Formel 1

Der Weltmeister geht leer aus

Lewis Hamilton hat nun vier Weltmeistertitel auf seinem Konto
© getty

Platz 5, Lance Stroll:

Wie Magnussen erlebte auch Stroll ein Wochenende mit zwei Gesichtern. Zum einen war da dieses zweite Quali-Segment, das der Kanadier gänzlich versemmelte und ihn über eine Sekunde hinter Teamkollege Felipe Massa zurückwarf. Zum anderen war da aber eben auch noch dieses Rennen, das ihn schon in der ersten Runde auf Platz sieben brachte. Durch die glücklichere Strategie gewann Stroll, der an diesem Tag seinen 19. Geburtstag feierte, noch die Position von Perez, den er konsequent hinter sich ließ.

Platz 4, Sebastian Vettel:

Aus der Traum - und zwar endgültig! Vettel schaffte es nicht, Hamiltons zweiten Matchball abzuwehren, weil er das Mindestziel des zweiten Platzes verpasste. Dabei sah es vor dem Start so aus, als würde der Heppenheimer seine Hausaufgaben erledigen. Mit einer Zauberrunde aus dem Nichts katapultierte sich Vettel auf die Pole Position, die 50. seiner Formel-1-Karriere.

Doch ob die Pole auf dem Autodromo Hermanos Rodriguez ein wirklicher Vorteil war? Immerhin geht der Sprint bis zu ersten Kurve 890 Meter weit. Zeit genug für Verstappen und Hamilton also, sich an den Ferrari-Piloten heranzupirschen und ihn zu attackieren.

Vettel musste sich dem Niederländer geschlagen geben und fuhr sich im zweiten Turn etwas unaufmerksam das erste Stück seines Frontflügels beim Hinterrad des Red Bulls auf. Dass es dann zu einer weiteren Kollision kam, diesmal mit Hamiltons Reifen, kann man Vettel hingegen nicht vorwerfen. Er beschleunigte, während Hamilton von Verstappen blockiert wurde. Mit zusätzlichem Untersteuern war da wenig zu machen.

Durch den erzwungenen Boxenstopp in der ersten Runde war klar, dass Vettel nur bei einem Safety Car eine Chance aufs Comeback gehabt hätte. Doch Bernd Mayländer kam nicht zum Einsatz, die Sache war somit gelaufen. Trotzdem kämpfte Vettel bis zum Ende und zeigte bei seiner Aufholjagd das eine oder andere schöne Überholmanöver.

Platz 3, Max Verstappen:

Es sah alles danach aus, dass der 20-Jährige den nächsten Altersrekord in der Formel 1 brechen sollte. Schließlich war er auf dem besten Weg, seine erste Pole Position einzufahren und sich damit zum jüngsten Polesitter aller Zeiten zu machen. Doch im entscheidenden Moment bekam Verstappen seine Vorderreifen nicht auf Temperatur und er musste Vettel den Vortritt lassen.

Macht aber nichts, wenn man Super Max heißt und sich die verlorene Spitzenposition ganz einfach mit einem konsequenten Manöver direkt nach dem Start zurückholt. Weil sich Hamilton und Vettel danach gegenseitig ausschalteten und Ricciardo mit einem Motorschaden ausschied, stand Verstappen plötzlich ohne echten Gegner da. Locker erzählte er deswegen später vom "Cruisen" und "einem der einfachsten Rennen" seiner Karriere.

Während Ricciardo momentan das Verstappen'sche Pech aus der ersten Saisonhälfte an seinem Rennanzug kleben hat, läuft es für den Niederländer wie am Schnürchen. Dass er nebenbei Weltmeister Hamilton überrunden durfte, wird ihm besonders geschmeckt haben - auch wenn er im nächsten Jahr sicher selbst um den Titel mitreden möchte.

Platz 2, Esteban Ocon:

Mister Zuverlässig hat wieder zugeschlagen! Mit Platz fünf gab es im 18. Rennen zum 17. Mal Punkte - auf einen besseren Schnitt kommt da in dieser Saison nur ein gewisser Lewis Hamilton. Klasse war bereits das Qualifying, in dem er Perez nicht nur dreieinhalb Zehntel abnahm, sondern sich sogar vor Ricciardo im Red Bull positionierte. Im Rennen verweilte er bedingt durch den besagten Start-Zwischenfall zeitweise auf dem dritten Rang, nur die beiden Ferraris musste er im Laufe des Geschehens noch ziehen lassen. Ein rundum starker Auftritt!

Platz 1, Fernando Alonso:

Seit dem Großen Preis von China im April stand der Spanier nicht mehr ganz oben im Driver-Ranking. Nun ist es wieder so weit - dank einer tadellosen Leistung über das ganze Wochenende hinweg.

Um mal kurz die Highlights aufzuzählen: In Q1 hievte Alonso seinen McLaren-Honda mit nur 0,2 Sekunden Rückstand auf Hamilton auf den fünften Rang. Auf einer Strecke, die aufgrund ihrer Höhe und der langen Startziel-Geraden kein Kindergeburtstag für die Motoren darstellt. Famos!

Im Rennen kämpfte sich der einstige Schumacher-Rivale nach vorne, hing aber wegen seines Speed-Nachteils Ewigkeiten hinter Ericsson und später Magnussen fest. Dem neutralen Zuschauer wird das recht gewesen sein, schließlich kam es so überhaupt zum Battle zwischen ihm und Hamilton kurz vor Rennende. Über mehrere Runden lieferten sich die beiden Alphatiere ein atemberaubendes Rad-an-Rad-Duell, bis sich Alonso nach einem über fünf Kurven andauernden Zweikampf geschlagen geben musste. Mit stumpfen Waffen so dagegenzuhalten, verdient besondere Anerkennung.

Härtefall, Lewis Hamilton:

Der frischgebackene Weltmeister nicht im Driver-Ranking? Wie kommt's? Nun, Hamilton erwischte schlicht alles andere als ein ideales Wochenende. Schon am Samstag war der Engländer von seiner Topform entfernt, machte immer wieder kleinere Fehler und hatte lediglich 24 Tausendstel Vorsprung auf Bottas.

In der Startphase setzte Hamilton seinen Mercedes dann eigentlich in die perfekte Position. Pech, dass er daraus kein Kapital schlagen konnte, weil Vettel ihm den Reifen aufschlitzte.

Nach dem Zwischenfall setzte sich der nun viermalige Weltmeister kaum noch in Szene. Wegen eines kaputten Diffusors fehlte es an Pace, dass er über ein Drittel der Renndistanz hinter Carlos Sainz Junior festhing, sagt eigentlich alles.

Wie viel der Defekt tatsächlich gekostet hat, ist bislang Mercedes' Geheimnis. Fakt ist aber, dass Hamilton sein Können in Mexiko nicht wie gewohnt zur Schau stellte. Mit dem Titelgewinn im Rücken wird er das jedoch verschmerzen können.

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