Es gibt keine wundersame Geldvermehrung. Am Ende wird der gleiche Geldbetrag auf die Spieler verteilt", schreibt der renommierte Sportrechtsexperte Christoph Schickhardt im "Kicker".

"Ich stimme Herrn Schickhardt voll zu", sagt Becker. "Kurzfristig kann es schon sein, dass der ein oder andere davon profitieren wird, aber langfristig ist das keine Lösung."

Einen zweiten Fall Bosman wollten aber weder Bader noch Becker erkennen. "Bosman war eine andere Qualität", sagt der Club-Sportdirektor. Genauso äußert sich auch der Jurist. "Bei Bosman hat der EuGH eine Verletzung der Grundrechte festgestellt. Da die freie Wahl des Arbeitsplatzes verweigert wurde. Man wollte eine Ungleichbehandlung von Fußballern gegenüber anderen Arbeitnehmern verhindern. Hier ist das genau anders rum."

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung