Montag, 28.01.2008

Fußball

Hickersberger: Keine Experimente

Frankfurt/Main - Österreichs Nationaltrainer Josef Hickersberger will im Testspiel gegen Deutschland am 6. Februar keine Experimente machen, doch einen Sieg wünscht er sich erst beim zweiten Aufeinandertreffen während der EURO im Sommer.

hickersberger
© Getty

Erfolge gegen Deutschland seien immer etwas ganz Besonderes, "eben weil sie nicht oft gelingen. Da wir jetzt aber zweimal gegen Deutschland innerhalb eines Jahres in Wien spielen, wären wir glücklich, wenn wir wenigstens einmal gewinnen: Das zweite Spiel im Juni bei der EM", sagte Hickersberger in einem auf der Internetseite des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) veröffentlichten Interview.

Der österreichische Nationalcoach rechnet damit, dass sein Kollege Joachim Löw in rund anderthalb Wochen auch Spielern, die bei ihren Vereinen derzeit nur im zweiten Glied stehen, eine Chance geben wird. "Davon gehe ich aus", sagte der 59-Jährige. Mit seiner eigenen Mannschaft will sich Hickersberger nicht auf derartige Personalspiele einlassen. "Für meine Mannschaft ist Deutschland (aber) kein Gegner, gegen den man experimentieren kann", sagte der Trainer.

Harnik und Ibertsberger wohl nicht in erster Elf 

Den beiden Legionären Martin Harnik vom SV Werder Bremen und Andreas Ibertsberger vom Zweitligisten SC Freiburg machte Hickersberger nur bedingt Hoffnung auf einen Einsatz gegen den Erzrivalen und Nachbarn. Harnik habe sehr wenig Spielpraxis in der Bundesliga. "Er ist aber mit seinen 20 Jahren eines unserer großen Talente und wird von mir gefördert, was ja seine Einwechslungen zuletzt gegen Tunesien und England dokumentieren", meinte der Trainer. Ibertsberger sei eine Option für die österreichische Abwehr.

Für die seit 1931 erst zweimal gegen Deutschland siegreichen Österreicher ist bereits die erste Begegnung in diesem Jahr "etwas Besonderes, mit viel Druck auch vonseiten der Öffentlichkeit und des Publikums in einem sicherlich ausverkauften Praterstadion", sagte Hickersberger, dessen Position als Nationaltrainer durch einen guten Auftritt kurz vor den Titelkämpfen im eigenen Land und der Schweiz gestärkt würde.

Hickersberger zählt DFB-Team nicht zu den EM-Topfavoriten 

Er glaube, "dass beide Mannschaften mit besonderer Fairness spielen werden, weil sie wissen, dass das wichtigere Spiel bei der Europameisterschaft stattfindet. Dann wird es mit Sicherheit eine Spur körperbetonter zugehen." Die Vorrundenpartie wird am 16. Juni ausgetragen. Die Titelkämpfe dauern vom 9. bis 27. Juni.

Dabei zählt Hickersberger die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nicht zu den heißesten Titelkandidaten. "Meine Topfavoriten heißen Italien und Frankreich", sagte er. Die DFB-Elf gehöre aber zu den Mitfavoriten - im Gegensatz zu Titelverteidiger Griechenland mit dem deutschen Trainer Otto Rehhagel. Der "Coup" von 2004 lasse sich nicht wiederholen, meinte Hickersberger, der selbst auf zumindest eine Überraschung gegen Deutschland hofft.

Stimmung ist unverändert 

Wie aus jüngsten Umfragen hervorgeht, ist rund fünf Monate vor dem ersten Spiel im Wiener Ernst-Happel-Stadion von "EURO-Euphorie" unter der Bevölkerung Österreichs keine Rede. "Die Stimmung in Österreich in Bezug auf die EURO ist seit einem halben Jahr relativ unverändert", sagte Christian Dominko, Leiter des "EM-Euphorometers" vom makam-Institut. Schuld daran sei die bisher magere Leistung der österreichischen Nationalkicker.

Eine längerfristig größere Fußball-Begeisterung, so glaubt die Meinungsforscherin Karin Cvrtila vom Meinungsforschungsinstitut OGM, werde die EURO 2008 in Österreich "wohl nicht bewirken, auch wenn die Euphorie kurzfristig ansteigen wird".

Und von einem nationalen Wir-Gefühl wie 2006 in Deutschland würden Herr und Frau Österreicher wohl nicht ergriffen werden. Es sei denn, "wenn Österreich Deutschland besiegt - dann könnte sich alles umkehren!". Österreich trifft am 16. Juni in Wien im dritten und letzten Vorrundenspiel auf den Erzrivalen aus dem Nachbarland.


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