Donnerstag, 31.01.2008

Schlaglichter zum DFB-Pokal

Ein Meister lässt sich nicht verarschen

München - Ach wie schön ist doch der DFB-Pokal! Am Dienstag stürmte 1860 München den berüchtigten Tivoli in nur sechs Minuten, Dortmunds Torhüter Marc Ziegler entnervte Bremens Superstar Diego und Bayern besiegte den elenden Arena-Fluch.

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© Imago

Auch am Mittwoch überschlugen sich die Ereignisse. SPOX.com hat die Schlaglichter.

Werder Bremen II - VfB Stuttgart 2:3

Ein Meister lässt sich nicht verarschen: Weil Werders Profis am kommenden Sonntag gegen den VfL Bochum ihr erstes Rückrunden-Heimspiel austragen, untersagte Bremens Manager Klaus Allofs beiden Teams kurzerhand das Warmmachen auf dem heiligen Rasen.

Werder II und der VfB mussten auf eine Gänseblümchenwiese außerhalb des Stadions ausweichen. Außerdem waren die Umkleidekabinen verschlossen, sodass sich der deutsche Meister in einer Besenkammer umziehen musste.

"Es ist lächerlich, was mit uns gemacht wurde. Mein erstes Tor war für die Kabine, in die drei Leute reinpassen. Mein zweites für den Acker da draußen und mein drittes für die Mannschaft", sagte Matchwinner Mario Gomez.

VfB-Coach Armin Veh war so verärgert, dass er die obligatorische Pressekonferenz nach dem Spiel boykottierte. Ein Meistercoach sollte trotz allem souveräner reagieren und keine Kindergartenparty veranstalten.

Unsägliches passives Abseits: Gomez' dritter Treffer war äußerst skurril. Nach einem Pass von Sami Khedira in die Tiefe blieb die gesamte Werder-Abwehr stehen, weil Adressat Yildiray Bastürk bei der Ballabgabe deutlich im Abseits stand. Bastürk tat aber so, als würde ihn die Situation nichts angehen, Mario Gomez sprintete von hinten Richtung Ball und erzielte das zwischenzeitliche 3:0.

Ein Unding - fand auch Werder-Coach Thomas Wolter. "Das Tor kann man geben, aber diese passive Abseits-Regel ist ein totaler Scheiß. Sie verwirrt die Abwehrspieler und gehört endlich abgeschafft", so Wolter.

Rot-Weiss Essen - Hamburger SV 0:3

HSV wie immer: Ballkontrolle, Spielkontrolle, hinten nichts zulassen, vorne in den richtigen Momenten zuschlagen und dann die Kugel und den Gegner laufen lassen. Nein, so macht ein Pokal-Abend keinen Spaß, wenn ein Bundesligist dem Underdog nicht zumindest den Hauch einer Chance lässt. RWE-Coach Heiko Bonan fand's auch nicht lustig: "Man hat von der ersten Sekunde gemerkt, dass der HSV das Spiel ernst nimmt. Da war keine Überheblichkeit zu spüren. Gegen einen so starken Gegner darf man ausscheiden."

HSV wie immer II: Auch bei der Wahl der Torschützen ließen sich die Hamburger auf keine Experimente ein: Wie in der Bundesliga sorgten auch van der Vaart und Olic für exakt zwei Drittel der Tore. 16 von 24 in der Liga, 2 von 3 in Essen. Einzige Extravaganzen: Trochowski durfte auch mal, und van der Vaart traf per Kopf.

Carl Zeiss Jena - Arminia Bielefeld 2:1 n.V.

Die Angst des Torwarts vor der Flanke I: Vier Minuten waren noch zu spielen im Ernst-Abbe-Sportfeld zu Jena, als Carl Zeiss mal wieder einen langen Ball hoch in den Strafraum drosch. Im Torhüterlehrbuch steht da die Anweisung: Raus aus dem Kasten, Knie anziehen, rein in die Leute und den Ball pflücken.

Aber man kann ja nicht immer nach dem Lehrbuch handeln. Mathias Hain ließ den Ball durch die Hände rutschen und Nils Petersen stubbste die Kugel aus ein paar Metern zum Ausgleich ins Tor. Bielefelds neuer Trainer Michael Frontzeck gab Hain aber keine Schuld am Ausscheiden. "Wir hätten den Sack früher zumachen müssen." Trotzdem stand Hain blöd da.

Henning Bürger ist Trainer von Carl Zeiss Jena und leidenschaftlicher Stirnbandträger
Henning Bürger ist Trainer von Carl Zeiss Jena und leidenschaftlicher Stirnbandträger
© Imago

Gesundheit geht vor Mode: Michael Frontzeck musste einem schon leid tun. Nicht weil er gleich bei seinem ersten Pflichtspiel das Pokal-Aus wegstecken musste, sondern weil er die ganzen 120 Minuten beim Sauwetter in Jena ohne schützende Kopf-/ Ohrenbedeckung ausharren musste, während sein Gegenüber Henning Bürger die Hälfte seines Gesichts mit einem riesigen schwarzen Stirnband vermummte. Richtig stylisch war's nicht, aber die Gefahren einer Mittelohrentzündung waren gebannt.

VfL Wolfsburg - Schalke 04 6:4 n.E.

Die Angst des Torwarts vor der Flanke II: Das bei Matthias Hain angesprochene Lehrbuch hat wohl auch Schalkes Manuel Neuer schon mal in Händen gehalten. Auch er scheint es nur kurz durchgeblättert zu haben, denn beim Ausgleich der Wölfe in letzter Sekunde griff der Keeper so ungelenk nach dem Ball wie ein Gorilla. Bei Neuer kam dann auch noch die Angst des Torwarts vorm Elfmeter dazu. Den Kullerball von Daniel Ljuboja hätte man nicht unbedingt unter seinem Körper durchholpern lassen müssen. Anschauungsunterricht würde es ein paar Kilometer weiter bei Marc Ziegler geben.

Der Anti-Held: Wer noch einen Beweis brauchte, warum Felix Magath Simon Jentzsch degradierte und dafür Diego Benaglio zwischen die Pfosten stellte, musste sich nur das Spiel gegen Schalke anzuschauen.

Sah der Schweizer beim 0:1 noch etwas unglücklich aus, als er sich in bester Volleyballermanier den Ball ins Netz baggerte, hielt er sein Team im weiteren Verlauf mit klasse Paraden im Spiel, um dann im Elfmeterschießen schlussendlich zum absoluten Helden aufzusteigen. Auch wenn er sich nicht als solchen sah: "Wir gewinnen und verlieren zusammen." Nicht nur ein guter Torwart, sondern auch noch ein bescheidener Anti-Held. q.e.d.

SPOX

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